ERNÄHRUNG Vegetarier auf dem Vormarsch


Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die die Zahl der Vegetarier in Deutschland mehr als verzehnfacht.

Die Zahl der Vegetarier in Deutschland hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verzehnfacht. Darauf hat der Vegetarier-Bund Deutschlands zum Weltvegetariertag in Berlin hingewiesen. Als Gründe für den Trend nannte der Vorsitzende Thomas Schönberger unter anderem die zunehmenden Lebensmittelkrisen wie BSE oder die Maul-und-Klauen-Seuche. Die fleischlose Ernährung habe außerdem ihr verstaubtes Image abgelegt. Vegetarisches Essen werde verbunden mit Begriffen wie lecker, leicht und gesund.

Inzwischen leben laut Umfragen sechs Millionen Vegetarier in Deutschland, wie Schönberger berichtete. Während es 1983 noch 0,6 Prozent der Bevölkerung waren, sei der Anteil auf heute acht Prozent angewachsen. Gleichzeitig sei der Fleischkonsum in Deutschland von seinem Höchststand 1988 mit 69,7 Kilogramm pro Person und Jahr auf 59,4 Kilogramm im Jahre 2001 gesunken.

Auch die Zahl der Teilzeitvegetarier sei gewachsen. Schon jeder Vierte habe seinen Fleischkonsum reduziert und esse öfter mal vegetarisch. Verschiedenen Studien kann man Schönberger zufolge entnehmen, dass hauptsächlich Frauen, junge Menschen und besser Ausgebildete der vegetarischen Ernährungsweise zuneigen.

»Vegetarier haben die besten Chancen auf ein langes Leben«, sagte der Ernährungswissenschaftler Bernd Küllenberg unter Berufung auf Studien. Er schränkte jedoch ein, dass die Art der Ernährung für die Gesundheit und die Lebenserwartung zwar eine wesentliche Rolle spiele, aber nie losgelöst vom Lebensstil und der genetischen Veranlagung des einzelnen betrachtet werden dürfe.

Häufig unterschieden sich allerdings die Vegetarier in der Lebensweise vom Durchschnittsbürger. So sind sie zumeist Nichtraucher, trinken Alkohol in Maßen, treiben regelmäßig Sport und haben ein ausgeprägteres Gesundheitsbewusstsein, wie Küllenberg bemerkte. Die üblichen Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Gicht kämen bei Vegetariern seltener vor.

Küllenberg wies darauf hin, dass das Zauberwort für eine gesunde Ernährungsweise »Ausgewogenheit« heiße. Es komme nicht nur darauf an, Fleisch wegzulassen, sondern sich abwechslungsreich mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst, Gemüse, Milchprodukten und Nüssen zu ernähren. Vegetarier sollten auf die Zufuhr von Eisen, Vitamin B12, Zink und Eiweiß besonders achten.

Die Tierrechtsorganisation PETA machte in diesem Zusammenhang auf die zunehmende Fettleibigkeit von Kindern aufmerksam. Fast jedes dritte Kind leide bereits an Übergewicht. Als Ursache nannte PETA zum einen den übermäßigen Konsum von tierischem Fett und Eiweiß, zum anderen Bewegungsmängel.

Das Bild vom »blassen, asketischen Zeitgenossen in Gesundheitssandalen, der genügsam an seinen Körnern knabbert«, sei inzwischen passe, resümierte die Reformhaussprecherin Birgit Blome. Keiner denke bei vegetarischen Gerichten mehr an Verzicht. Prominente wie Madonna, Paul McCartney oder Nina Hagen hätten zu diesem Imagewandel beigetragen.

Neben gesundheitlichen Gründen tragen laut Schönberger auch ökologische oder ethisch-religiöse Aspekte dazu bei, dass sich immer mehr Menschen gegen Fleisch entscheiden. Sie kritisierten die Massentierhaltung und den »unwirtschaftlichen Wahnsinn«, dass zur Erzeugung von einem Kilogramm Fleisch sieben Kilogramm Getreide verfüttert werden müssten.


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