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Partnerschaft Studie: Wann Menschen einen Seitensprung wagen – und was sie davon abhält

Was Menschen zu einem Seitensprung bewegt: Pärchen küsst sich auf einem Bett
Fast jede dritte Frau hat in einer aktuellen Studie angeben, trotz fester Beziehung, ihren Partner schon einmal betrogen zu haben. Soziologen wollten wissen, wann und warum Menschen untreu sind (Symbolbild)
© eclipse_images / Getty Images
Fast jede dritte Frau und jeder vierte Mann haben in einer aktuellen Studie angegeben, schon einmal untreu gewesen zu sein. Was bewegt Menschen dazu, ihren Partner zu betrügen? Eine kriselnde Beziehung allein ist nicht der Grund, wie Münchner Soziologen herausfanden.

Dieser Beitrag erschien zuerst an dieser Stelle auf RTL.de.

Meist trifft es den Betrogenen aus heiterem Himmel: Wenn herauskommt, dass der eigene Partner fremdgeht, zieht dies vielen Menschen den Boden unter den Füßen weg. Auf Wut und Trauer folgt schnell die Frage nach dem Warum. Soziologen der Ludwig-Maximilians-Universität München haben nun erforscht, in welchen Situationen Menschen fremdgehen. Und dabei einen deutlichen Unterschied bei Männern und Frauen gefunden.

Obwohl verschiedene Umfragen immer wieder zeigen, dass Treue in Beziehungen nach wie vor "angesagt" und für viele eine Grundvoraussetzung in einer Partnerschaft ist, kennt nahezu jeder einen Menschen, der schon einmal von seinem Partner betrogen wurde – oder selbst betrogen hat. Und auch die Ergebnisse der Elitepartner-Studie 2020 verdeutlichen, dass in Sachen Treue Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Im Rahmen der Studie wurden knapp 5.600 Deutsche zu ihrem Verhalten in Sachen Treue befragt.

Das Ergebnis: Fast jede dritte Frau (31 Prozent) und gut jeder vierte Mann (27 Prozent) haben in der aktuellen Studie angegeben, in einer festen Beziehung schon einmal untreu gewesen zu sein. Im Jahr 2012 war es nur etwa jede fünfte Frau gewesen (19 Prozent). Am häufigsten gehen Frauen in ihren Dreißigern fremd: In dieser Lebensphase haben 39 Prozent der Frauen ihren Partner schon einmal betrogen.

Langzeit-Studie mit ursprünglich fast 14.000 Teilnehmern

Wie hängen untreues Verhalten in einer Beziehung und die Zufriedenheit mit der Partnerschaft zusammen? Das wollten die beiden Soziologen Christiane Bozoyan und Claudia Schmiedeberg wissen. Für ihre Untersuchung verwendeten sie Daten des Beziehungspanels pairfam (Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics). Die ursprünglich 13.891 Teilnehmer werden seit 2008 einmal pro Jahr zu Themen wie Partnerschaftsqualität, Sexualität, Elternschaft und eben Untreue befragt. In die Studie einbezogen wurden nur die Teilnehmer, die in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Studien-Wellen in derselben Partnerschaft lebten.

Die Befragten sind im Mittel 31 Jahre alt, erwerbstätig und leben seit sieben bis acht Jahren in ihrer Partnerschaft. Die Mehrheit der Paare ist verheiratet und hat Kinder. Dabei geben die Teilnehmer ihre Daten selbst in den Laptop des Interviewers ein.

Beziehung in der Krise: Nur einer von vielen Gründen

Insgesamt gaben nur fünf Prozent der Teilnehmer der Studie zu, ihrem Partner untreu (gewesen) zu sein. Dabei stellten die Soziologen anhand der Fragen und Antworten der Teilnehmer fest: Unzufriedenheit in der Beziehung allein ist noch kein Grund für einen Seitensprung.

Ein Mann und eine Frau schauen sich intensiv in die Augen.

Sehe einer der Partner die eigene Beziehung jedoch bereits in ernsten Schwierigkeiten oder denke über eine Trennung oder Scheidung nach, so falle ihm auch ein Seitensprung leichter. Bei einer hohen Trennungsneigung steigt das Untreuerisiko laut der Studie um etwa zwei Prozentpunkte.

Umgekehrt trägt laut Bozoyan und Schmiedeberg die Zukunftsgewissheit über schwierige Phasen in einer Beziehung hinweg – das gleiche gelte übrigens für Schwangerschaft und Kinder. Die Ehe oder eine gemeinsame Wohnung hätten diesen Effekt nicht.

Nach dem Seitensprung: Wer kommt besser damit klar?

Macht der Seitensprung die Beziehung für den Untreuen besser? Im Gegenteil! Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Zufriedenheit mit der Beziehung eher weiter sinkt – sozusagen als Rechtfertigung für das eigene Handeln.

Während die Zufriedenheit von Frauen mit der eigenen Beziehung nach einem Seitensprung um 1,16 Punkte sinkt, sinkt sie bei Männern nur um 0,62 Punkte. Somit empfinden Frauen einen Seitensprung als ein einschneidenderes Erlebnis als Männer.

js / RTL.de

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