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Interview

Hartnäckige Knubbel: Ein Arzt erklärt: So werden Sie Warzen am besten los

Warzen geben Ärzten bis heute Rätsel auf. Wie behandelt man sie am besten? Und helfen Besprechungsrituale wirklich? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Wie lassen sich Warzen am besten entfernen?

Wie lassen sich Warzen am besten entfernen?

Doktor Gerber, Ihre Klinik hat eine Warzensprechstunde eingerichtet. Bereiten diese gutartigen Hautveränderungen Menschen denn so viele Probleme?

Wenn mitten im Gesicht plötzlich ein Fleck klebt, fühlt man sich entstellt. Außerdem können sich diese Gewächse selbst aussäen und wuchern wie Unkraut.

Können sie jeden heimsuchen?
Da Warzen durch Viren verursacht werden, sind sie ansteckend. Eine eingeschränkte Körperabwehr macht es ihnen leicht, sich einzunisten. Auch kalte, feuchte Hände oder Schweißfüße fördern die Infektion.

Betroffen sind oft auch .
Ja, wenn ihr Immunsystem noch nicht voll ausgebildet ist.

Welcher Erreger ruft Warzen denn hervor?
Das menschliche Papillomvirus, kurz HPV genannt. Es befällt die Zellen der oberen Haut- oder Schleimhautschicht. Wochen später können sich dann schuppige Beulen, zerfaserte Papeln oder Horndorne ausbilden.

Wieso sehen sie so unterschiedlich aus?

Vom HPV sind hundert Unterarten bekannt. Je nach Typus wachsen Flach- oder Schleimhautwarzen oder andere Arten. Unter dem Fuß zum Beispiel Dornwarzen, die beim Gehen schmerzhaft ins Gewebe stechen. Im Genitalbereich entstehen Feigwarzen – an Penis oder Vorhaut, Gebärmutterhals oder Schamlippen, am After. Sie vermehren sich mitunter rasch und jucken.

 Gibt es Varianten, die nicht von Papillomviren verursacht werden?

Zum Beispiel Dellwarzen, gedellte Papeln, die durch Pockenviren entstehen. Alterswarzen – die manchmal schon mit 30 auftreten – sind nicht ansteckend. Vermutlich ist eine genetische Veranlagung ursächlich.

Kann ich mich beim Händeschütteln mit dem Warzenvirus infizieren?
Grundsätzlich ja, die Erreger übertragen sich durch Berührungen oder beim Sex. Und beim Barfußlaufen über Hautschuppen etwa auf dem Boden von Schwimmbädern. Die Viren dringen durch Hautrisse ein. Durch das Knibbeln an einer Warze können Betroffene sie auf andere Körperstellen übertragen.

Wie gehen Mediziner gegen Warzen vor?

Sie werden vereist, mit Infrarot- oder Laserlicht bestrahlt, abgetragen oder ausgeschabt. Verätzt oder mit Tinkturen bestrichen, die das Virus schädigen. Alternative Therapeuten arbeiten auch mit Akupunktur und Hypnose.

Früher galten Warzen als Hexenwerk und wurden besprochen. Eine Studie besagt, dass diese Scheintherapie sogar Erfolg hat.

Suggestivbehandlungen haben hier ihre Berechtigung. Bekanntlich versetzt der Glaube Berge: Vermutlich kann die Psyche das Immunsystem aktivieren, das dann verstärkt angreift. Früher rückte man Warzen auch oft erfolgreich mit Schneckenschleim oder Eigenurin auf die Pelle. Man vermutet, dass auch Ekel die Körperabwehr triggern kann.

Welche Methoden bevorzugen Sie?
Wir setzen auf Kombitherapien, eine davon: Das Hornmaterial wird zuerst mit einem Salicylsäure-Pflaster aufgeweicht, mit Bimsstein oder Skalpell heruntergearbeitet und schließlich mit einem Warzenlack bestrichen, der die Virusvermehrung bremst.

Wird man so auch Genitalwarzen los?

Hier gibt es eine Reihe von Cremes oder Tinkturen, chirurgische Abtragung oder Laser. Wir bevorzugen eine Therapie mit einem Wirkstoff aus der Garten-Wolfsmilch, eine Heilpflanze, die schon die Aborigines verwendeten. Am besten sind jedoch HPV-Schutzimpfungen.

So spontan wie Warzen kommen, gehen sie auch wieder. Geduld würde doch helfen?

Nun ja, es scheint, dass nur 60 Prozent der vulgären Warzen innerhalb von zwei Jahren spontan verschwinden. Der Rest hält sich oft hartnäckig. Außerdem ist eine Behandlung sinnvoll, um ihrer Ausbreitung vorzubeugen.

Warzen scheinen eine harte Nuss zu sein.
Sie sind tatsächlich schwer zu behandeln. Die Vielzahl der Therapien zeigt, dass wir keinen Goldstandard haben. Diese Wucherungen geben bis heute Rätsel auf.

Experte im Interview: Dr. Peter Arne Gerber ist leitender Oberarzt in der Dermatologie am Universitätsklinikum Düsseldorf


Interview: Andrea Lepperhoff
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