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Leben nach der Infektion Andrew Watts war "einer der kränksten Covid-Patienten" – so geht es ihm heute

Menschen applaudieren Andrew Watts auf einem Krankenhausflur
Andrew Watts mit Pflegekräften des Queen Elizabeth Hospitals bei seiner Entlassung aus dem Krankenhaus im Oktober 2021
© Queen Elizabeth Hospital
300 Tage verbrachte Andrew Watts nach einer Corona-Infektion im Krankenhaus, die Ärzte hatten ihn beinahe aufgegeben. Auch Monate nach seiner Entlassung kämpft er noch mit den Folgen der Erkrankung.

Auf der Covid-19-Station des Londoner Queen Elizabeth Hospital wurde am 21. Oktober des vergangenen Jahres gefeiert. Das Pflegepersonal bildete ein Spalier und applaudierte, um einen ganz besonderen Patienten zu verabschieden. Der Grund: Andrew Watts durfte nach zehn Monaten endlich das Krankenhaus verlassen. Der 40-Jährige war kurz nach Weihnachten 2020 nach einer Corona-Infektion eingeliefert worden, hatte acht Monate auf der Intensivstation verbracht und galt für die Ärzt:innen in dem Krankenhaus als "einer der kränksten Covid-Patienten", die sie während der Pandemie gesehen hatten.

Doch auch heute, drei Monate nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, ist die Leidenszeit von Andrew Watts noch nicht beendet. Immer noch kämpft er mit den Folgen der Erkrankung und muss ehemals selbstverständliche Fähigkeiten wieder neu erlernen. "Ich kann ungefähr 15 Minuten laufen, bevor meine Beine anfangen zu brennen", erzählte er dem Londoner Portal "MyLondon".

Covid-19-Patient muss Gehen und Sprechen lernen

Auch das Sprechen fällt ihm noch schwer, nachdem er monatelang künstlich durch einen Schlauch beatmet wurde. Durch einen Luftröhrenschnitt im Krankenhaus wurde sein Hals schwer in Mitleidenschaft gezogen: "Deshalb hört man ein Pfeifen, wenn ich spreche, weil im Grunde ein Loch in meinem Hals ist, aus dem Luft kommt." Erst seit kurzem ist Watts wieder in der Lage, selbstständig zu atmen. Mehr als zwei Monate lang nach der Entlassung aus dem Krankenhaus benötigte er jede Nacht noch eine Nasenkanüle, um seine Lungen zu stärken.

Von einem normalen Leben ist Andrew Watts immer noch weit entfernt. Trotz aller Komplikationen betont er jedoch, dass es ihm "gut" gehe. Und er macht Fortschritte: Der Vater von zwei Kindern kann mittlerweile wieder zur Schule seines Sohnes und zurück gehen – eines seiner großen Ziele in den vergangenen Monaten. "Wenn man fit und gesund ist, tut man diese Dinge einfach und denkt nicht darüber nach. Aber als mir all das genommen wurde, habe ich verstanden, dass ich es nicht als selbstverständlich ansehen darf", sagte er "My London".

Fünf Wochen im künstlichen Koma

Insgesamt 300 Tage hatte Watts im Krankenhaus verbracht und dabei über lange Zeit mit dem Tod gekämpft. Fünf Wochen lang lag er im künstlichen Koma, erlitt zweimal einen Lungenkollaps, im Februar waren die Ärzt:innen sogar schon kurz davor, das Beatmungsgerät abzustellen, weil sie die Heilungschancen als zu gering erachteten. Besucher waren damals nicht erlaubt, Watts konnte lediglich via Telefon mit seiner Schwester und seiner Frau kommunizieren. Seinen Eltern habe er lange nichts von seiner Erkrankung erzählt, das habe er nicht übers Herz gebracht.

Erst im Juni 2021 konnte Watts wieder ohne Beatmungsgerät atmen. Danach verbesserte sich sein Zustand langsam, aber stetig. Sprechen konnte er allerdings nicht, mit seiner Familie kommunizierte er, indem er mit einem Stock auf Buchstaben an einer Tafel zeigte. Die Mediziner:innen gehen davon aus, dass Watts so schwer von der Infektion getroffen wurde, weil er kurz zuvor erst eine Chemotherapie gegen Lymphdrüsenkrebs erhalten hatte und sein Immunsystem dadurch geschwächt war. 

Andrew Watts ruft zur Impfung auf

Mit einer Impfung konnte sich der Londoner Taxifahrer damals noch nicht gegen Covid-19 schützen. Heute wünscht er sich, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen, um einen so schweren Verlauf wie in seinem Fall zu verhindern. Allerdings hat auch er seine Erfahrungen mit Impfgegnern gemacht – selbst Menschen, die seine Geschichte kennen würden, hätten ihm ins Gesicht gesagt, dass sie nicht an die Wirkung der Corona-Impfung glauben würden.

Quellen: Queen Elizabeth Hospital / "My London"


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