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Dannenberg: Empörung in Niedersachsen: Chefarzt verbietet seiner Klinik Abtreibungen

In einer niedersächsischen Klinik wird es zukünftig keine Abtreibungen mehr geben. Das hat der neue Chefarzt der Gynäkologie durchgesetzt - er ist "bekennender Christ". Politiker zeigen sich empört.

Viele Schwangere sehen eine Abtreibung als einzigen Ausweg

Viele Schwangere sehen eine Abtreibung als einzigen Ausweg

Ungewollt schwanger - viele Frauen sehen in solch einer Situation keinen anderen Ausweg als eine Abtreibung. In der niedersächsischen Region Dannenberg haben betroffene Frauen dafür zukünftig eine Anlaufstelle weniger: Die Capio Elbe-Jeetzel-Klinik hat entschieden, keine Abtreibungen mehr durchzuführen - und wird deswegen nun scharf kritisiert. Wie der "NDR" berichtet, ist der neue Chefarzt der Gynäkologie, Thomas Börner, für diesen rigorosen Kurs verantwortlich. Börner hatte das Amt im Dezember angetreten. Er sei bekennender Christ und lehne Schwangerschaftsabbrüche ab, heißt es.

"Ich habe nach der Maxime des Nicht-Tötungsgebotes auch schon nach meinem Abitur Zivildienst gemacht statt zur Bundeswehr zu gehen", sagte Börner zu NDR 1 Niedersachsen. "In meinem 26-jährigen gynäkologischen Dasein habe ich immer nach dieser Maxime behandelt."

Politiker sind empört über Chefarzt

In der Politik stößt die Entscheidung des Chefarztes auf Unverständnis. Laut "NDR" zeigte sich der Landrat des Kreises Lüchow-Dannenberg, Jürgen Schulz (parteilos), irritiert darüber, dass Börners persönliche Gewissensentscheidung als Verhaltensvorschrift für die gesamte Klinik gelten soll. Von Seiten der FDP-Landtagsfraktion hieß es, es könne nicht angehen, dass ein "ganz wesentliches Recht, für das Jahrzehnte lang gestritten wurde", aus religiösen Gründen beschnitten werde. Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt deutete an, dass dem Klinikum ein Geldentzug drohen könnte.

Klinikchef Markus Fröhling versteht die Empörung nicht. "Laut Gesetz kann kein Arzt zu einem Schwangerschaftsabbruch verpflichtet werden", sagte er dem "NDR". "Wenn die Gesundheit der Frau in Gefahr ist, handelt es sich um eine medizinische Indikation, die natürlich auch bei uns behandelt werden würde."

"Abtreiben nur bei Vergewaltigung oder Behinderung"

Auf der Internetseite des "NDR" wurde die Entscheidung der Klinik kontrovers diskutiert. "Außer bei Vergewaltigungen oder bei schweren Behinderungen des Kindes sollte Abtreibung verboten werden", heißt es in einem Kommentar. "Wer vögeln kann, der sollte auch verhüten können. Nur weil Vater und Mutter verantwortungslos sind sollte man keine Kinder ermorden." 

"Auch ich bin bekennender Christ", schreibt ein anderer Nutzer, "aber dafür, dass Frauen selbst entscheiden. Sie machen es sich ganz sicher nicht leicht damit. Aber es sind einmal mehr Männer, die Frauen nicht helfen, sondern sie zwingen wollen und sich dafür hinter einer Religion verstecken. Dem kommenden Kind geht es dabei nicht besser, ganz im Gegenteil."

kis

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