Alkoholmissbrauch Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen auf Tiefstand

In Sachsen ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die wegen eines Alkoholrausches ins Krankenhaus eingeliefert wurden, deutli
In Sachsen ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die wegen eines Alkoholrausches ins Krankenhaus eingeliefert wurden, deutlich zurückgegangen. (Symbolbild) Foto
© Silas Stein/dpa
Die Zahl der Jugendlichen mit Alkoholvergiftung sinkt – in Sachsen sogar stärker als bundesweit. Doch Politik und Krankenkassen warnen: Alkohol ist für junge Menschen weiterhin allgegenwärtig.

Wegen Alkoholvergiftungen sind 2024 erneut wenige Kinder und Jugendliche in Sachsen stationär behandelt worden. 807 Fälle gab es im Freistaat, darunter 444 Jungen und 363 Mädchen, wie nach Informationen der DAK-Gesundheit aus aktuellen Daten des Statistischen Landesamtes hervorgeht. Das waren 8,7 Prozent weniger als 2023.

Damit war der Rückgang in Sachsen stärker als in ganz Deutschland. Bundesweit wurden 8.781 jugendliche Rauschtrinker registriert - 5,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Das war die niedrigste Zahl in 25 Jahren. 

Den Trend bestätigt auch das Universitätsklinikum Dresden - jedoch mit einer Einschränkung. Bei der Zahl der Behandlungen gebe es zwar eine kleine Veränderung nach unten, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. "Wir haben aber auch den Eindruck, dass die Alkoholintoxikationen schwerer als früher sind." Zudem werden Jugendliche demnach inzwischen mehr als früher ambulant behandelt und nur die schweren Fälle oder die ohne Elternbegleitung stationär aufgenommen.

Sozialministerin warnt trotz positiver Entwicklung

Sozialministerin Petra Köpping mahnte zur Vorsicht. "Neues probieren und Grenzen testen, das ist normal und Alltag für Jugendliche. In diesem Alltag ist auch Alkohol beinahe überall präsent", sagte die SPD-Politikerin laut Mitteilung. Verbote zum Schutz der Gesundheit machten ihn für einige reizvoller. Jugendliche sollten jedoch so spät wie möglich mit dem Konsum beginnen und über die schweren Folgen informiert sein.

Bis einschließlich 2019 war die Zahl der 10- bis 19-Jährigen mit Alkoholrausch in Sachsen noch stetig angestiegen - von 1.177 im Jahr 2017 über 1.231 auf einen Höchststand von 1.266. Im Vergleich dazu kamen 2024 sogar mehr als ein Drittel weniger Jungen und Mädchen mit Alkoholrausch ins Krankenhaus.

DAK-Landeschefin: Jeder Fall ist einer zu viel

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"Erfreulicherweise müssen immer weniger Kinder und Jugendliche im Freistaat nach einem Alkoholrausch in die Klinik", sagt Stefan Wandel, Landeschef der DAK-Gesundheit in Sachsen. Jeder einzelne Fall sei jedoch einer zu viel. Die Aktion "bunt statt blau" soll daher auch im 17. Jahr das wichtige Thema in die Schulen bringen.

Mit der vom Sozialministerium unterstützten Kampagne klärt die DAK seit 2010 in Schulen über exzessiven Alkoholkonsum auf, bei dem Jugendliche binnen weniger Stunden bis zum gefährlichen Vollrausch trinken. Auch in diesem Jahr sind die besten Plakatideen von 12- bis 17-Jährigen zum Thema Rauschtrinken gesucht. Seit 2010 haben den Angaben zufolge bundesweit fast 143.000 Mädchen und Jungen bunte Plakate gegen das Rauschtrinken gestaltet.

dpa

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