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"Anne Will" "Es ist 5 nach 12" – Einigkeit über Lockdown, Diskussionen über Tracking-App

Anne Will und ihre Gäste
Diskutierten mit Moderatorin Anne Will (2.v.r.) einmal mehr über das Coronavirus und seine Folgen: Philiosophie-Professor Julian Nida-Rümelin (l.), Journalistin Kristina Dunz, Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU; zugeschaltet, l.), und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD)

© Wolfgang Borrs / NDR / PR
Die neuen Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie finden bei Anne Will viel Zustimmung. Strittig ist die Frage, ob die Corona-App nicht auch die Wege der Infizierten nachverfolgen können sollte.
Von Jan Zier

Angesichts alarmierender Höchstwerte bei den Corona-Neuinfektionen und den Todeszahlen haben Bund und Länder am Wochenende einen bundesweiten, harten Lockdown für Mittwoch beschlossen. "Schafft Deutschland so die Pandemie-Wende?", orakelt Anne Will deshalb nun am Sonntagabend.

Wer hat bei "Anne Will" diskutiert?

  • Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
  • Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
  • Julian Nida-Rümelin, Professor für Philosophie und Staatsminister a.D.
  • Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V.
  • Kristina Dunz, Stellvertretende Leiterin des Parlamentsbüros, "Rheinische Post"

Wie lief die Diskussion?

Alle in der Runde sind sich einig, dass es nun einen, wie Janssens ihn nennt, "durchdringenden" Lockdown brauche. "Es ist 5 nach 12", sagt er und widerspricht vehement Armin Laschet, der davon spricht, dass die Infektionszahlen erst zuletzt "sehr plötzlich" gestiegen seien. Die seien doch "seit Wochen" schon sehr hoch, so Janssens nüchtern. "Die Intensivstationen kämpfen am Rande der Belastungsgrenze und können bald nicht mehr." Dann aber helfen am Ende auch nicht noch mehr Betten in der Intensivmedizin.

"Es bleibt gar nicht anderes übrig", kommentiert auch Ethiker Nida-Rümelin die jetzt beschlossenen Maßnahmen. Er sieht aber noch immer "keine nachhaltige Strategie in Europa", warnt vor zu viel Hoffnung in die nun beschlossenen Maßnahmen und sagt zugleich: "Die können wir nicht über Monate durchhalten."

Immer wieder wird in der Runde an Eigenverantwortung, Vernunft und Solidarität appelliert: "Man kann ein Land nicht nur mit Verordnungen regieren", sagt Laschet, der darauf hofft, dass ich die Menschen – im Geiste John F. Kennedys – fragen: "Was kann ich über die Verordnung hinaus selbst beitragen?" Allerlei Lob erfährt derweil der sonst oft so umstrittene Boris Palmer, Tübingens grüner Oberbürgermeister, der in seiner Stadt darauf setzt, besonders die Älteren zu schützen.

Der besondere Moment

Emotional wird es bei der Frage, ob man an Weihnachten denn die Oma aus dem Heim und nach Hause holen soll. Jede Virologin und jeder Virologe würde freilich abraten, aber anders als im Frühjahr ist nun auch weitgehend Konsens, dass man die Heime und die Seniorinnen und Senioren, die darin leben, nicht völlig von der Außenwelt abschotten will – auch wenn die Einrichtungen selbst in ihrem Haus da mitunter sehr rigide regieren.

Kristina Dunz hat zusammen mit ihrem Mann und ohne es zu wissen, ihre Schwester mit dem Coronavirus angesteckt, ihre Mutter kam dagegen ohne Infektion davon. Dunz habe das sehr belastet, sagt sie, auch wenn am Ende alle drei gut durch die Erkrankung kamen. Aber was, wenn besagte Oma dann womöglich sogar daran oder damit stirbt? "Das verwindet man nie", sagt Dunz.

Die Erkenntnisse

  • "Wir brauchen eine Tracking-App", sagt Ethiker Nida-Rümelin, sonst durchaus ein Verfechter des Datenschutzes, und Uwe Janssens pflichtet ihm bei – das Vorbild ist Südkorea. Armin Laschet reagiert da aber zurückhaltend, er will erst einmal nur die bestehende Corona-Warn-App etwas verbessern. Ein Tracking aber lässt die nicht zu.
  • Die Welthungerhilfe schätzt die Zahl der Menschen, die weltweit infolge eines Shutdowns sterben, auf 30 Millionen – in Indien etwa hat er zu einer Landflucht geführt, die die Infektionszahlen auf dem Land in die Höhe trieb.
  • Intensivmediziner Janssens bremst die Hoffnung auf eine schnelle Besserung: Die ersten drei, vier, fünf Monate des neuen Jahres seien einschneidende Maßnahmen notwendig, warnt er, und sieht erst Ende des kommenden Jahres "die Sonne aufgehen".
  • Die Gesundheitsämter sollen nun endlich digital aufgerüstet werden und mit einheitlichen IT-Systemen und zusammen arbeiten, versichern Armin Laschet und Manuela Schwesig.
  • Längere Verwirrung herrscht bei der Frage, wie viele Leute sich denn an Weihnachten denn nun treffen dürfen, Laschet und Schwesig versuchen ein Weile zu erklären, was sie gemeint und beschlossen haben:  Ein Hausstand darf vom 24. bis zum 26. Dezember maximal vier weitere Menschen aus der eigenen Kernfamilie einladen.

Fazit

"Jede Begegnung, die nicht stattfindet, ist gut", sagt Armin Laschet. "Mehr-Generationen-Zusammenkünfte sind nicht zu empfehlen", sagt Julian Nida-Rümelin.

Die komplette "Anne Will"-Sendung können Sie hier in der ARD-Mediathek sehen.

wue

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