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Depressions-Risiko: Schlankmacher-Mittel vom Markt genommen

Die umstrittene Schlankmacher-Pille Acomplia des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis wird vorerst in Europa nicht mehr verkauft. Der mögliche Nutzen überwiegt nicht die Risiken - so das Fazit der zuständigen Behörden.

Der Wirkstoff Rimonabant erhöht laut Studien das Depressionsrisiko

Der Wirkstoff Rimonabant erhöht laut Studien das Depressionsrisiko

Der Pharmakonzern Sanofi-Aventis hat die Schlankmacher-Pille Acomplia europaweit vom Markt genommen. Die EU-Arzneimittelagentur (Emea) hatte zuvor empfohlen, die seit 2006 geltende Zulassung ruhen zu lassen. In Studien zeigte sich laut Emea: Patienten, die Acomplia schluckten, entwickelten doppelt so oft psychische Störungen - insbesondere Depressionen - wie Patienten, die nur einen wirkstofffreien Placebo bekamen.

Zudem würde der Wirkstoff Rimonabant beim Abnehmen nicht so gut helfen, wie erste klinische Studien nahelegten, da die meisten Patienten das Mittel nur über einen kurzen Zeitraum einnehmen. Bereits 2006 berichtete das "arznei-telegramm", dass 40 bis 50 Prozent der Studienteilnehmer die Einnahme vorzeitig beendeten.

Eine von der britischen Arzneimittelaufsicht MHRA veröffentlichte Studie listet in Zusammenhang mit Acomplia 720 Fälle von unerwünschten Nebenwirkungen auf, fünf davon mit tödlichen Folgen. In der Datenbank des Bonner Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sind ebenfalls Berichte über Nebenwirkungen unterschiedlicher Art gespeichert, darunter auch Todesfälle.

In den USA nie zugelassen

Der Stopp gelte für alle 18 EU-Länder, in denen das Medikament derzeit vertrieben werde, sagte ein Sprecher des französischen Unternehmens Sanofi-Aventis. Die US-Arzneimittelbehörde FDA sprach sich 2006 klar gegen eine Zulassung in den Staaten aus - mit der Begründung, dass der Wirkstoff Depressionen und Suizid-Gedanken auslösen könne. Dort war das Mittel also nie auf dem Markt.

Ärzte sollten laut der Emea das Medikament nicht mehr neu verschreiben und die Behandlung von Patienten, die zurzeit Acomplia nehmen, überdenken. Es sei nicht nötig, die Einnahme der Tabletten sofort zu beenden, aber wenn Patienten dies wollten, könnten sie das natürlich jederzeit.

Sanofi-Aventis hatte große Hoffnungen auf die Abspeckpille gesetzt. Das Medikament sollte zum sogenannten "Blockbuster" werden - also im weltweiten Verkauf mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr einbringen.

bub/AFP / AFP
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