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Geplantes Verbot von Schönheits-OPs Nur wenige Minderjährige legen sich unters Messer


Die Forderung ist nicht neu: Die Koalition überlegt, Schönheits-OPs bei Jugendlichen zu verbieten. Wie viele Minderjährige betroffen wären, welche Eingriffe häufig sind und wann die Kasse zahlt.

Union und SPD wollen einen neuen Versuch starten, um medizinisch nicht begründete Schönheits-Operationen bei Minderjährigen zu verbieten. Das Thema ist nicht neu: Seit Jahren wird darüber debattiert. Immer wieder gab es auch entsprechende Vorstöße etwa im Bundestag für solch ein OP-Verbot. Laut Umfragen kann sich zwar jeder fünfte Jugendliche eine Schönheits-OP vorstellen, doch die Wenigsten legen sich tatsächlich unters Messer. Fachverbände verweisen darauf, dass ästhetische Eingriffe bei unter 18-Jährigen nur einen sehr kleinen Anteil ausmachen.

Wie viele kosmetische Eingriffe bei Minderjährigen gibt es?

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) ist der Anteil der Schönheits-Operationen an unter 18-Jährigen "ein verschwindend kleines Phänomen": 2011 lag er demnach bei 1,3 Prozent, 2012 einer Sprecherin zufolge ebenfalls nur bei rund einem Prozent. Die in früheren Debatten genannte Zahl von zehn Prozent Schönheit-OPs bei unter 20-Jährigen bezieht sich laut DGPRÄC auf alle plastisch-chirurgischen Eingriffe wie Fehlbildungen der Hand oder die Behandlung von Verbrennungsfolgen.

Welche Korrekturen sind am häufigsten?

Der häufigste Eingriff sind mit Abstand Ohrenkorrekturen. In rund 80 Prozent der Fälle werden laut DGPRÄC abstehende Ohren bei Kindern und Jugendlichen angelegt. Es folgen Brustkorrekturen bei jungen Männern, die sogenannte Gynäkomastie.

Welche Voraussetzungen gelten?

Wie bei jeder Operation bei Minderjährigen ist die Zustimmung der Erziehungsberechtigten erforderlich. Die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) rät zu Einzelfallprüfungen, bei der neben den Eltern auch ein Jugendpsychiater oder der Hausarzt einbezogen werden kann.

Wann gilt ein Eingriff als medizinisch notwendig?

Die Abgrenzung zwischen medizinisch angebrachten und aus medizinischer Sicht unnötigen Operationen ist laut Experten oft schwierig. Ein medizinischer Grund liegt etwa bei Verbrennungsfolgen vor oder auch, wenn jemand wegen abstehender Ohren unter psychischen Problemen leidet. Rein ästhetische Eingriffe wie Brustvergrößerung und Fettabsaugung bei Jugendlichen sollten nach Ansicht der VDÄPC nicht vorgenommen werden.

Welche Risiken bergen die Operationen?

Risiken gibt es bei jedem Eingriff. Es kann zu Infektionen, Blutungen, Narben, Dellen bis hin zu lebensgefährlichen Thrombosen und Embolien kommen. Wächst der Patient noch, wachsen auch die Operationsnarben mit.

Zahlt die Kasse?

Grundsätzlich übernimmt keine Krankenkasse die Kosten für kosmetische Operationen. Allerdings gibt es Ausnahmen, wenn ein medizinischer Grund vorliegt. Folgen von Operationen und Unfällen etwa können auf Kosten der Kassen ebenso operiert werden, wie ein deutlich zu großer Busen, der Rückenbeschwerden verursacht. Auch bei Ohrenkorrekturen übernimmt bei Kindern bis zu 14 Jahren die Kosten meist die Krankenkasse.

Wie viele Schönheits-Operationen gibt es insgesamt?

Nach Angaben der Fachgesellschaft DGPRÄC gab es in Deutschland 2011 rund 138.500 rein ästhetisch-plastische Eingriffe. Hinzu kommen fast 132.000 Faltenunterspritzungen mit Botox und anderen Präparaten. Die häufigsten ästhetischen Operationen sind Brustvergrößerungen, Lidstraffung und Fettabsaugung.

Andrea Hentschel, DPA DPA

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