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Fitness Warum es sich lohnt, langsam zu laufen

Eine Läuferin rennt ihrem Schatten weg
Beim Laufen sollte es nicht immer um sportliche Höchstleistung gehen. Bereits ein moderates Tempo reicht, um seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun.
© dbunn/ Adobe Phopt
Niemand muss Rekorde brechen und rennen, bis die Lunge brennt. Denn beim Laufen kommt es nicht auf das Tempo an. Viel wichtiger für die Gesundheit ist ein ganz anderer Faktor.

Seit ich von Basketball auf Laufen umgestiegen bin, habe ich ein Problem. Ich werde einfach nicht schneller. Das liegt vor allem daran, dass mir die Disziplin und Lust fehlt, ein ordentliches und strukturiertes Training zu machen. Statt lange zu planen, ziehe ich morgens einfach meine Schuhe an und laufe los. Ich will nicht nachdenken müssen, keinen Regeln folgen, sondern meinen Kopf schön frei bekommen. Ich genieße diesen wunderbaren Mangel an Verpflichtungen. Sport soll Spaß machen und nicht zu einem weiteren Punkt in meinem Terminkalender werden. So bin ich also mit Freude mehr Igel als Hase.

Ich weiß, dass mich jetzt viele wieder für disziplinlos halten. Bin ich aber gar nicht, nur mein Alltag ist schon vielschichtig genug. Die Zahl der Verpflichtungen und Entscheidungen reicht mir. Mehr kann ich einfach nicht gebrauchen. Laufen ist meine Meditation, meine Ich-Zeit. Da will ich mich nicht hetzen lassen. Deswegen habe ich mich längst auch damit abgefunden, dass mich viel ältere und dickere Läufer überholen. Ich mache mein Ding. Es geht ja auch schließlich nur um meine Gesundheit.

Wie inzwischen in zahlreichen Studien belegt wurde, liege ich damit genau richtig. Denn beim Laufen geht es längst nicht ums Tempo, Bewegung wirkt bereits in einer überraschend geringen Dosis. Zum Beispiel senken schon 30 Minuten moderate Bewegung am Morgen den Blutdruck für 24 Stunden – selbst wenn man den Rest des Tages inaktiv ist. Die Differenz beim systolischen Blutdruck, also dem Wert, der die Elastizität der Gefäßwände in den großen Arterien misst, war durchaus vergleichbar mit der Wirkung eines Hochdruckmedikaments. Das ist doch großartig.

Viel hilft eben nicht viel

Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass es bei der sportlichen Leistung und ihrer Wirkung auf die Gesundheit eine Art Plateau gibt. Also, dass man durch noch mehr Training nicht noch mehr positiven Effekt erzielt. Der alte Satz: "Mehr hilft mehr", scheint ausgedient zu haben. 

Der wichtigste Faktor, der beim Sport und bei Bewegung über die Wirkung entscheidet, ist wohl ein ganz anderer: Es sollte nämlich vor allem darum gehen, sich regelmäßig zu bewegen. Dann sind die Effekte am größten. Eine halbe Stunde täglich oder spätestens jeden zweiten Tag gilt als ideal. Niemand muss Rekorde brechen. Als Faustregel gilt: Alles zählt, was den Puls für 30 Minuten merklich steigen lässt.


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