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"Wir sind am Anfang der Epidemie": RKI-Chef warnt: Auch junge Menschen können an Covid-19 erkranken – und sterben

Tag für Tag wissen wir mehr über das Coronavirus. Das Robert-Koch-Institut hat inzwischen ein Durchschnittsalter der Erkrankten ermittelt. Und dessen Chef Lothar Wieler spricht eine klare Warnung an junge Menschen aus.

Coronavirus: RKI warnt – Covid-19 auch für Jüngere gefährlich

Es ist immer eine Art Wasserstand, wenn das Robert-Koch-Institut (RKI) dreimal pro Woche in seinen Pressekonferenzen zum aktuellen Stand der Coronavirus-Krise in Deutschland informiert. Auch an diesem Mittwoch, mehrere Tage, nachdem sich in Deutschland Millionen Menschen daran gewöhnt haben, soziale Kontakte zu Freunden und Bekannten zu vermeiden, im Homeoffice zu arbeiten und ihre älteren Angehörigen nicht mehr in Seniorenheimen zu besuchen, warnt RKI-Chef Lothar Wieler, dass Deutschland noch immer am Anfang der Pandemie stehe. "Es ist noch völlig offen, wie sich diese Epidemie weiterentwickelt", sagt er.

Mehr als 31.000 Menschen sind inzwischen laut den Daten seines Instituts an Covid-19 hierzulande erkrankt, 145 Todesfälle seien zu beklagen.

Coronavirus auch gefährlich für Junge

Auch, wenn das Virus für ältere und sehr alte Menschen besonders gefährlich sei und das Durchschnittsalter der Infizierten laut dem Institut bei 45 Jahren liege – RKI-Chef Wieler warnt eindringlich: Auch jüngere Menschen könnten an Covid-19 erkranken. Und sie könnten auch daran sterben.

Wie groß die Gefahr für diese Bevölkerungsgruppe sei, darüber haben Wieler und sein Institut noch nicht genügend aussagekräftige Daten. Wie bei so vielen Aspekten fehlen auch hier medizinische Fallzahlen und Erfahrungen. Das Coronavirus ist neu – es ist ein Virus, das bis vor wenigen Monaten noch völlig unbekannt war. Die Lage ändert sich täglich.

Auch, ob das Herunterfahren des sozialen und weitgehend auch wirtschaftlichen Lebens in Deutschland im Kampf gegen Corona helfe, kann der Veterinärmediziner und Fachtierarzt für Mikrobiologie nicht einschätzen. "Wir müssen weiter abwarten, um zu sehen, ob die Maßnahmen greifen", sagt Wieler bei seiner Pressekonferenz in Berlin. Im Moment sei es noch zu früh, um dies einzuschätzen.

Es sind viele kleine Änderungen und Erkenntnisse, über die der Chef des Robert-Koch-Instituts an diesem Mittwoch informiert. So seien die Kriterien geändert worden, nach denen mögliche Verdachtsfälle auf Covid-19 getestet werden. Die Betroffenen müssten nicht mehr in Risikogebieten gewesen sein, damit ein Test durchgeführt werde. Solch eine Pandemie verbreite sich schließlich weltweit – da mache es irgendwann keinen einen Sinn mehr, nach einzelnen Gebieten zu unterscheiden.

Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), gibt ein Update zur Coronavirus-Lage in Deutschland

Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), gibt ein Update zur Coronavirus-Lage in Deutschland

DPA

RKI sieht Deutschland weiter am Beginn der Corona-Epidemie

Und noch immer gebe es nicht genug Tests in Deutschland – daher müssten die Ärzte priorisieren, wer getestet werde und wer nicht. Auch die viel diskutierten Schnelltests seien für Deutschland noch nicht in Sicht. Noch sei deren Qualität nicht ausreichend.

Warum die Sterberaten in Deutschland relativ gering sind, auch darauf hat das Robert-Koch-Institut keine Antwort – nur Vermutungen. "In Deutschland wurde vergleichsweise früh getestet. Deswegen haben wir den Erreger früh entdeckt", sagt Wieler.

Und er betont immer wieder: "Wir sind am Anfang der Epidemie".

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