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Großbritannien debattiert über Kinderschutz: Wird das Rauchen im Auto bald verboten?

Das britische Parlament hat sich für ein Rauchverbot im Auto ausgesprochen, wenn Kinder mitfahren. Es folgt damit dem Rat von Gesundheitsexperten. Die Raucherlobby kritisiert den Vorstoß scharf.

Rauchen im Auto - das soll der britischen Labour-Partei zufolge in bestimmten Situationen verboten werden, etwa wenn Kinder mit an Bord sind. Die Partei hat einen entsprechenden Gesetzesantrag eingebracht, den die Abgeordneten des Parlaments unterstützen.

In einer Abstimmung sprachen sie sich mit einer Mehrheit von 376 zu 107 Stimmen für den Entwurf aus. Dieser ermöglicht es den Ministern, ein entsprechendes Verbot auf den Weg zu bringen.

Als einen "großen Sieg für die Gesundheit der Kinder", bezeichnete die Labour-Abgeordnete Luciana Berger das Ergebnis der Abstimmung. Das Parlament habe sich deutlich für ein Rauchverbot in Autos ausgesprochen, nun sei die Regierung an der Reihe, die Gesetze zum Schutz der Kleinsten so schnell wie möglich umzusetzen, sagte sie der BBC.

Soll das Rauchen im Auto verboten werden, sobald ein Kind mitfährt?

Gesundheitsexperten fordern Rauchverbot

Rund 600 Gesundheitsexperten hatten zuvor in einem im "British Medical Journal" veröffentlichten Beitrag an die Parlamentsmitglieder appelliert, das Rauchverbot in Autos auf den Weg zu bringen. Passivrauchen sei einer der "Hauptgründe für Gesundheitsbeeinträchtigungen bei Kindern", schreiben sie. Es schädige die sich entwickelnde Lunge, verursache jedes Jahr Tausende von Krankenhauseinweisungen und führe schlimmstenfalls zum plötzlichen Kindstod. Vor allem sozial benachteiligte Kinder seien häufig betroffen.

Dass Passivrauchen, gerade für die Kleinsten, alles andere als harmlos ist, darauf weist auch das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg hin: Bei Kindern rauchender Eltern treten häufiger akute und chronische Atemwegserkrankungen auf als bei Kindern nicht rauchender Eltern. "Rauchen im Beisein von Kindern erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung", kritisiert auch die Stiftung Kindergesundheit. Es schädige nachhaltig das empfindliche kindliche Lungengewebe, auch Mittelohrentzündungen und Hirnhautentzündungen kämen öfter vor.

In anderen Ländern bereits Verbote in Kraft

Gegner des Smoking-Bans würden ihre Freiheit höher bewerten als das "Recht der Kinder, saubere Luft einzuatmen", kritisieren die Fachärzte und anderen Gesundheitsexperten in dem "BMJ"-Beitrag. Gerade im Auto seien die Kleinsten großen Mengen an Zigarettenqualm und damit Schadstoffen ausgesetzt. Das Argument, dass das Rauchverbot die persönliche Freiheit massiv einschränke, lassen sie nicht gelten. Es gäbe bereits Regeln, die im Auto einzuhalten seien - etwa die Vorschrift, sich anzuschnallen, Kindersitze zu benutzen oder während der Fahrt auf das Mobiltelefon zu verzichten.

In Australien, Kanada, Südafrika, den USA und Griechenland etwa gilt bereits ein Rauchverbot im Auto, sobald ein Kind darin sitzt. Auch in Deutschland ist ein Rauchverbot am Steuer immer mal wieder Thema. Zuletzt wurde 2011 über ein EU-weites Rauchverbot in Autos diskutiert.

Den Vorstoß des britischen Parlaments kritisierten Pro-Raucher-Gruppen erwartungsgemäß: Dieses Gesetz sei total unnötig, sagte Simon Clark, Direktor der Raucherlobby-Gruppe Forest dem "Telegraph". Die meisten Erwachsenen wüssten, wie sie sich zu verhalten hätten. Den Rest solle man erziehen, statt Gesetze zu erlassen.

Lea Wolz
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