HOME

Gefahrenzonen: Des Kickers neuralgische Punkte

Die meisten Fussballverletzungen treffen Bänder, Sehnen und Gelenke des Laufapparats - auf sie wirken gewaltige Kräfte.

Von Jan Schweitzer

(1) Unterschenkel/oberes Sprunggelenk/Fuß

Außenband

Gefährlich ist das Aufkommen nach einem Sprung. Wird ein Fußballer da gerempelt und knickt weg, verletzt er sich leicht das Außenband des Sprunggelenks. Meist reißen ein oder zwei der insgesamt drei Anteile, selten auch mal alle. Sind sie nur gedehnt oder teilgerissen, kann der Profi nach ein bis zwei Wochen wieder spielen. Ist alles gerissen, muss er sechs Wochen oder länger pausieren. Egal, wie viele Anteile betroffen sind - am Anfang muss der Fuß hochgelegt werden. Auf das Außenband kommt eine Druckbandage, in der ein Schaumgummipolster und Eiswasser sind. Ziel: Einblutungen zu verhindern. "Ohne die richtige Akut-Therapie kann ein Fuß schon mal auf Kürbisgröße anschwellen", sagt Heinrich Heß, Vorsitzender der Sportmedizinischen Kommission des DFB und lange Jahre Arzt der Nationalmannschaft. Die langfristige Therapie ist meist konservativ, heißt: Es wird nicht operiert, und der Fuß wird früh wieder bewegt, um Durchblutung und Muskelkraft zu verbessern.

Achillessehne

Es knallt und tut nicht sofort weh. So ist es, wenn die Achillessehne reißt. Selten führt ein gegnerischer Tritt dazu; eine "degenerierte Sehne" nennt Heß als Hauptursache. Nach dem Vernähen wird die Sehne in einem speziellen Schuh ruhig gestellt. Nach einer halbjährigen Pause kann der Sportler wieder spielen.

(2) Kniebereich

Meniskus, Außen- und Kreuzbänder

Von der einfachen Distorsion über eine partielle Meniskusruptur bis zur Unhappy Triad reicht die Palette möglicher Knieverletzungen. Übersetzt: von "schnell wieder fit", einer Knieverdrehung, über "ein bis zwei Wochen Pause", einen Teileinriss des Meniskus, bis "halbes Jahr aussetzen", nach einer Kombination aus Riss des Innenbandes, des Innenmeniskus und des vorderen Kreuzbandes. Meist verletzt sich ein Spieler, wenn ein Fuß fixiert auf dem Boden steht, während der Oberschenkel sich samt gebeugtem Knie dreht. "Je länger die Stollen, desto höher die Gefahr", sagt Heß. Abhängig vom Ausmaß des Schadens und der Diagnose reicht die Therapie von Pausieren über eine Kniespiegelung mit Vernähen vom Meniskus bis zur großen Operation, bei der das gerissene Kreuzband repariert wird. Dazu baut der Operateur eine so genannte Plastik ein, die nichts mit PVC zu tun hat, sondern mit der Verpflanzung von Sehnenteilen - etwa aus der Kniescheibensehne.

(3) Hüfte/Oberschenkel

Oberschenkel

"Der Spieler sprintet los, stoppt plötzlich und greift sich nach hinten an den Oberschenkel: "Da weiß man schon, was los ist", sagt Heß: Ein Muskelfaserriss lässt den Fußballer seine typische Bewegung machen. Dabei ist "Muskelfaserriss" das falsche Wort, denn es gehen nicht Fasern entzwei, sondern ganze Bündel. Ursache ist eine schlechte Koordination zwischen den Muskeln: Der eine zieht, während der andere, der auch hätte loslegen sollen, nicht mitzieht. Behandelt wird mit Kompressionsverbänden, Lymphdrainagen und physikalischer Therapie, und der gewissenhafte Arzt empfiehlt seinem Schützling: "Warte mit dem Spielen, bis du wieder absolut schmerzfrei bist." Denn bei dieser Verletzung gibt es häufig Rückfälle - selbst nach zehn Wochen Pause kann es zu erneuten Rissen kommen.

Leiste

So genannte weiche Leisten schmerzen derart fies, dass Fußballer nicht oder nur unter Qualen auflaufen können. "Da ist dann ein richtiges Loch in der Leistenpforte" - eine Lücke, die noch kein Leistenbruch ist, sagt Heß. Manch ehrgeiziger Profi bekämpft die Schmerzen mit Bauchmuskeltraining - und macht damit das Falsche: "Die Muskeln ziehen die Lücke richtig auseinander", so Heß. Linderung bringt eine Operation, bei der die Schwachstelle in der Leiste genäht und gestützt wird, etwa durch ein Kunststoffnetz. Ausfalldauer: etwa vier Wochen.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity