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Mediziner im Interview Mit Covid-19 im Krankenhaus: Wie werden Patienten behandelt?

Uwe Janssens über Behandlung bei Covid-19
Prof. Uwe Janssens ist Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)
© Thomas Weiland
Ein Heilmittel gegen Covid-19 gibt es nicht – doch Mediziner werden immer besser darin, die Auswirkungen des Virus auf den Körper abzufedern. Der Intensivmediziner Uwe Janssens hat mit dem stern über neueste Behandlungsansätze gesprochen. 

In Deutschland sind die Fallzahlen mit dem Coronavirus zuletzt stark gestiegen, und auch in Deutschlands Krankenhäusern und Intensivstationen werden wieder mehr Patienten mit Covid-19 behandelt. Laut Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) liegen aktuell rund 1100 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen – ein deutliches Plus im Vergleich zur Vorwoche, in der sich 690 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung befunden hatten. 

Doch was erwartet Patienten in der Klinik? Welche Therapien und Medikamente haben sich bewährt – welche nicht? Und welche Präparate werden aktuell in Studien untersucht? Darüber sprach der stern mit dem Intensivmediziner und DIVI-Präsidenten Professor Uwe Janssens.

Einen Fortschritt brachte demnach der Einsatz von Kortisonpräparaten in der Behandlung von schwerkranken Covid-19-Patienten, die beatmet werden. "Wir wissen mittlerweile, dass der Einsatz von Kortisonpräparaten, darunter das Dexamethason, zu einem deutlichen Überlebensvorteil bei den schwer Erkrankten führt", so Janssens. Der wahrscheinliche Grund: Bei Covid-19 kann es zu einem schweren Entzündungssyndrom mit einer überschießenden Reaktion des Immunsystems kommen, einem sogenannten Zytokinsturm. "Kortison scheint diese überschießende Reaktion abzuschwächen."

Covid-19 behandeln – Dämpfer für antivirales Mittel

Das antivirale Mittel Remdesivir – einst Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid-19 – bekam jüngst durch Studienergebnisse einen Dämpfer verpasst. So legen neue Daten nahe, dass es weder die Sterblichkeit noch die Dauer des Krankenhausaufenthalts signifikant senken kann. Überrascht habe ihn das nicht, sagte Janssens im stern-Interview. "Nehmen wir einmal das bekannte Influenza-Mittel Tamiflu – das ist auch ein antivirales Mittel wie Remdesivir. Leider hat das auch zu keinem durchschlagenden Erfolg in der Behandlung der echten Virusgrippe geführt."

Antivirale Mittel müssten so früh wie möglich im Krankheitsverlauf gegeben werden. In der Spätphase der Erkrankung habe Remdesivir bei Covid-19-Patienten dagegen "wahrscheinlich keinen oder nur marginalen Effekt", so Janssens.

Weitere mögliche Behandlungsansätze wie das Rheuma-Mittel Tocilizumab oder Antikörper-Therapien müssen sich noch in Studien behaupten. Monoklonale Antikörper, wie sie auch Präsident Donald Trump erhalten hat, seien "möglicherweise sehr vielversprechend", so Janssens. Gleichzeitig dämpfte er Hoffnungen, dass die experimentelle Therapie bald für die breite Masse zur Verfügung stehen könnte. Einerseits sei das Mittel extrem teuer und nicht in großem Umfang für Hunderte Millionen Menschen zu produzieren, so der Mediziner. Andererseits warnte er vor möglichen schweren Nebenwirkungen, die durch unerwünschte Bindungseigenschaften der Antikörper auftreten könnten.

Angesichts begrenzter Therapiemöglichkeiten appellierte der Mediziner zur Einhaltung der AHA-Regeln: Abstandhalten, Hygienemaßnahmen und Alltagsmaske. "Das ist im Moment die einzige Waffe, die wir haben."

Hier können Sie das vollständige Interview nachlesen (Paid-Inhalt).

ikr

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