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GESUNDHEIT: Herzschrittmacher-Therapie gegen Ohnmachtsanfälle

Eine neue Therapie soll Patienten helfen, die unter ständigen Ohmachtsanfällen leiden. Mit einem Herzschrittmacher wollen Kardiologen Ohnmachten vorbeugen, die durch Herzfrequenzabfall verursacht werden.

Rund 20 Prozent der Bevölkerung haben mindestens einmal im Leben einen kurzzeitigen Ohnmachtsanfall, eine so genannte Synkope. Ohmachten sind an sich meist harmlos. Kehren die Anfälle jedoch immer wieder, kann sich dahinter allerdings auch eine schwerwiegende behandlungsbedürftige Erkrankung verbergen. Jährlich erfolgen rund sechs Prozent aller Krankenhauseinweisungen allein aufgrund von Synkopen, die bei Menschen aller Altersgruppen und beiderlei Geschlechts auftreten können. Am Freitag diskutierten führende Kardiologen auf einem Fachsymposium, wie immer wiederkehrende plötzliche Ohnmachtsanfälle effektiv diagnostiziert und therapiert werden können. Die Veranstaltung fand anlässlich der 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang von Scheidt und Priv. Doz. Dr. Karlheinz Seidl statt. Im Mittelpunkt standen die jüngsten Erfahrungen mit der Herzschrittmachertherapie, die bei Patienten eingesetzt werden kann, die aufgrund eines plötzlichen Herzfrequenzabfalls das Bewusstsein verlieren.

Gefährliche Folgen

Plötzliche Ohnmachtsanfälle sind gefährlich, denn sie können bei den Betroffenen zu Verletzungen führen und darüber hinaus schwere Unfälle verursachen, z.B. im Straßenverkehr, und im Extremfall tödlich enden. Betroffene, bei denen der plötzliche Bewusstseinsverlust wiederholt auftritt, sollten deshalb unbedingt einen Fachmann aufsuchen. Denn für die meisten Ursachen von Synkopen gibt es wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten. Dazu ist allerdings eine exakte Diagnose erforderlich, die nur ein Arzt stellen kann.

Wenn Herzfrequenz und Blutdruck plötzlich abfallen

Rund ein Drittel aller Ohnmachtspatienten leidet unter sogenannten neurokardiogenen Synkopen, der häufigsten Synkopenform. Dabei kommt es entweder zu einem plötzlichen starken Blutdruckabfall oder einem Herzfrequenzabfall. Oft treten die Symptome jedoch auch zeitgleich auf. »Die nachfolgende ungenügende Sauerstoff- und Blutversorgung des Gehirns zieht die Bewusstlosigkeit nach sich«, erläutert Dr. Thomas Vieth vom Klinikum Chemnitz. Typische Auslöser für derartige Synkopen sind langes Stehen oder emotionale Ausnahmesituationen wie Stress oder Angst.

Prof. Dr. Gerd Fröhlig von den Universitätskliniken des Saarlandes, Homburg/Saar stellte heraus, dass das Verständnis der neurokardiogenen Synkope immer noch lückenhaft sei. Derzeit stehen zur Behandlung zwar mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von Diäten und speziellen Verhaltensvorschriften über (Kipptisch-) Training und Medikamente bis hin zur Herzschrittmachertherapie und müssen auf jeden einzelnen Patienten individuell zugeschnitten werden. Das Problem dabei sei jedoch, dass Tests zur Effektivitätskontrolle von Therapiemaßnahmen derzeit fehlten. Außerdem lägen kaum repräsentative Studien zur medikamentösen Behandlung vor, so Prof. Dr. Fröhlig. »Deshalb beschränkt sich die Therapieempfehlung derzeit auf (Kipptisch-) Training und die Erhöhung des zirkulierenden Blutvolumens mittels Salz und Mineralkortikoiden sowie auf gefäßverengende Medikamente«, erläuterte Fröhlig.

Schrittmacher verhindert Herzfrequenzabfall mit Rate Drop Response

Patienten, die infolge eines plötzlichen Herzfrequenzabfalls das Bewusstsein verlieren, können mit einem Herzschrittmacher effektiv behandelt werden. Mittels einer speziellen Funktion, der sogenannten Rate-Drop-Response (RDR)-Funktion, erkennt ein moderner Schrittmacher, wenn die Herzfrequenz plötzlich und stark absinkt. Die Mini-High-Tech-Geräte, die individuell für jeden Patienten programmiert werden können, reagieren daraufhin sofort mit der sogenannten Therapiefrequenz, die die fehlende Herzleistung kompensiert. Der Medizingerätehersteller Medtronic hat diese Funktion in der Schrittmacherfamilie Kappa 700 und Kappa 900 weiter optimiert. Die Geräte können so exakt eingestellt werden, dass sie auf die für jeden Patienten individuellen normalen Frequenzabfälle, wie z.B. nach sportlicher Belastung, nicht reagieren. »Placebokontrollierte Studien haben die Effektivität der Schrittmachertherapie bei Patienten, die aufgrund eines plötzlichen Herzfrequenzabfalls ohnmächtig werden, bereits belegt«, erläuterte Dr. Frank Gietzen von den Städtischen Kliniken Bielefeld Mitte. Die Studien ließen erwarten, dass die Synkopenhäufigkeit der Patienten, bei denen die Herzfrequenz plötzlich absinkt, um bis zu 90 Prozent reduziert werden könne.

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