Gedenkstätte
Kritik an geplantem "Palästinensertuch"-Protest an Gedenktag

In das KZ Buchenwald bei Weimar und seine Außenlager hatten die Nationalsozialisten seit dem Sommer 1937 etwa 280.000 Menschen v
In das KZ Buchenwald bei Weimar und seine Außenlager hatten die Nationalsozialisten seit dem Sommer 1937 etwa 280.000 Menschen verschleppt, darunter viele zehntausend Jüdinnen und Juden. (Archivbild) Foto
© Bodo Schackow/dpa
Gruppen, die sich als Unterstützer der Palästinenser sehen, rufen zum Jahrestag der Befreiung von Buchenwald zum Protest auf. Das stößt auf deutlichen Widerstand.

Das Netzwerk jüdischer Hochschullehrender spricht sich gemeinsam mit etlichen anderen Organisationen gegen die Kampagne "Kufiyas in Buchenwald" aus. Die geplante Aktion sei eine "antisemitische Provokation, die das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus für eine israelfeindliche Agenda instrumentalisiert", heißt es in einer Stellungnahme des Netzwerks.

Die linken und propalästinensischen Aktivisten hinter der Kampagne haben zu Protesten in Weimar während des Gedenkwochenendes zum 81. Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers im April aufgerufen. 

Hintergrund ist ein Streit um das Tragen von Palästinensertüchern ("Kufiyas") auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Zur Gedenkfeier im April vergangenen Jahres wurde einer Frau der Zutritt zum Gelände verweigert, weil sie mit einem Palästinensertuch nach eigenen Angaben gegen die Unterstützung der israelischen Politik protestieren wollte. Die Frau klagte daraufhin erfolglos vor Gericht.

Netzwerk: "Palästinensertuch" Kufiya auch Terror-Symbol 

Die "Kufiya" wird oft als Symbol des palästinensischen Widerstands interpretiert – dabei steht das Kleidungsstück den Autoren der Stellungnahme zufolge mitunter auch für militante und terroristische Bewegungen. 

"Die politische Kufiya, wie sie von den hier aktiven Gruppen verstanden und eingesetzt wird, steht in einer durchgängigen Traditionslinie des bewaffneten Kampfes gegen jüdische Souveränität und gegen die Existenz des jüdischen Staates – und genau in dieser Tradition wollen die Kampagnenaktivisten sie an einem Ort des Gedenkens an die Shoah zur Schau tragen", heißt es in den Schreiben.

Auch der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, unterzeichnete die Stellungnahme: "In Buchenwald gedenken wir unserer ermordeten Angehörigen. Es ist ein Ort, der für viele von uns die meist fehlenden Gräber unserer Angehörigen ersetzt. Wir lassen uns Buchenwald nicht von Antisemiten entweihen." Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald ordnet die geplante Aktion als Angriff auf die deutsche Erinnerungskultur.

Einem Sprecher der Stadt Weimar zufolge liegt die Anmeldung für den Protest am 12. April vor, werde aber noch geprüft.

Die historische Dimension von Buchenwald

In das KZ Buchenwald bei Weimar und seine Außenlager hatten die Nationalsozialisten zwischen 1937 und 1945 etwa 280.000 Menschen verschleppt, darunter Zehntausende Jüdinnen und Juden. 56.000 Menschen wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten, durch Zwangsarbeit oder medizinische Experimente.

dpa