Putins Kanonenfutter Aus einer der ärmsten Regionen Russlands holt sich Putin besonders viele Soldaten. Viele kehren nicht zurück. Nun regt sich Widerstand

Soldatengräber in Kysyl, der Hauptstadt von Tuwa
Soldatengräber in Kysyl, der Hauptstadt von Tuwa. Neben der russischen Flagge weht die der Luftlandetruppen
© Alyona Malkowskaya/stern
Tuwa liegt im Süden Sibiriens und ist eine der ärmsten Regionen Russlands. Damals zahlten die Menschen Bestechungsgeld, um in die Armee aufgenommen zu werden. Als Soldat erwartete sie mehr als das Doppelte des Durchschnittslohns. Damals – als noch niemand wusste, das sie mit ihrer Unterschrift, ihren Tod besiegelten. 

An einem Samstagmorgen macht sich die Buchhalterin Natalja Saaja auf den Weg zu einem alten Bauernhaus in der sibirischen Stadt Kysyl. Sie will erfahren, ob ihr Sohn in den Krieg ziehen muss. Kurz wartet sie auf der Terrasse, während drinnen Jurij Oorschak seine Dienstkleidung anlegt: Auf den Kopf setzt er sich einen Federschmuck, an dem bunte Perlenschnüre baumeln. Seine schwarze Joppe ist mit Muscheln bestickt. Rasseln, Trommeln, Glöckchen und Kieselsteine liegen einsatzbereit auf seinem Schreibtisch. Seit Wladimir Putin die Ukraine überfallen ließ, haben Dutzende Schamanen in der russischen Republik Tuwa noch mehr zu tun als sonst.

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