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Studie zu FFP2- und OP-Masken "Masken werden eine wichtige Schutzmaßnahme gegen SARS-CoV-2-Infektionen bleiben"

FFP2 Maske Coronavirus: Eine Frau trägt eine FFP2-Maske
FFP2-Masken helfen dabei, die Corona-Pandemie einzudämmen. Dennoch sollten auch sie mit weiteren Schutzmaßnahmen kombiniert werden.
© AndreyPopov / Getty Images
Niedersachsen plante, die generelle Maskenpflicht beim Einkauf aufzuheben, sofern es das Infektionsgeschehen zulässt – ruderte dann aber wieder zurück. Auch eine neue Studie im Fachblatt "Science" untermauert den Nutzen der Masken. Wir haben mit Studienautor Christian Witt über Situationen gesprochen, in denen das Tragen besonders sinnvoll ist.

Von FFP2-Masken erhoffen wir uns einen guten Schutz vor dem Coronavirus. Zusammen mit weiteren Forschenden haben Sie eine Studie zum Thema Wirksamkeit durchgeführt, die nun im Fachblatt "Science" veröffentlicht wurde. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse? Und was ist das Neue und Besondere an der Studie?

Unsere Studie zeigt, dass sowohl FFP2-Masken als auch einfache OP-Masken die Reproduktionszahl von COVID-19 effektiv senken. Die Reproduktionszahl ist ein Maß dafür, wie viele Personen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Je weiter diese Zahl über eins liegt, desto schneller breitet sich die Krankheit aus. Je mehr sie unter eins gedrückt werden kann, desto schneller lässt sich die Pandemie eindämmen. Masken können die Reproduktionszahl für COVID-19 nur effektiv senken, wenn möglichst viele Menschen sie korrekt anwenden. Um die Reproduktionszahl von etwa drei, wie ursprünglich beobachtet, auf unter eins zu reduzieren, müssten mindestens 60 bis 70 Prozent der Menschen chirurgische Masken tragen. Bei N95/FFP2-Masken wären es etwa 40 Prozent. Bei infektiöseren Varianten von SARS-CoV-2, als bisher bekannt, müssten die Raten entsprechend höher werden.

In den zurückliegenden Monaten wurde die Wirksamkeit der Masken gegen die Übertragung von SARS-CoV-2 oft diskutiert, teilweise auch angezweifelt. Das lag auch daran, dass einige frühere Studien zeigten, dass Masken unter gewissen Bedingungen wenig wirksam sind. Andere fanden eine hohe Wirksamkeit. Eine schlüssige Begründung und Klärung der scheinbaren Widersprüche fehlten bisher aber. Unsere Studie liefert hier weitere wichtige Erkenntnisse, etwa zu der Frage, warum sich die Wirksamkeit der Masken in virusarmer und virusreicher Umgebungsluft unterscheidet. Zu den Ergebnissen gelangten wir durch eine Kombination einer Vielzahl von Beobachtungen und Messdaten mit bewährten Rechenmethoden.

Was würden Sie sagen: Wann ist das Tragen von FFP2-Masken sinnvoll?

Besonders sinnvoll sind FFP2-Masken in Innenräumen mit erhöhten Infektionsrisiken. Dazu zählen zum Beispiel Krankenhäuser oder aber Räume, in denen sich viele Menschen gleichzeitig aufhalten oder die schlecht gelüftet sind. Auch für vorerkrankte Menschen sind sie sinnvoll, wenn diese in Innenräumen Kontakt zu anderen Menschen haben. Trotzdem sollte man sich nicht auf die Wirkung der Maske allein verlassen – einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Auch FFP2-Masken sollten – ebenso wie alle anderen Masken – mit weiteren Maßnahmen wie Lüften, Abstandhalten und natürlich Handhygiene kombiniert werden.

Im Interview: Christian Witt, Seniorprofessor der Charité Berlin und emeritierter Universitätsprofessor für Pneumologie
Im Interview: Christian Witt, Seniorprofessor der Charité Berlin und emeritierter Universitätsprofessor für Pneumologie

FFP2-Masken sind vielerorts vorgeschrieben, etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln. Würde es nicht auch eine normale OP-Maske tun?

Es ist durchaus sinnvoll, FFP2-Masken als "Alltagsmasken" zu nutzen, aber dabei ist natürlich auf die richtige Anwendung zu achten. Richtig getragen und angewandt sind FFP2-Masken deutlich wirksamer als OP-Masken oder einfache Mund-Nasen-Bedeckungen aus Stoff. Durch Verwendung von FFP2-Masken lässt sich das Infektionsrisiko in Innenräumen meist um einen Faktor 10 oder noch stärker verringern, bei OP- oder Stoffmasken um einen Faktor 2-3. In Situationen, wo FFP2-Masken nicht verfügbar oder nicht anwendbar sind, ist eine OP- oder Stoffmaske aber immer noch viel besser als gar nichts.

Hat Sie etwas an den Ergebnissen überrascht?

Nicht direkt überraschend aber im Ausmaß unerwartet war, wie stark die Wirksamkeit von Masken bei hohen Viruskonzentrationen in der Luft abnimmt. Besonders hohe Viruskonzentrationen sind in geschlossenen Räumen zu erwarten, in denen sich auch eine oder mehrere hochinfektiöse Personen aufhalten – sogenannte "Superspreader". Dies kann im medizinischen Umfeld passieren aber auch in anderen Räumen, die nicht gut gelüftet und dicht belegt sind – beispielsweise in Verkehrsmitteln, Bars und Restaurants. Weil die Infektionsrisiken bei hohen Viruskonzentrationen so stark zunehmen, ist es bei möglichen Kontakten mit infizierten Personen in Innenräumen besonders wichtig, Masken mit anderen Schutzmaßnahmen wie Lüften und Abstandhalten zu kombinieren. Umgekehrt wären auch Lüften und Abstandhalten ohne die Verwendung von Masken in bestimmten Situationen nicht ausreichend, um Infektionen zu verhindern.

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Wie können sich Ärzt:innen und das Pflegepersonal in Kliniken schützen?

Auch sie können hochwertige Masken, die mindestens dem FFP2-Standard entsprechen sollten, mit anderen Schutzmaßnahmen kombinieren – beispielsweise mit Lüften, Abstandhalten, und kurzen Aufenthaltszeiten in Räumen mit tatsächlich oder potenziell infizierten Personen. Aber zugegeben: Abstandhalten und kurze Aufenthaltszeiten sind in einigen Situationen, zum Beispiel bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten, nicht immer möglich.

In den vergangenen Wochen flammte immer die Debatte auf, wie gut FFP2-Masken schützen. Sind diese Diskussionen mit der neuen Studie nun vom Tisch?

Wir sind überzeugt, dass die Erkenntnisse aus unserer Studie einen wichtigen Beitrag dazu liefern werden, die Debatte über die Nützlichkeit von Masken abzuschließen und die COVID-Pandemie effizient einzudämmen. Masken werden eine wichtige Schutzmaßnahme gegen SARS-CoV-2-Infektionen bleiben – selbst für geimpfte Personen, speziell wenn der Impfschutz mit der Zeit nachlässt.

An der Studie war ein internationales Forscherteam beteiligt, unter anderem mit Wissenschaftler:innen des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz, der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, der Charité Universitätsmedizin Berlin sowie weiteren Forschenden aus den USA und China.


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