Helden des Körpers Der verkannte Knubbel


Unsere Füße halten so einiges aus: Durchschnittlich 120.000 Kilometer legen sie im Laufe eines Lebens zurück und tragen uns damit fast dreimal um die Welt. Dennoch vernachlässigen wir sie häufig.

Unsere Füße halten so einiges aus: Durchschnittlich 120.000 Kilometer legen sie im Laufe eines Lebens zurück und tragen uns damit fast dreimal um die Welt. Dennoch vernachlässigen wir sie häufig. Überflüssig scheint vor allem der kleine Zeh zu sein. Barfuß stößt man mit dem Störenfried gegen den Bettpfosten. Im Wanderschuh drückt er und bekommt Blasen. Aber auch in Sandalen steht das krumm gewachsene Anhängsel gern schmerzhaft über. Und ist dabei wenig ansehnlich: Da hilft auch kein roter Lack auf dem schrumpeligen Nagel.

Träger der Hauptlast

Dabei ist unser kleinstes Körperglied wichtiger, als man denkt. Der "Digitus minimus", wie er im Lateinischen heißt, stützt uns, wenn wir laufen und springen. Er vergrößert die Fußbreite und stabilisiert uns so beim Stehen und Balancehalten. Er federt Stöße ab. Und er trägt gemeinsam mit Großzehe und Ferse die Hauptlast des Körpers. Bei so viel still erduldeter Arbeit ist es kein Wunder, dass er manchmal aus der Form gerät. Beim so genannten Hammerzeh ist der Winzling durch ein Ungleichgewicht zwischen Beuger- und Streckermuskeln am Fuß fehlgestellt.

Das Mittelgelenk steht nach oben, oft bildet sich dort ein Hühnerauge. Die "verkrümmte Kleinzehe" entsteht, wenn der Zeh so stark einwärts gedreht ist, dass er über oder unter seinen Nachbarn liegt. Sein Fettpolster verliert den Kontakt mit dem Boden, stattdessen bildet sich an der aufliegenden Stelle Hornhaut oder eine unangenehme Druckstelle.

Ohne Zeh stehen lernen

Wenn der fünfte Mittelfußknochen zu weit nach außen abgespreizt ist, entsteht am Übergang vom Fußgewölbe zum kleinen Zeh eine schmerzhafte Schwiele. Das nennt man "Schneiderballen". Ist der Minizeh erfroren, unheilbar entzündet oder durch einen Diabetes minder durchblutet, muss er amputiert werden. Bis man ohne den "kleinen Stabilisator" wieder richtig laufen, gehen und stehen kann, vergeht dann mitunter ein halbes Jahr. Gefragt ist in dieser Zeit vor allem der vierte Zeh: Er muss alle Aufgaben des abhanden gekommenen Kollegen übernehmen.

Beate Wagner print

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