Nothilfen
Neugeborene werden nur selten in Babyklappen abgelegt

Babyklappen gibt es in Sachsen-Anhalt in Magdeburg und Halle. (Archivbild) Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
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In den vergangenen 25 Jahren wurden in Sachsen-Anhalt 56 Neugeborene anonym in Babyklappen abgelegt. In einigen Jahren blieb das Angebot sogar ungenutzt.

Ungewollte Schwangerschaften und schwierige Lebenslagen führen in Sachsen-Anhalt nur selten dazu, dass Neugeborene anonym in Babyklappen abgelegt werden. Seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2001 wurden bis Ende des vergangenen Jahres 56 Kinder auf diesem Weg abgegeben - in einigen Jahren blieben die Klappen sogar leer, wie das Landesverwaltungsamt in Halle mitteilte. 2024 und 2025 waren es demnach je drei Neugeborene. Der bisher höchste Wert war mit acht Säuglingen im Jahr 2010 registriert worden, wie aus der Statistik hervorgeht, die auf freiwilligen Angaben der Adoptionsvermittlungsstellen im Land basiert. 

Angebot mit landesweit zwei Babyklappen eher klein

Dem Landesverwaltungsamt zufolge gibt es aktuell in Sachsen-Anhalt zwei Babyklappen in Magdeburg und Halle, in Dessau-Roßlau gibt es das Angebot nicht mehr. Babyklappen ermöglichen es einer Mutter, ihren Säugling unerkannt in ein Wärmebettchen mit Sensor hinter einer Stahlklappe zu legen. 

Deutschlands erste Babyklappe wurde am 8. April 2000 in Hamburg in Betrieb genommen. Mittlerweile gibt es bundesweit geschätzt zwischen 70 und 100 solcher Hilfsangebote. Eine zentrale Statistik gebe es aufgrund unterschiedlicher Träger nicht. 

88 anonyme Geburten in 25 Jahren

Seit 2001 werden in Sachsen-Anhalt auch anonyme Geburten erfasst, bei denen die Schwangere dauerhaft unerkannt bleibt, weil keine personenbezogenen Daten gespeichert werden. Laut Landesverwaltungsamt waren das bislang 88, allein im vergangenen Jahr wurden vier gezählt. Anonyme Geburten fänden oft außerhalb einer medizinischen Einrichtung statt. 

Auch die Möglichkeit der von einer Beratungsstelle begleiteten vertraulichen Geburt gibt es, wie es hieß. Sie ermöglicht es Schwangeren in Not, ihr Kind medizinisch sicher, aber ohne Offenlegung ihrer Identität zur Welt zu bringen. Die Statistik reicht hierfür den Angaben nach bis 2015 zurück, seitdem wurde das Angebot 55 Mal genutzt. Im Jahr 2025 gab es neun vertrauliche Geburten im Land. Meist entbinden Frauen dabei vertraulich unter einem Pseudonym in einem Kranken- oder Geburtshaus oder mit Hilfe einer Hebamme. 

Auf Kinder wartet die Adoption

Die vertrauliche Geburt soll anonyme Geburten außerhalb von medizinischen Einrichtungen vermeiden und die Gesundheit von Mutter und Kind schützen. In der Regel werden anonym oder vertraulich geborene Kinder sowie die Neugeborenen aus den Babyklappen in Adoptivfamilien vermittelt. Von den 16 Kindern, die im vergangenen Jahr vertraulich und anonym geboren oder in die Babyklappe gelegt worden sind, leben 15 in Adoptionspflege, wie es hieß. Diese beginnt, sobald ein Adoptivkind in seine neue Familie aufgenommen wird, und dauert in der Regel ein Jahr.

dpa

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