VG-Wort Pixel

Höheres Sterberisiko Menschen mit psychischen Erkrankungen sterben fast doppelt so häufig an Covid-19

Corona-Sterberisiko von psychisch kranken Menschen
Laut einer Studie steigert eine psychische Krankheit das Risiko an Covid-19 zu sterben. (Symbolbild)
© Tero Vesalainen / Getty Images
Menschen mit einer psychischen Erkrankungen sterben weitaus häufiger an Covid-19 als andere Infizierte. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Und: Das Sterberisiko steigt mit der Schwere der Krankheit.

Die einen infizieren sich mit dem Coronavirus und merken es nicht einmal, andere hingegen erkranken so schwer, dass sie daran sterben. Warum Menschen so unterschiedlich auf die Infektion reagieren, versuchen Forschende auf der ganzen Welt herauszufinden. Ein Faktor, der wohl einen erheblichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat, ist die psychische Verfassung. Wie eine neue Studie herausgefunden hat, die im Fachblatt "JAMA Psychiatry", veröffentlicht wurde, sterben Menschen mit psychischen Erkrankungen beinahe doppelt so oft an Covid-19 als andere Infizierte.

Grundlage der Untersuchung war eine Analyse von 16 bereits vorliegenden Studien, die zwischen Dezember 2019 und Juni 2020 durchgeführt wurden. In diesen hatte man die Gesundheitsdaten von mehr als 19.000 Menschen aus sieben Ländern dreier Kontinente untersucht. Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass das Sterberisiko bei psychisch kranken Menschen 1,8-fach höher ist als bei psychisch Gesunden. Liegt eine schwere psychische Erkrankung wie eine bipolare Störung oder Schizophrenie vor,  lag das Risiko sogar 2,3-mal höher. 

Erhöhtes Sterberisiko

Bekannt ist inzwischen, dass unter anderem das Alter und verschiedene Grunderkrankungen einen schweren Krankheitsverlauf begünstigen können. So schreibt das Robert Koch-Institut (RKI), dass das Risiko einer schweren Erkrankung ab 50 bis 60 Jahre stetig steige und das insbesondere ältere Menschen, nach einer Infektion schwerer erkranken, da das Immunsystem weniger gut reagiere. Neben Grunderkrankungen wie Diabetes, Krebs- und Herzkreislauferkrankungen scheinen unter anderem auch starkes Übergewicht und Rauchen das Risiko zu erhöhen. 

Werden solche Faktoren in die Analyse einbezogen, sinkt das Sterberisiko von Menschen mit psychischen Störungen zwar, es liegt aber dennoch weit über dem von Menschen ohne solche Erkrankungen. Bei schweren psychischen Erkrankungen kamen sie dann noch immer auf ein 1,7-faches Risiko. Nimmt man alle psychischen Erkrankungen zusammen, ist das Risiko 1,4-mal so hoch. Einbezogen in die Analyse wurden Patienten mit Depressionen, Angstzuständen, bipolaren Störungen, Schizophrenie und Persönlichkeitsstörungen, außerdem Patienten mit Essstörungen. Zudem wurden auch Suchtkranke mit aufgenommen, da diese oftmals zusätzlich an psychischen Erkrankungen leiden.

Depressionen

Eine genaue Risiko-Aufschlüsselung nach einzelnen Erkrankungen fand nicht statt. So wurden beispielsweise in den Studien auch Fälle von akuter Depression und Fälle von wiederkehrenden depressiven Schüben unter den Oberbegriff Depression zusammengefasst. "Es ist jedoch wahrscheinlich, dass Patienten mit diesen verschiedenen Formen der Störung ein unterschiedliches COVID-19-Mortalitätsrisiko haben", schreiben die Forschenden. 

In einer Hierarchisierung der Risikofaktoren für schwere Covid-19-Krankheitsverläufe listet das RKI schwere psychische Erkrankungen an Rang 18. Demnach bilden Patient:innen mit hämatoonkologischen Erkrankungen die wichtigste Risikogruppe, an zweiter Stelle stehen Menschen mit metastasierenden, soliden onkologischen Erkrankungen. In beiden Fällen handelt es sich um Krebs-Erkrankungen. An dritter Stelle werden Personen mit Demenz gelistet.

tpo

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker