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Vermeintliche Sensationsmeldung: Forscher behaupten, Krebs in einem Jahr heilen zu können. Kann das stimmen?

"Krebs: Israelische Forscher wollen die Krankheit noch in diesem Jahr heilen": Diese und ähnliche Meldungen machen derzeit im Netz die Runde. Was ist dran an den Schlagzeilen?

Magnetresonanz-(MR)-Mammographie: ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin

Brustkrebs bei einer Patientin

DPA

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 480.000 Menschen neu an Krebs. Früh erkannt, sind viele Tumore gut zu behandeln. Doch trotz verbesserter Therapieoptionen zählt Krebs nach wie vor zu der zweithäufigsten Todesursache in Deutschland – nach Herz-Kreislauf-Krankheiten. Dementsprechend groß sind die Hoffnungen, die Krebs-Patienten und ihre Angehörigen in die Erforschung neuer Therapien legen.

Seit Anfang dieser Woche verbreitet sich eine Meldung im Netz, die mit einem großen Versprechen wirbt: "Ein Heilmittel für Krebs? Israelische Forscher glauben, sie haben eins gefunden", lautet die Überschrift des Artikels, der am Montag in der Zeitung "The Jerusalem Post" erschienen ist. In dem Text berichtet ein Wissenschaftlerteam von einer Therapie, die Krebs komplett heilbar machen soll.

Große Versprechen - kaum Belege

Viele internationale Medien haben die Meldung aufgegriffen und tragen zu deren Verbreitung bei. Viele Leser fragen sich: Sind die Versprechen der Forscher seriös? Bei näherem Hinsehen zeigt sich: An den Behauptungen der Forscher gibt es berechtigte Zweifel. 

In dem Text der Jerusalem Post kommt ein Mann namens Dan Aridor zu Wort: Er ist kein Arzt, sondern hat einen Abschluss in Finanzwissenschaften und leitet die Firma "Accelerated Evolution Biotechnologies Ltd" (AEBI) mit Sitz in Israel. Nach Angaben des Portals Bloomberg arbeitet die Firma an der Entwicklung neuer Medikamente. Der Schwerpunkt der Firma liegt dabei auf therapeutischen Peptiden. Dabei handelt es sich um Moleküle, die aus zwei oder mehr Aminosäuren bestehen und unter anderem in der Krebsforschung zum Einsatz kommen. 

Die Methode, an der das AEBI forscht, nennt sich "MuTaTo". Das Kürzel leitet sich von dem Begriff "multi-target toxin" ab, was übersetzt so viel wie Mehrziel-Gift lautet. Nach Angaben der Erfinder soll das Krebsmittel auf Peptid-Basis an gleich mehreren Krebsrezeptoren ansetzen und die Krebszellen mit einem Gift gezielt abtöten.

Nach Angaben der Forscher war ein Problem bestehender Krebstherapien, dass sie sich auf einen Rezeptor fokussierten. Mutierte die Krebszelle, wirkte die Therapie unter Umständen nicht mehr, so die Argumentation der Forscher. Dieses Problem soll durch den Mehrfachangriff auf die Zelle umgangen werden. Die Methode soll dabei "minimale Nebenwirkungen" haben und vom "ersten Tag an wirksam sein". 

Keine Studien an Menschen - Wirksamkeit wohl nicht belegt

Es ist fraglich, ob die Forscher ihre Versprechen halten können. Zumindest der Blick auf die Studienlage stimmt skeptisch: Das Mittel wurde bislang nur an Mäusen getestet - klinische Studien an Menschen stehen aus. Die Ergebnisse von Maus-Versuchen lassen sich nach Ansicht von Experten nur selten auf Menschen übertragen.

Im Medizin-Bereich gebe es unzählige Beispiele von Behauptungen, die auf der Basis von Tierstudien gemacht wurden und die "absolut nicht auf menschliche Krankheiten übertragbar waren", berichtet der Mediziner Benjamin Neel vom "Laura and Isaac Perlmutter Cancer Center" (New York) im Gespräch mit dem US-Fernsehsender "11abc". Die Aussagen der Forscher zu einem so frühen Zeitpunkt empfindet er als "unfair". Krebspatienten würde Hoffnung gemacht , die "wahrscheinlich falsch" sei. Er forderte die israelischen Wissenschaftler dazu auf, mögliche Studienergebnisse zur Begutachtung vorzulegen oder zu veröffentlichen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg wollte sich auf Anfrage des stern nicht zu der Methode äußern und verwies ebenfalls auf die Studienlage: "Momentan liegt uns noch keine Publikation vor, auf die sich ein Wissenschaftler in seiner Bewertung berufen könnte", teilte ein Sprecher mit.

Um die Zulassung für ein Arzneimittel zu erhalten, müssen pharmazeutische Unternehmen Unterlagen einreichen, mit denen sie die Wirksamkeit, die Unbedenklichkeit und Qualität des Arzneimittels belegen. Bei Krebs-Medikamenten ist die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) für die Prüfung der Unterlagen zuständig. Die Wirksamkeit einzelner Mittel lässt sich beispielsweise durch klinische Studien an Patienten belegen. Doch die dauern oft Jahre.

Ob und wie die AEBI-Forscher ihre Versprechen einhalten können, ist nach derzeitigem Wissensstand vollkommen offen. Dafür müssten sie aussagekräftige Studien-Ergebnisse liefern, die es derzeit nicht gibt. Bis es so weit ist, haben sie vor allem eines erreicht: ziemlich viel PR, die ganz in ihrem Sinne sein dürfte. 

Risikofaktoren : Warum mutieren Körperzellen und werden zu Krebs?
ikr
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.