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Traubenkraut: Kurzer Prozess mit dem Allergikerschrecken

Allergiker fürchten es, weil es erst im Spätsommer blüht und ihr Leiden verlängert: das beifußblättrige Traubenkraut. Weil sich die Pflanze in Deutschland rasant ausbreitet, sind nun radikale Gegenmaßnahmen geplant.

Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) hat dem sich in Deutschland ausbreitenden Traubenkraut den Kampf angesagt. Die Anzeichen einer Verbreitung des Beifußblättrigen Traubenkrauts (Ambrosia artemisiifolia) hätten zugenommen, hieß es nach einer Expertentagung in Braunschweig.

Die aus Nordamerika stammende Pflanze verursacht Heuschnupfen. Da ihre Blütezeit erst im Spätsommer beginnt, verlängert sie die Leidenszeit der Allergiker. "Wir wollen keine Panik machen, aber wenn wir jetzt nichts tun, wird sich die Situation verschärfen", sagte BBA-Wissenschaftlerin Gritta Schrader.

Ausreißen und in den Müll werfen - nicht auf den Kompost

Nach dem Vorbild der Schweiz strebt die BBA ein Aktionsprogramm gegen Ambrosia an. In Deutschland kann die Pflanze zwar nicht wie in der Schweiz gesetzlich für bekämpfungspflichtig erklärt werden. Aber Mitarbeiter von Kommunen und Gartenbaubetrieben sollen ebenso wie Hobbygärtner sensibilisiert werden.

"Noch ist eine Bekämpfung möglich und auch relativ kostengünstig", sagte Uwe Starfinger, bei der BBA zuständig für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit. Um ein Ausbreiten zu stoppen, sollen die meist rund einen Meter hohen Pflanzen herausgerissen und im Hausmüll, keinesfalls auf den Kompost, entsorgt werden.

"In den bundesweit aufgestellten Pollenfallen sind 2006 eindeutig mehr Ambrosia-Pollen als im Vorjahr gefunden worden", sagte Starfinger. Ein konkreter Vergleich sei noch nicht möglich, da sich die Anzahl der Messstationen geändert habe. 2007 möchte die BBA außer den Daten der Pollenstationen erstmals auch das Vorkommen der Pflanze in ganz Deutschland erfassen. Bislang ist sie vor allem in Süddeutschland verbreitet, aber auch in einigen nördlicheren Städten wie Berlin und Braunschweig sind Bestände mit mehr als 100 Pflanzen entdeckt worden. Auch entlang der Autobahnen gibt es immer wieder größere Flächen.

Verbreitung über Vogelfutter

Die Pflanze verbreite sich unter anderem durch menschliches Zutun, erläutert der Schweizer Experte Christian Bohren. Dazu gehöre das Bewegen von Erdmassen wie beim Straßenbau. Hauptursache für die Verbreitung sei allerdings nach wie vor Vogelfutter. In der Schweiz wachse der Druck auf den Handel, so Bohren: "Ambrosia-Samen im Futter gelten als unerwünscht, mehr als 20 Körner pro Kilo werden nicht toleriert."

DPA / DPA

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