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Fußball: Wie Gerard Piqué eine Amateurtruppe aus Andorra in die Champions League hieven will

Ein hochdekorierter und bestens bezahlter Fußballprofi bekommt einen Tipp – und kauft einen Amateurklub. Der ist nicht nur erfolglos, sondern auch hoch verschuldet. Egal, findet Barça-Ikone Gerard Piqué und krempelt im Zwergstaat Andorra den Fußball um.

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Bis in die Champions League will Fußballprofi und Geschäftsmann Gerard Piqué (links) den FC Andorra hieven. In seinem ehrgeizigen Projekt mischen auch Messi und Cesc Fabregas mit.

Übersichtliche 530 Sitzplätze hat das Estadi Prada de Moles. Ein kleines Schmuckkästchen im Zwergstaat Andorra, wo alle zwei Wochen die Kicker des FC Andorra zu ihren Heimspielen auflaufen. Eigentlich ist das in der bunten und heillos überfrachteten Welt der hochbezahlten Fußballer nicht einmal eine Randnotiz. Denn die Elf aus dem Fürstentum in den Pyrenäen spielt in der dritthöchsten spanischen Liga. Und doch läuft in den Bergen zwischen Spanien und Frankreich gerade eine der spannendsten Geschichten im europäischen Fußball. Bisher noch unter dem Radar – doch das könnte sich bald ändern.

Gerard Piqué kauft verschuldeten Amateurklub 

Seit Dezember 2018 hat in Andorra ein Mann das Sagen, der im spanischen und internationalen Fußball seit Jahren eine richtig große Nummer ist. Als Gerard Piqué – Nicht-Fußball-Fans vermutlich besser bekannt als Ehemann von Latino-Sternchen Shakira – vor gut einem Jahr den verschuldeten Amateurklub kaufte, runzelte man allenthalben die Stirn. Er halte das Investment "für eine interessante Möglichkeit", sagte der Katalane damals in einem BBC-Interview. Über Freunde von Freunden habe er von dem Klub gehört, der sein fußballerisches Dasein damals noch in der fünften spanischen Liga fristete. "Der Unterschied zu anderen Klubs in Spanien ist, dass hier ein ganzes Land hinter der Mannschaft steht", hatte der 102-fache Nationalspieler damals gesagt. Ein ganzes Land heißt in diesem Fall übrigens knapp 77.000 Menschen. Nur mal so: Allein ins Estadio Nou Camp, die Heimstätte von Piqués FC Barcelona passen 99.354 Menschen. Doch Piqué ist nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz von Ehrgeiz getrieben – vor allem, wenn ihm Kritik entgegen schlägt.

Und er ließ sich nicht beirren. Als erste Amtshandlung machte sich Piqué selbst zum Präsidenten und einen früheren Barça-Spieler zum Trainer des Teams. Gabri schmiss seinen Job beim Schweizer Erstligisten FC Sion, um seinem Kumpel bei dessen Himmelfahrtskommando in den Pyrenäen zu helfen. Damit überraschte er der BBC zufolge sogar seine Familie. Man habe "wenig zu gewinnen und viel zu verlieren", gab Gabri zu. Und doch ließ er sich von Piqué überreden. Rund 600.000 Euro von dessen mutmaßlich zweistelligen Jahressalärs bei Barça sollen danach in die Schuldentilgung und den Umbau des Spielerkaders geflossen sein. Man bediente sich in einem Pool ehemaliger Barça-Spieler, die mit Piqué und Messi in der berühmten Talentschmiede La Masia das Abc des Fußballs gelernt hatten – es aber nicht bis ins katalanische Starensemble schafften. Und der Plan ging auf.

Piqué-Effekt: In sechs Monaten von Liga 5 in Liga 3

Hin und wieder tauchte der von den Kickern ehrfurchtsvoll beäugte und hochdekorierte Präsident am Spielfeldrand auf. Und spornte selbige damit offenbar mehr an, als sie nervös zu machen. Piqués Jungs befreiten sich aus dem Tabellenkeller und schossen den Klub mit einer eindrucksvollen Siegesserie in die 4. Liga. Und darüber dürften auch Messi und Cesc Fabregas gefreut haben. Denn die beiden Fußballmillionäre waren im Januar 2019 als Aktionäre beim Klub ihres aktuellen (Messi) und früheren (Fabregas) Teamkollegen eingestiegen. Dann spielte Piqué und seinen Kumpels auch noch Gevatter Glück in die Karten. Der Zwangsabstieg des CF Reus öffnete völlig unerwartet das Tor zur Segunda B, die dritthöchste Spielklasse in Spanien. Und der Fußballverband schob das Team aus dem Zwergstaat hindurch – obwohl sich auch vier anderen Vereine um den frei gewordenen Platz beworben hatten.

Pique träumt vom Durchmarsch in die Königsklasse

Womöglich geht das Fußballmärchen rund um den FC Andorra sogar noch weiter. Nach dem 22. Spieltag hat die Gabri-Elf als Tabellensechster nur zwei Zähler Rückstand auf Platz drei. Und der würde reichen, um sich für ein Aufstiegs-Playoff zu qualifizieren. Sollte der Durchmarsch in La Liga 2 tatsächlich gelingen, wäre das historisch. Doch Präsident Gerard Piqué, der neben seinem Hobby FC Andorra noch die Töppen für den FC Barcelona schnürt und deshalb nur noch selten als Zuschauer zugegen ist, träumt von mehr. "Eines Tages wird in Andorra die Champions-League-Hymne erklingen", versprach er den Fans im Frühjahr 2019 die Königsklasse.

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Wie viele Millionen Piqué bis zur anvisierten Champions-League-Premiere noch an den Pyrenäen-Klub überweisen wird, weiß der umtriebige Geschäftsmann vermutlich selbst noch nicht. Derzeit soll er mindestens 300.000 Euro beisteuern – zudem wird über ein neues Stadion spekuliert. Statt wie bisher 530 sollen in der andorrischen Hauptstadt dann rund 15.000 Menschen ihre Spieler nach vorn peitschen.

Quellen: goal.com; Twitter

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