Rohstoffe
AMG Lithium strebt Komplettübernahme von Zinnwald-Projekt an

Das Unternehmen AMG Lithium strebt eine Übernahme der Aktiengesellschaft Zinnwald Lithium PLC an. Ziel ist ein Beginn des Lithiu
Das Unternehmen AMG Lithium strebt eine Übernahme der Aktiengesellschaft Zinnwald Lithium PLC an. Ziel ist ein Beginn des Lithiumabbaus im Erzgebirge bis 2030 - womöglich zunächst in deutlich kleinerem Maßstab als bislang geplant. (Archivbild) Foto
© Sebastian Kahnert/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Ab 2030 soll im Erzgebirge Lithium abgebaut werden. Möglicherweise aber zunächst in kleinerem Maßstab als bislang geplant. Das soll laut Unternehmen für weniger Risiko und mehr Akzeptanz sorgen.

In das Projekt zum Lithiumabbau im Erzgebirge kommt neue Bewegung: Das Unternehmen AMG Lithium, das derzeit rund 30 Prozent der Anteile an der Muttergesellschaft „Zinnwald Lithium PLC“ hält und seit 2023 zudem einen Sitz im Aufsichtsrat besetzt, hat den übrigen Aktionären nach eigenen Angaben ein Übernahmeangebot gemacht. Ziel sei es, die Gesellschaft und das damit verbundene Bergbauprojekt zu einem der größten europäischen Lithiumvorkommen vollständig zu übernehmen, sagte CEO Stefan Scherer der Deutschen Presse-Agentur. „Wir mussten uns jetzt entscheiden: Wollen wir das wirklich? Glauben wir an das Projekt und ziehen mit? Und das haben wir getan“, sagte Scherer. 

Nötig sind für die Übernahme rund 56 Millionen US-Dollar, die zu gleichen Teilen aus Barkapital und AMG-Aktien kommen sollen. AMG Lithium gehört zum Konzern AMG Critical Materials N.V. mit Sitz in den Niederlanden. Das Unternehmen hat in Bitterfeld-Wolfen vor rund eineinhalb Jahren Europas erste Lithiumhydroxid-Raffinerie in Betrieb genommen. Dort sollen künftig bis zu 20.000 Tonnen Lithiumhydroxid produziert werden. Der Rohstoff wird für die Produktion moderner Batterien, etwa für E-Autos, benötigt.

Schrittweise Inbetriebnahme ab 2030 als Ziel

Für Aufhorchen unter Anwohnern im Erzgebirge dürfte dabei vor allem die Ankündigung des Unternehmens sorgen, den Abbau des Lithiums aus dem Festgestein unter Zinnwald-Georgenfeld zunächst schrittweise angehen zu wollen, um das Risiko für alle Beteiligten zu senken, wie Scherer sagt: „Technisch, finanziell und mit Blick auf Anwohner und Umwelt.“ Bislang war von einem jährlichen Abbauvolumen von bis zu 1,5 Millionen Tonnen Lithium-Erz die Rede. Insbesondere die zur Diskussion stehenden Standorte einer dafür nötigen Aufbereitungsanlage und einer Abraumhalde sorgten bei Bürgerinitiativen für Widerstand.

Aus Sicht von AMG-Lithium-Chef Scherer brauche es zunächst den Nachweis, dass ein Abbau des Lithiums in der Region wirtschaftlich möglich sei. Dies könne – auch um das finanzielle Risiko zu minimieren – zunächst in deutlich kleinerem Maßstab geschehen. „Man kann so eine Mine auch stufenweise anfahren, dann fährt man sie halt erst mal ein bisschen kleiner an“, sagte Scherer. Von der Herangehensweise erhofft sich der CEO auch, möglicherweise für mehr Akzeptanz durch die Menschen vor Ort zu sorgen. Wunsch und Ziel sei ein erster Abbau des Rohstoffs ab 2030.

AMG-Chef: Ohne politischen Willen geht es nicht

In den kommenden beiden Monaten solle nun zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme der bisherigen Planung folgen, so Scherer. In den folgenden ein, zwei Jahren werde eine Phase weiterer Untersuchungen und Tests hin zu einer Machbarkeitsstudie folgen. „Dafür werden wir bereits ein paar Millionen investieren müssen.“ Das Projekt habe das Potenzial, Teil einer strategischen europäischen Wertschöpfungskette für Produkte zu werden, die unabhängig von Weltmarktführern wie China verfügbar sein sollen, etwa „im Sicherheits- und Verteidigungsbereich“ aber auch anderswo.

Ganz ohne Förderung und politischen Willen seitens Bund und EU werde das deutsche Projekt nicht umsetzbar sein, glaubt AMG-Chef Scherer und verweist auf das Lithium-Projekt auf tschechischer Seite. Im nur wenige Kilometer entfernten tschechischen Cinovec plant die Firma Geomet ein Bergbauvorhaben. Die frühere tschechische Regierung hatte Subventionen in Höhe von 8,8 Milliarden Kronen (rund 361 Millionen Euro) zugesagt. Bewilligt wurden zudem knapp 33 Millionen Euro EU-Fördergelder. Denn das Projekt hatte im Gegensatz zu seinem deutschen Pendant die Einstufung als EU-Projekt für kritische Rohstoffe erhalten.

Mitte Januar hatte sich Zinnwald Lithium erneut um diesen Status beworben, sagte Marko Uhlig, Geschäftsführer der für die Planung des Bergbauprojekts vor Ort verantwortlichen Zinnwald Lithium GmbH zuletzt. Ein solcher Status verspricht gemäß EU-Verordnung eine bevorzugte Behandlung für schnellere Genehmigungsverfahren. Laut Sachsens oberster Bergbaubehörde, dem Oberbergamt in Freiberg, bedeute der Status zusätzliche Personalkapazitäten bei der Bearbeitung der Sache, nicht aber weniger strenge Regularien.

Bürgerinitiative sieht ihre Kritik bestätigt

Die Bürgerinitiative Bärenstein sieht in den Ankündigungen von AMG Lithium, den Umfang des Projekts auf den Prüfstand stellen zu wollen, eine Bestätigung ihrer Kritik. Sie hatte in der Vergangenheit wiederholt vor Eingriffen in Schutzgebiete und Folgen für Mensch und Natur gewarnt und einen zu großen Fußabdruck des Projekts kritisiert. Im Umgang mit der Kritik der Anwohner setzt Scherer nach eigenen Worten auf Offenheit und ein stufenweises Vorgehen. „Wir wollen dieses Vorkommen erschließen – und zwar so erschließen, dass es für alle Beteiligten Sinn macht“, sagte er. Man sei als Unternehmen zwar „da, um Geld zu verdienen“, könne dieses Ziel aber auf unterschiedliche Weise erreichen. Es gehe nun darum, die nächsten Jahre zu nutzen, um Verfahrenstechnik und Genehmigungen voranzutreiben und zugleich im Gespräch mit Gemeinden und Bürgerinitiativen Vertrauen in einen möglichen späteren Regelbetrieb aufzubauen.

dpa