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Grippemittel: Tamiflu soll Verstärkung bekommen

Im Zeichen einer drohenden Grippepandemie ist Tamiflu eines der wenigen Medikamente, das ein wenig Schutz bieten könnte. Nur gibt es weltweit viel zu wenig davon. Aber eine alte Kriegs-Erfindung könnte helfen.

Mit einer Erfindung aus dem Zweiten Weltkrieg wollen Forscher das Grippemittel Tamiflu effektiver einsetzen. Der Gicht- Wirkstoff Probenecid soll verhindern, dass Tamiflu über den Urin ausgeschieden wird. So soll die halbe Dosis ausreichen, wie das Fachjournal "Nature" (Bd. 438, S. 6) in seiner Ausgabe vom Donnerstag berichtet. Der Tamiflu-Wirkstoff Oseltamivir wird derzeit von Staaten weltweit eingelagert, um im Fall einer Grippepandemie ein potenziell wirksames Gegenmittel zu haben. Die Produktionskapazitäten des Schweizer Herstellers Roche reichen für den aktuellen Bedarf allerdings kaum aus.

Hälfte des Wirkstoffs könnte ausreichend sein

Die Probenecid-Taktik wurde im Zweiten Weltkrieg erfunden, um das damals kostbare Antibiotikum Penizillin zu strecken. Wissenschaftler entdeckten, dass dieses einfache Benzoesäure-Derivat bei vielen Medikamenten, einschließlich Antibiotika, die Ausscheidung aus dem Blut durch die Nieren stoppt. Probenecid ist auch in Deutschland zugelassen und wird heute noch benutzt, wenn Ärzte das Antibiotikum- Niveau im Blut ihrer Patienten hochhalten wollen.

Der medizinischer Direktor des Adventist Medical Centers in Portland (US-Staat Oregon), Joe Howton, beobachtete, dass Tamiflu - wie Penizillin - aktiv durch die Nieren abgesondert wird und der Prozess durch das Probenecid gehemmt wird. Die Zugabe von Probenecid zum Grippemittel verdoppelt sowohl die Zeit, die der Tamiflu-Wirkstoff im Blut bleibt, als auch die maximale Konzentration im Blut. So soll mit der Hälfte Tamiflu der gleiche therapeutische Effekt erzielt werden.

Tamiflu-Kapazität reicht derzeit nur für zwei Prozent der Weltbevölkerung

"Es ist eine interessante Idee, aber wir können noch nichts wirklich dazu sagen", wird Roche-Sprecherin Martina Rupp aus Basel zitiert. Es gebe nur unzulängliche Daten. Der Direktor des US- Forschungszentrums für Infektionskrankheiten in Minneapolis (US-Staat Minnesota), Michael Osterholm, gab zu bedenken, dass Probenecid allein nicht genüge, um das Grippemittel ausreichend für die Abwehr einer Pandemie zu strecken. Selbst unter der optimistischsten Schätzung könne die Tamiflu-Produktionskapazität in den folgenden fünf Jahren nur sieben Prozent der Weltbevölkerung versorgen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass die Länder in Erwartung einer Grippepandemie genug Grippemittel für mindestens 25 Prozent ihrer Bevölkerung einlagern sollten. Doch obwohl Roche seine Produktionskapazität in den vergangenen zwei Jahren vervierfacht hat, werden derzeit gerade zwei Prozent der Weltbevölkerung abgedeckt.

DPA

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