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Studie zu Bestseller-Käufern Sarrazin-Fans sind männliche Stubenhocker


Eine Studie zeigt, wer den umstrittenen Bestseller von Thilo Sarrazin gekauft hat: Es sind Männer, die gern zu Hause bleiben und auch sonst recht scheu sind.
Von Frank Thomsen

Eigentlich sorgen Frauen dafür, dass Bücher zu Bestsellern werden. Bei Thilo Sarrazins Hasspredigt "Deutschland schafft sich ab" ist das anders. 62 Prozent der Käufer sind männlich. Da einige Frauen das Buch zudem für ihre Männer erwerben, wird die Geschlechterverteilung noch klarer: Sieben von zehn Sarrazin-Buchbesitzern sind Männer.

Diese Erkenntnis verdanken wir der "Süddeutschen Zeitung", die bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) eine umfangreiche Studie in Auftrag gegeben hat, wer die 1,2 Millionen Menschen sind, die das umstrittene Sachbuch bisher gekauft haben. Die Resultate erweisen sich als äußerst unterhaltsam.

Die Sarrazin-Käufer, so findet die GfK heraus, verfügen über ein eher höheres Einkommen. Überdurchschnittlich häufig greifen 20- bis 29-Jährige zu dem Sachbuch, noch mehr aber die "ältere Mittelschicht".

Risikoscheu, aber erfolgsorientiert

Doch wie ticken die 1,2 Millionen Deutschen, die sich das Buch mit den steilen Thesen zu dummen Moslems und gebärwilligen Unterschichtlern nach Hause holen und ins Regal stellen - ob sie's wirklich lesen, das weiß auch die Studie nicht? Die GfK hat dazu ausgewertet, wie Sarrazin-Käufer im Vergleich zu allen Buchkäufern auf Fragen zur Lebenseinstellung antworten. Nun, mitreißende, die Welt umarmende, mutige Menschen sind es nicht. So stimmen Sarrazin-Käufer etwa eklatant seltener dem Satz "Ich gehe gern Risiken ein und suche das Abenteuer" zu als andere. Sie erweisen sich auch als wahre Stubenhocker: Was unternehmen ist nicht ihr Ding. Sie fühlen sich zu Hause wohl. Die Sauberkeit ihrer Wohnung ist ihnen bedeutsamer als anderen.

Wichtig ist ihnen beruflicher Erfolg - ein Erfolg, siehe oben, ohne Risiko. Hier zieht die "Süddeutsche" zu Recht eine Parallele zum Autor: Sarrazin hat sein Berufsleben als Beamter verbracht. Ja, das Buch selbst hat er als Bundesbank-Vorstand so geschrieben, wie es sich viele erträumen: Sicherer Job, hohes Einkommen, aber genug Zeit für Nebenbeschäftigungen. Erfolg ohne Risiko - dass ihn die Bundesbank dann rausgeschmissen hat, damit konnte er nun wirklich nicht rechnen.

Die größten Abweichungen von allen Buchkäufern weisen die Sarrazin-Käufer aber beim Medienkonsum auf. Ihre Lieblingszeitungen sind die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und die "Welt am Sonntag", zwei eher konservative Wochenendblätter. Im Fernsehen schauen die Sarrazin-Fans weit überdurchschnittlich Volks- und Bauerntheatersendungen und Kabarett.

Der Befund also: Sarrazin-Anhänger sind vorsichtige, eher ältere Männer, die Wert auf beruflichen Erfolg legen, am liebsten zu Hause sind und dort "Ohnsorg-Theater" schauen. Was lehrt uns das? Jeder kriegt das Publikum, das er verdient.


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