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Brasilien Berührungen für Covid-19-Patienten: Krankenpfleger füllt Gummihandschuhe mit Wasser


Zwei Gummihandschuhe, gefüllt mit warmen Wasser: So versucht das Krankenhauspersonal in einem Krankenhaus in Brasilien, isolierten Covid-19-Patienten das Gefühl von körperlicher Nähe zu geben.

Einsamkeit ist eine der schlimmsten Nebenwirkungen der Corona-Pandemie. Viele Menschen, die im Lockdown viel Zeit alleine verbringen, kennen sie. Am härtesten trifft sie aber wahrscheinlich die Patienten, die mit einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus liegen, isoliert von der Außenwelt. Sie erleben diese Zeit ohne Trost von Freunden und Angehörigen, viele sterben, ohne sich verabschieden zu können.

Krankenpfleger:innen in Brasilien haben einen besonderen Weg gefunden, diesen Patienten zumindest etwas Nähe zuteil werden zu lassen. Sie füllen zwei Einweghandschuhe mit warmem Wasser und legen sie um die Hand der Person. Damit soll eine menschliche Berührung simuliert werden.

Sadiq Bhat, Journalist von "Gulf News", hat auf Twitter ein Bild davon gepostet. "Die Hand Gottes", nannte er es: "Krankenschwestern versuchen, Patienten auf einer brasilianischen Corona-Isolierstation zu trösten." Bhat drückte in dem Tweet seine Hochachtung vor dem Krankenhauspersonal aus. Das Bild sei außerdem eine "starke Erinnerung an die schlimme Lage, in der sich unsere Welt gerade befindet".

Covid-19 in Brasilien: "Es geht um Mitgefühl und Trost"

Wie das brasilianische Portal "G1" berichtet, stammt die Idee von dem Krankenpfleger Semei Araújo Cunha aus São Carlos. "Es reicht nicht, nur professionell zu sein", sagte er. "Es geht um Mitgefühl und Trost für die Patienten. Man muss ein empathischer Mensch sein. Es ist gut, das Herz sprechen zu lassen." Die Patienten könnten nur über Handy und Computer mit der Außenwelt kommunizieren. "Sie werden sehr verletzlich."

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Das südamerikanische Land leidet weiterhin extrem unter der Pandemie – vor allem, weil sich die extrem ansteckende und tödliche Virusvariante P1 stark in Brasilien ausbreitet. Die offizielle Zahl der Todesopfer liegt mittlerweile bei 345.000. Damit folgt Brasilien weltweit an zweiter Stelle hinter den USA. Seit Beginn der Pandemie haben sich 13,2 Millionen Menschen infiziert.

Präsident Jair Bolsonaro schließt härtere Maßnahmen dennoch weiterhin aus. Ausgangsbeschränkungen lehnt er ab: "Wir werden die Politik des Zuhausebleibens, des Abriegelns, des Lockdowns nicht hinnehmen." Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost und stemmt sich mit Verweis auf die wirtschaftlichen Folgen seit Beginn der Pandemie gegen einen landesweiten Lockdown.

Quellen: Sadiq Bhat auf Twitter / "G1" / DPA / AFP

epp

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