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Fernsehvorbilder: Rechtsmedizin zieht junge Frauen an

Seit es Serien wie "CSI" gibt, müssen sich die Rechtsmediziner an den Universitäten über Nachwuchs keine Sorgen mehr machen. Auffällig: Vor allem junge Frauen entscheiden sich für diesen Studiengang.

Seit es Serien wie "CSI" gibt, müssen sich die Rechtsmediziner an den Universitäten über fehlenden Nachwuchs keine Sorgen mehr machen. Vor allem Frauen entscheiden sich für diesen Studiengang.

Die zahlreichen TV-Krimiserien um Rechtsmediziner und Kriminaltechniker haben nach Beobachtungen des Frankfurter Professors Hansjürgen Bratzke das Interesse an dieser Spezialdisziplin deutlich verstärkt. "Unsere Angebote gehören zu den am schnellsten ausgebuchten Wahlpflichtfächern im Medizin-Studium, und wir bekommen viel früher Kontakt zu sehr guten Studenten", sagte der Leiter des Rechtsmedizinischen Instituts der Goethe-Universität.

"Was dort gezeigt wird, ist Zauberei"

Mit der Realität stimmten TV-Serien wie "CSI" oder "Crossing Jordan" allerdings häufig nicht überein, meinte Bratzke. "Was dort gezeigt wird, ist Zauberei. Wir können zwar auch zaubern, aber es dauert viel länger." Wenn ein Serienheld beispielsweise eine DNA-Spur noch am Tatort analysiere, würden in der Bevölkerung Erwartungen geweckt, die nicht zu erfüllen seien.

Das zeige sich auch bei den Studenten: "Viele haben völlig falsche Vorstellungen, die wir aber schnell korrigieren." Insbesondere eigene Ermittlungen gehörten keineswegs zum Alltag deutscher Rechtsmediziner, betonte Bratzke. "Ich vernehme doch keinen Täter oder verfolge ihn mit dem Auto. Wir sind keine Kriminalisten in der Uni." In Deutschland gebe es eine klare Dreiteilung der Aufgaben zwischen Staatsanwaltschaft, Polizei und Rechtsmedizinern.

Perspektiven für den Nachwuchs

Er sei froh, dass die von der Politik geplanten Einschnitte bei den rechtsmedizinischen Instituten größtenteils abgewendet werden konnten, so dass es für den Nachwuchs auch wissenschaftliche und berufliche Perspektiven gebe, erklärte der Professor. Das Besondere an seinem Fach sei der interdisziplinäre und praxisorientierte Ansatz, mit dem in der jüngsten Vergangenheit große Erfolge erzielt worden seien. Dies finde leider nicht immer ausreichend Anerkennung in der Wissenschaftswelt.

Von den Geheimnissen der Leichen seien vor allem junge Frauen fasziniert, berichtete Bratzke. Rund 90 Prozent der überdurchschnittlich interessierten Jung-Mediziner seien weiblich: "Das Rollenvorbild der taffen Rechtsmedizinerin aus dem Fernsehen scheint doch zu wirken."

DPA / DPA
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