Gestoppter Bibliotheksbau
Kulturministerin fordert Anbau der Nationalbibliothek

Trotz der Entscheidung des Kulturstaatsministers des Bundes besteht Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) weiter auf d
Trotz der Entscheidung des Kulturstaatsministers des Bundes besteht Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) weiter auf den Anbau. (Archivbild) Foto
© Sebastian Kahnert/dpa
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer entschied sich gegen den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Sachsens Kulturministerin will das nicht akzeptieren.

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch fordert den Kulturstaatsminister Wolfram Weimar auf, den lange geplanten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek zu realisieren. Der Anbau sei notwendig, um das kulturelle Erbe Deutschlands auch künftig verlässlich zu sichern, teilte die CDU-Politikerin mit. 

Die Bibliothek hatte in der vorigen Woche überraschend mitgeteilt, dass Weimer sich gegen den Erweiterungsbau entschieden habe. Dieser sollte langfristig Platz schaffen, um Bücher und andere Medien sammeln und aufbewahren zu können. Die Magazinkapazitäten in Leipzig seien nahezu erschöpft. Es seien bereits rund sieben Millionen Euro in die Planung geflossen. 

Weimer will digital sammeln lassen

Ein Sprecher des Kulturstaatsministers bestätigte, dass der Neubau vorerst nicht kommen soll. Die Planungen seien wegen der unsicheren Haushaltslage des Bundes ausgesetzt. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. "Grundsätzlich strebt Staatsminister Weimer an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden." 

Laut Gesetz müssen Verlage derzeit prinzipiell zwei physische Exemplare an die Bibliothek liefern. Weimer setze sich dafür ein, dass es in Zukunft nur noch ein Exemplar sein wird – und das, wenn möglich, ausschließlich digital. Das sei ein Beitrag zum Bürokratieabbau, hieß es.

Die Deutsche Nationalbibliothek habe kürzlich einen aktuellen Planungsstand zum angestrebten Erweiterungsbau übermittelt. Die Kosten hätten zwar nochmals deutlich gesenkt werden können, lägen aber immer noch bei 100 Millionen Euro, erklärte der Sprecher.

Klepsch: Buch und Digitales nicht gegeneinander ausspielen

Sachsens Kulturministerin Klepsch betonte dagegen die Bedeutung der Nationalbibliothek für die Kulturlandschaft. "Die Digitalisierung und das gedruckte Buch dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden – wir brauchen beides", erklärte sie.

Auch der Vorsitzende des Bibliotheksverbands Sachsen, Lars Rohwer, tritt für den Anbau der Nationalbibliothek ein. Er verweist darauf, dass zu dem Projekt auch ein integrierter Datenspeicher gehöre. Somit sei der Erweiterungsbau eine zukunftsweisende Investition in den Gründungsstandort der Nationalbibliothek.

dpa