HOME
Interview

Unterschätztes Risiko: Antibiotika: Wann sind sie unverzichtbar, wann werden sie zur Gefahr?

Viel zu viele Hausärzte verschreiben ein Antibiotikum, auch wenn es vielleicht nicht nötig wäre. Kann ja nicht schaden – oder? Der Mediziner Roger Vogelmann warnt vor dem gefährlichen Spiel.

Sollten nur mit Bedacht verschrieben werden: Antibiotika

Sollten nur mit Bedacht verschrieben werden: Antibiotika

Jahrzehnte lang konnten gefährliche Krankheitserreger wirksam mit Antibiotika bekämpft werden. Sind diese Zeiten vorbei?

Uns gehen die Waffen aus, ja. Die Weltgesundheitsorganisation spricht vom post-antibiotischen Zeitalter, auf das wir zusteuern. Viele Keime sind resistent geworden, das heißt, sie sprechen auf gängige Antibiotika nicht mehr an. Weltweit tauchen immer mehr Krankheitserreger auf, gegen die keines der Mittel mehr hilft. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegen die Resistenzraten in Deutschland noch im Mittelfeld, aber die Bedrohung ist sehr real. Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums sterben hierzulande pro Jahr bis zu 15.000 Patienten an multiresistenten Erregern. Andere Experten schätzen die Zahl der Toten auf mehr als 40.000 im Jahr.


Was sind die Ursachen für die Entstehung solcher Superkeime?

Wir verwenden Antibiotika viel zu sorglos und verschwenderisch. Durch eine sachgemäße Verordnung ließe sich die Wirksamkeit dieser wichtigen Arzneimittel länger erhalten.

Sie setzen sich in einem "Antibiotic Stewardship"-Netzwerk für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika ein. Was heißt das?

Kurz gesagt: So viel Antibiotika wie nötig, so wenig wie möglich, und so kurz wie möglich. Am Anfang steht die Entscheidung, ob man überhaupt Antibiotika für die Behandlung der jeweiligen Erkrankung braucht. Es folgt die Wahl des Mittels, das möglichst spezifisch wirken und kein Breitbandantibiotikum sein sollte. Dann geht es um die richtige Dosierung, die Form der Verabreichung und um die Länge der Behandlung. Also vier verschiedene Aspekte – und bei allen können Ärzte etwas falsch machen.

Aber kann mir das als Patient nicht egal sein? Ich will schnell gesund werden, da kommt mir doch ein Breitbandmittel, das gegen viele Erreger hilft, gerade recht. Und eine hohe Dosis wirkt stärker.

"Viel hilft viel" ist ein tief verwurzelter Glaube. Leider denken auch viele Ärzte so. Es stimmt aber so nicht. Weniger Antibiotika zu schlucken bedeutet für den Patienten oft sogar ein Mehr an Sicherheit. Antibiotika haben Nebenwirkungen, und zwar um so mehr, je häufiger, je stärker dosiert und je länger sie gegeben werden und je breiter sie wirken.

Worin liegt das Risiko?

Antibiotika zerstören die Darm- und die Hautflora. Dadurch wird der Mensch anfällig für die Besiedlung mit resistenten Keimen aus der Umwelt. Das andere Problem ist, dass man durch Antibiotika eine schwere Darmentzündung bekommen kann – das kommt in einem Prozent der Fälle vor. Diese Clostridieninfektion kann sehr schlimme Verläufe nehmen und manchmal auch nicht richtig geheilt werden, sodass sie immer wieder auftritt.

Wie lange braucht die Darmflora, um sich von einer Antibiotikabehandlung zu erholen?

Etwa eine Woche – allerdings ist diese Erholung nicht vollständig und individuell verschieden. Man kann versuchen, die Darmflora mit Probiotika zu unterstützen, doch zur Wirksamkeit der einzelnen Präparate gibt es keine überzeugenden Daten. Die Entwicklung geht hin zu komplexeren Mixturen. Ein Mikrobiomtransfer, also das Übertragen von Darmflora eines gesunden Menschen, kann eine Lösung sein, bedarf aber noch intensiver Forschung. Interessanterweise scheinen auch soziale Kontakte zu helfen: Untersuchungen an Tieren haben gezeigt, dass die enge Gemeinschaft mit gesunden Artgenossen die Erholung der Darmflora günstig beeinflussen kann.


Bislang hieß es, man müsse Antibiotika lange nehmen, damit alle Krankheitserreger abgetötet werden und keine Resistenzen entstehen.

Das war die Theorie, sie spukt auch heute noch in den Köpfen herum. Im Labor mag sie richtig sein: Wenn Sie auf eine Zellkultur ein Antibiotikum für kurze Zeit in niedriger Dosierung geben, dann führt das in der Tat dazu, dass Resistenzen entstehen, weil die Bakterien nicht gleich abgetötet werden, sondern Zeit bekommen, sich zu wehren. Daraus haben wir abgeleitet, das gelte auch für Infektionen beim Menschen. Aber wir sind zu der gegenteiligen Erkenntnis gelangt, dass uns eine lange Therapie anfälliger macht für resistente Keime.

Wie kann das sein?

Resistenzen sind uralt, es hat sie schon vor der Entdeckung des Penicillins, ja, sogar vor dem Menschen gegeben. Resistente Keime sind womöglich in jedem von uns vorhanden, sie wachsen nur langsamer als andere Bakterien. Erst wenn die anderen Bakterien im Körper durch das Antibiotikum aus dem Feld geräumt werden, können sich die resistenten Keime ausbreiten und ihre Resistenzgene dann auch auf andere Bakterien übertragen. Die nächste Infektion, die Sie durchmachen, ist dann womöglich eine, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft.

Heißt das, man sollte die Mittel möglichst schnell absetzen?

Ja – wenn es dem Patienten besser geht, und sofern es die Erkrankung erlaubt. Bei Knochen- oder Fremdkörperinfektionen zum Beispiel ist das nicht möglich. Aber sonst können wir in vielen Fällen tatsächlich empfehlen, das Antibiotikum abzusetzen, wenn der Zustand des Kranken zwei Tage lang stabil geblieben ist. In den aktuellen Leitlinien zur Behandlung von Lungenentzündungen spiegeln sich die neuen Erkenntnisse wider: Da wird eine Antibiotikagabe über fünf Tage empfohlen – das ist deutlich kürzer als noch vor wenigen Jahren.

Wissen denn die Hausärzte davon, dass Antibiotika nach Möglichkeit nur kurz verschrieben werden sollten?

Es wäre wichtig, dass sie davon erfahren. 15 Prozent aller Antibiotika werden in der Humanmedizin eingesetzt, der Rest wird von Tierärzten verbraucht, Stichwort Massentierhaltung, das ist ein noch weitaus größeres Problem. Von den Antibiotika in der Humanmedizin werden nur 15 Prozent im Krankenhaus verschrieben – und 85 Prozent von niedergelassenen Ärzten. Und hier werden Antibiotika zu häufig und manchmal auch zu lange gegeben.

Die Folgen?

Kann man zum Beispiel in Italien oder Griechenland beobachten, wo der Konsum von Antibiotika sehr hoch ist, weil es sie ohne Rezeptpflicht gibt: horrende Resistenzen.

Kann man nicht einfach neue Antibiotika entwickeln?

Einige wenige neue Medikamente wurden entwickelt, aber die Pharma-Industrie tut sich schwer damit. Es lohnt sich aus ihrer Sicht nicht. Es wird also mehr und mehr Krankheitserreger geben, gegen die wir nichts mehr in der Hand haben.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.