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Baden-Württemberg Strafarbeit für Drittklässlerin, die auf dem Schulhof Türkisch sprach, war rechtswidrig

Strafarbeit wegen Türkisch in der Schule
Die Neunjährige sollte als Strafarbeit einen halbseitigen Aufsatz zum Thema "Warum wir in der Schule Deutsch sprechen" schreiben (Symbolbild)
© Jardul / Getty Images
Weil sie in der Pause mit einer Mitschülerin Türkisch gesprochen hatte, wurde ein Mädchen in Baden-Württemberg zu einer Strafarbeit verdonnert. Die Familie reichte Klage gegen die Schulbehörde ein, beide Seiten haben sich nun geeinigt.

Schon vor zwei Jahren sorgte der Fall einer Schülerin aus Blumberg in Baden-Württemberg für Aufsehen: Das Mädchen, das damals die dritte Klasse besuchte, hatte auf dem Pausenhof mit einer Mitschülerin Türkisch gesprochen. Daraufhin wurde ihr eine Strafarbeit auferlegt. Sie sollte einen Aufsatz über das Thema ""Warum wir in der Schule Deutsch sprechen" sprechen.

Die Familie schaltete einen Anwalt ein, der zunächst Widerspruch gegen die Strafarbeit sowie Dienstaufsichtsbeschwerden einlegte. Nachdem der Widerspruch abgelehnt wurde, klagte die Familie des damals neun Jahre alten Mädchens. Der Fall hatte sogar in türkischen Medien für Schlagzeilen gesorgt. Nun einigten sich das Regierungspräsidium Freiburg und die Familie der Schülerin auf einen außergerichtlichen Vergleich, berichten der "Schwarzwälder Bote" und der "Spiegel". Das Regierungspräsidium, welches das Land Baden-Württemberg vertritt, räume darin ein, dass die Strafarbeit "rechtswidrig" war.

Persönlichkeitsrechte im Vordergrund – Strafarbeit hat vor Gericht keinen Bestand

Eigentlich hatte der Fall vor dem Freiburger Verwaltungsgericht verhandelt werden sollen, schon im Vorfeld hatte sich jedoch abgezeichnet, dass die Strafarbeit vor Gericht keinen Bestand haben würde. Das Gericht sehe "die allgemeinen Persönlichkeitsrechte der Schülerin mehr im Vordergrund als die Ermächtigung zur Anwendung pädagogischer Erziehungsmaßnahmen", zitiert der "Schwarzwälder Bote" den Sprecher des Regierungspräsidiums. Ursprünglich hatte sich die Schulbehörde auf das Schulgesetz berufen, in dem dieser Einzelfall aber offenbar nicht abgedeckt ist.

An der Schule des Mädchens galt die Regel, dass alle Schüler:innen Deutsch sprechen mussten. Das Regierungspräsidium begründete diese "Vereinbarung" damit, dass fast die Hälfte der Schüler:innen einen Migrationshintergrund hätten. Weil das Mädchen auf dem Schulhof dennoch Türkisch mit einer Kameradin gesprochen hatte, wurde sie mit einer Strafarbeit belegt. Der Anwalt der Familie sah dieses Vorgehen jedoch als "grundgesetzwidrig" an und fragte damals: "Würde bei Gebrauch der beispielsweise englischen Sprache oder lateinischen Sprache durch Schüler außerhalb des Unterrichts auf dem Schulgelände während der Unterrichtspause eine entsprechende Strafarbeit verfügt werden?"

Quellen: "Spiegel" / "Schwarzwälder Bote" (1) / "Schwarzwälder Bote" (2)

Neunjähriger begeistert bei Aufführung mit seinen Tanzschritten

Sehen Sie im Video: Der neunjährige Tripp aus den USA begeistert bei einer Schulaufführung mit seinen coolen Moves. Der Drittklässler ist Teil einer Tanzaufführung seiner Schule. Als die Lehrerin den Kindern Zeit gibt, ihre eigenen Tanzschritte zu präsentieren, packt Tripp seine Moves aus – und geht damit viral.

epp

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