Jugendschutz Tiktok will Nutzer unter 13 Jahren besser erkennen – und sperren

Ein Junge liegt auf dem Sofa und guckt auf ein Smartphone
Mit einer neuen Technologie will TikTok die Accounts von unter 13-Jährigen besser erkennen (Symbolbild)
© Annette Riedl / DPA
Die Altersbeschränkung auf Tiktok war für Kinder bisher leicht zu umgehen. Das soll sich mit einer neuen Technologie ändern. Damit gibt die Plattform dem Druck der EU nach.

Tiktok plant, in den kommenden Wochen eine neue Technologie zur Alterserkennung in Europa einzuführen. Damit reagiert die Videoplattform auf den Druck von Regulierungsbehörden, Konten von Kindern unter 13 Jahren besser zu erkennen und zu löschen.

Europäische Behörden prüfen zurzeit verstärkt, wie Plattformen die Altersüberprüfung ihrer Nutzer handhaben. Es bestehen Bedenken, dass die jetzigen Vorgehensweisen entweder unwirksam sind oder zu stark in die Privatsphäre eingreifen. 

Durchlässige Alterskontrollen

Bislang war die Kontrolle zur Altersbeschränkung von Tiktok leicht zu umgehen. Eine falsche Angabe des Geburtstages bei der Registrierung hat gereicht, um die Plattform auch als Kind nutzen zu können. Zudem bestand die Möglichkeit, Accounts zu melden, die vermutlich einer Person unter 13 Jahren gehören. Aber hier galt: Wo kein Kläger, da kein Richter, weshalb viele Kinder unter dem Radar der Moderationsteams blieben.

Zeitgleich gab es bisher kaum Konsequenzen, wenn die Altersbeschränkung nicht durchgesetzt wurden. Auch deswegen mag sich das Interesse der Plattformen, die Accounts von unter 13-Jährigen zu sperren, in Grenzen gehalten haben, besonders wenn der Erfolg der Tech-Firmen darauf basiert, möglichst viele Menschen auf ihren Diensten zu halten. In Zukunft könnten die Unternehmen jetzt härter in die Verantwortung genommen werden, beispielsweise in Form von Geldstrafen.

Programm analysiert das Verhalten von Tiktok-Nutzern

Das neu angekündigte System analysiert Profilinformationen, veröffentlichte Videos und Verhaltensmuster, um das Alter von Nutzern einzuschätzen, heißt es in einer Erklärung der Videoplattform. Konten, die von der Technologie als potenziell minderjährig eingestuft werden, sollen von spezialisierten Moderatoren erst einmal überprüft und nicht automatisch gesperrt werden, wie Tiktok erklärte. Wenn die neue Technologie starte, würden die europäischen Nutzer informiert.

Der Einführung sei laut der Videoplattform ein einjähriges Pilotprojekt in Europa vorausgegangen. Die neue Technologie sei speziell für Europa entwickelt worden, um die EU-Datenschutzvorgaben zu erfüllen. Das Europäische Parlament drängt auf Altersgrenzen für die Nutzung von sozialen Medien.

Australien legt im Jugendschutz vor

Australien geht seit etwa einem Monat strikt gegen die Nutzung sozialer Medien von unter 16-Jährigen vor. Seit das Verbot im Dezember in Kraft trat, haben die Anbieter 4,7 Millionen Konten von australischen Jugendlichen deaktiviert, wie die Internet-Aufsichtsbehörde des Landes mitteilte. Bei Verstößen drohen den Plattformen Geldstrafen von fast 50 Millionen australischen Dollar (rund 29 Millionen Euro). Die Zahl der gesperrten Konten ist deutlich höher als Schätzungen vor der Einführung des Gesetzes.

Seit dem 10. Dezember 2026 gilt in Australien ein strenges Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren
Seit dem 10. Dezember 2026 gilt in Australien ein strenges Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren
© George Chan / Getty Images

Das Vorgehen Australiens wird weltweit von Regulierungsbehörden beobachtet. Frankreich, Malaysia und Indonesien haben bereits angekündigt, ähnliche Gesetze einführen zu wollen. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland ist laut einer Umfrage ebenfalls für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren. Kritiker hatten die Durchsetzbarkeit des Verbots infrage gestellt. 

Reuters
hku