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China: Mindestens 15 SARS-Tote in Peking

In Peking sind weit mehr Menschen an der gefährlichen Lungenkrankheit SARS gestorben, als die chinesischen Behörden bisher eingeräumt haben.

In Peking sind weit mehr Menschen an der gefährlichen Lungenkrankheit SARS gestorben, als die chinesischen Behörden bisher eingeräumt haben. Von Ärzten und Krankenschwestern erfuhr der stern, dass allein im Militärkrankenhaus Nr. 302 rund zehn Menschen der Epidemie erlagen. Dort gibt es demnach mehr als vierzig SARS-Fälle. Im Xiehe-Krankenhaus unweit der Einkaufsstraße Wangfujing sollen mindesten drei Menschen an SARS gestorben sein. Die beiden Krankenhäuser lehnten am Sonntag jede Stellungnahme mit den Worten "kein Kommentar" ab.

Nach Informationen des stern sind inzwischen auch ein Pekinger Arzt und eine Krankenschwester an SARS gestorben. Ein weiteres Militärkrankenhaus, das im Kneipenviertel Sanlitun liegt, wurde gestern weiträumig desinfiziert. Die Arbeiter trugen dabei Ganzkörper-Schutzanzüge.

Erstmals am 27. März hatten die Pekinger-Behörden Zahlen über die Verbreitung der Seuche in der chinesischen Hauptstadt bekannt gegeben. Damals gaben sie die Zahl der SARS-Fälle mit zehn, die der Toten mit drei an. Gegenüber der WHO räumten sie am 2. April vier weitere SARS-Erkrankungen ein.

"Schlechte Koordination"

Ein hoher chinesischer Gesundheitsbeamte hatte sich am Freitag für Chinas unzureichende Informationspolitik entschuldigt: «Heute entschuldigen wir uns bei jedem», zitierte die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» den Direktor des Zentrums zur Vorbeugung gegen ansteckende Krankheiten. «Unsere medizinischen Abteilungen und unsere Massenmedien litten unter schlechter Koordination.» Sie seien nicht in der Lage gewesen, wissenschaftliche Erkenntnisse öffentlich zu machen und die Bevölkerung zu informieren.

Kritiker werfen der chinesischen Regierung und ihrem Gesundheitsminister Zhang Wenkang vor, durch ihre monatelange Verschleierungstaktik eine weltweite Ausbreitung erst möglich gemacht zu haben. Nach bisherigen Informationen traten die erste SARS-Fall im November vergangenen Jahres in der südchinesischen Guangdong-Provinz auf.

Ausländische Firmen ziehen Mitarbeiter ab

Der deutsche Rocksänger Udo Lindenberg hat nach stern-Informationen unterdessen ein geplantes Konzert auf der Automesse in Shanghai abgesagt, die am 20. April beginnt. Einige ausländische Firmen, darunter auch der amerikanische Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, haben ihre ausländischen Mitarbeiter aufgefordert, Peking zu verlassen.

Matthias Schepp

Wissenscommunity