Unter großem Andrang hat vor dem Landgericht Meiningen der Prozess um den gewaltsamen Tod eines 23-Jährigen in Südthüringen begonnen. Auf der Anklagebank sitzen zwei 16 und 17 Jahre alte Mädchen sowie zwei junge Männer im Alter von 19 und 20 Jahren. Ihnen wird unter anderem Mord durch Unterlassen vorgeworfen. Gleich zu Beginn wurde auf Antrag der Verteidigung - und sehr zum Unmut der zahlreichen Zuschauer in dem voll besetzten Gerichtssaal - die Öffentlichkeit von dem Verfahren ausgeschlossen.
Der 23-Jährige war im vergangenen Juni nur mit einer kurzen Hose bekleidet tot in einem Bachlauf in Zella-Mehlis gefunden worden. Das Opfer war laut Staatsanwaltschaft zuvor massiv misshandelt worden. Laut Anklage war es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren alkoholisierten Personen gekommen. Die Angeklagten sollen den 23-Jährigen in der Folge unter anderem mit Pfefferspray, einem Gürtel und Tritten attackiert haben.
Grausame Tat
Das schwer verletzte und alkoholisierte Opfer konnte dann der Staatsanwaltschaft zufolge im Dickicht verschwinden, stürzte ins Bachbett und ertrank. Die Angeklagten hätten keine Hilfe geleistet und den danach eintreffenden Beamten den Verbleib und den Zustand des 23-Jährigen verschwiegen. Sie hätten aufgrund der schweren Verletzungen und des Alkoholpegels des Opfers seinen Tod in Kauf genommen. Dabei handelten sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft grausam und zur Verdeckung einer Straftat.
Die Vorsitzende Richterin begründete den Ausschluss der Öffentlichkeit unter anderem mit den Persönlichkeitsrechten der angeklagten Jugendlichen. Ihnen sollten unter anderem soziale Schwierigkeiten und Nachteile erspart werden, da auch Umstände aus ihrem persönlichen Lebensbereich zur Sprache kämen und eine Einlassung der Angeklagten im Raum stehe.
Unverständnis vor dem Gerichtssaal
"Ich verstehe das nicht, warum das nicht öffentlich ist, sie waren auch alt genug, wo sie das gemacht haben - die Tat", äußerte die Tante des Opfers ihr Unverständnis über die nicht öffentliche Verhandlung. Für sie sei die Aufklärung sehr wichtig, um damit auch abschließen zu können.
Wollen Sie nichts mehr vom stern verpassen?
Persönlich, kompetent und unterhaltsam: Chefredakteur Gregor Peter Schmitz sendet Ihnen jeden Mittwoch in einem kostenlosen Newsletter die wichtigsten Inhalte aus der stern-Redaktion und ordnet ein, worüber Deutschland spricht. Hier geht es zur Registrierung.
In dem Prozess treten der Vater und die Schwester des Opfers als Nebenkläger auf. Bereits am ersten Verhandlungstag waren erste Zeugen geladen. Für den Prozess sind bis Ende Februar zunächst weitere sechs Verhandlungstage angesetzt. Auch die Verkündung des Urteils soll dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen.