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Geschmackssinn: Die Zunge erkennt Fett

Forscher haben auf der Zunge spezielle Geschmackssensoren für Fett entdeckt. Im Kampf gegen das Übergewicht könnte das ein wichtiger Schritt sein.

Wissenschaftler haben auf der Zunge eigene Geschmackssensoren für fettige Speisen entdeckt. In Versuchen an Ratten und Mäusen fanden Forscher aus Frankreich und den USA den Grund, warum Menschen Fett so gut schmeckt: das Glycoprotein CD36, das sich auf der Zunge direkt neben den Geschmacksknospen befindet. CD 36 steuert die Vorliebe für Fett sowie die Produktion von fettspezifischen Verdauungssäften, selbst wenn das Fett nie den Magen erreicht. Die Forscher stellen ihre Ergebnisse im Fachjournal "The Journal of Clinical Investigation" vor.

Geschmackszellen auf der Zunge informieren Menschen und Tiere über die Nahrung, die sie zu sich nehmen. Zwischen salzig, süß, sauer, bitter und umami (dem Geschmack proteinreicher Nahrung) können die Zellen unterscheiden. Strittig war dagegen bisher, ob es auf der Zunge auch Rezeptoren für Fett gibt, die ein Lebewesen zu fettigem Essen locken können. Die Vorliebe für Fett, die oft beobachtet wird, hatten Wissenschaftler bisher nur mit dem Geruch und der Konsistenz fetthaltiger Speisen in Verbindung gebracht.

Zunge schickt ein Signal an den Magen

Nun hat das Forscherteam um Fabienne Laugerette erstmals einen Zusammenhang herstellen können zwischen der Vorliebe für Fett und dem Glycoprotein CD36. Die Wissenschaftler züchteten genetisch veränderte Mäuse ohne CD36 und verglichen sie mit gewöhnlichen Mäusen. Die wilden und genveränderten Mäuse mussten zwischen zwei Futterangeboten wählen, von denen eines Fett enthielt und das andere lediglich eine Substanz, die die Konsistenz des Fetts nachahmte. Nur die wilden Mäuse zeigten eine starke Vorliebe für die fetthaltige Speise, während die Mäuse ohne CD36 keinem der Angebote einen Vorrang gaben.

In einem weiteren Schritt untersuchten die Forscher, ob die Produktion von fettspezifischen Verdauungssäften durch eine fetthaltige Speise auf der Zunge angeregt wird. Durch die Produktion solcher Säfte wird das Verdauungssystem früh auf die weitere Nahrungsverarbeitung vorbereitet. Nur bei den wilden Mäusen konnten die Wissenschaftler solch einen Effekt feststellen, nicht aber bei den Mäusen ohne CD36.

Wenn Fett als übermäßig schmackhaft empfunden wird, kann das zu Übergewicht führen. Daher vermuten die Wissenschaftler, dass ein Zusammenhang zwischen der Funktion des Glycoproteins CD36 und Fettleibigkeit bestehen könnte.

DDP / DDP
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