"Lego Star Wars" Krieg der Klötze


"Krieg der Sterne" im Legoland, ein Spiel zum Spielzeug zum Film. Ist das die Verdoppelung des Hollywood-Merchandisingwahns? Sicher. Und ein spaßiges Spektakel für PC und Konsole.

Das Raumschiff ist schwer getroffen, es explodiert. Aber ohne Flammen. Es zerbirst in seine Einzelteile - die jedes Kind sofort erkennt: Dort fliegen vier Quader mit sechs Knöpfen, hier schleudert eine dreieckige Platte mit 15 Knubbeln davon, ein 4er-Klotz bleibt liegen. Explosion im doppelten Kinderparadies: "Krieg der Sterne" im Legoland, das ist "Lego Star Wars" für PC und Konsolen. Ein Spiel zum Spielzeug zum Film - die Verdoppelung des Hollywood-Merchandisingwahns? Durchaus. Und ein wirklich spaßiges Spektakel.

Mit der Kraft der Doppel-Lizenz

Das Ausschlachten von teuren Lizenzen hat zu mehr schlechten als guten Spielumsetzungen geführt - vor allem, weil den Entwicklern der Mut fehlte, etwas zu wagen. "Lego Star Wars: Das Videospiel" vereint gleich zwei Lizenzen in sich, doch die Folge war nicht doppelte Vorsicht. Im Gegenteil: Mit bewundernswerter Konsequenz haben die Gamedesigner von "Traveller's Tales" im Computer und auf der Konsole das getan, was sonst im Kinderzimmer passiert: das Gesehene mit Lego nachgebaut. In "Lego Star Wars" lassen sich die spektakulärsten Szenen aller drei Filme der neuen "Krieg der Sterne"-Trilogie nachspielen - in Klötzchen-Knubbel-Optik. Alle Charaktere der Filme werden von Lego-Figuren dargestellt. Der Spieler kann bis zu 30 Hauptfiguren steuern, darunter Obi-Wan Kenobi, Anakin Skywalker, R2D2, C3PO, Jar Jar Binks und sogar Yoda.

Aller guten Dinge sind zwei

Die Klötzchenkrieger sind grundsätzlich zu zweit unterwegs, meistens gesellen sich im Verlauf der Geschichte weitere Gefährten hinzu. Der Spieler kann zu jeder Zeit zwischen allen Figuren hin und her schalten. Dieser Partnertausch ist besonders für die Rätseleinlagen notwendig, denn jeder Charakter verfügt über bestimmte Fähigkeiten. R2D2 zum Beispiel kann fliegen, C3PO nimmt Kontakt zu Maschinen auf und öffnet so Türen oder schaltet Geräte ab. Und sogar der ungeliebte Jar Jar Binks macht sich nützlich, indem er extrem hoch und weit springt. Die zahlreichen Gefechte übernehmen natürlich lieber die Jedi-Ritter, die entweder souverän mit dem Laserschwert umherwirbeln oder die Macht benutzen, um Kampfdroiden oder Teile der Einrichtung durch die Gegend zu schmeißen. Für Abwechslung sorgen außerdem gelegentliche Geschicklichkeits- und Action-Einlagen wie das Pod-Rennen aus "Episode 1".

Doppelter Spaß

Teamwork ist Pflicht, wer alleine spielt, bekommt eine zuverlässige Künstliche Intelligenz zur Seite gestellt, die alle anderen Charaktere steuert. Die Macht ist allerdings mit denjenigen, die zu zweit spielen. Zu jedem Zeitpunkt kann sich ein zweiter Spieler mit aufs Sofa setzen, einen Controller nehmen und mitmischen. Der Spielspaß verdoppelt sich prompt. Gemeinsam Darth Maul oder Jango Fett den Hintern zu versohlen, macht einen Heidenspaß.

Sammelwütige werden mit jeder Menge Stoff versorgt: Bauteile von Raumschiffen locken für besonders gute Ergebnisse, und mit gesammeltem Geld lassen sich an der Bar (!) Teammitglieder und allerhand Krempel kaufen. Wer stirbt, kehrt sofort an den Ort des Todes zurück und kann weiterspielen - verliert aber alle eingesammelten Schätze. Sterben ist halt teuer.

"Lego Star Wars: Das Videospiel"

Hersteller/Vertrieb

Traveller's Tale/Eidos

Genre

Action-Adventure

Plattform

PC, Xbox, Playstation2, Game Boy Advance

Preis

30 Euro (PC), 45 Euro (PS2, Xbox), 35 Euro (GBA)

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Böse Kamera

Ein wenig hat die dunkle Seite der Macht doch ihre Finger im Spiel: Technisch bietet "Lego Star Wars" nichts Außergewöhnliches, das Abbilden von Lego-Kulissen reizt nicht zu einem Grafikfeuerwerk. Der Schwierigkeitsgrad und der Anspruch sind unteres Mittelmaß, und ein bisschen mehr Abwechslung im Spielverlauf hätte gut getan. Wirklich misslungen ist aber nur das Verhalten der Kamera an manchen Stellen. Besonders im Zwei-Spieler-Modus stört es, dass die beiden aktiven Charaktere "mit Gewalt" ins Bild gezwungen werden. Wer ganz links an einem Abgrund steht, fällt hinein, wenn der Partner ein paar Schritte zu weit am rechten Rand des Bildes macht.

Spaß mit Macht

Doch die skurrile Grundidee, perfekte Musik- und Sounduntermalung sowie vor allem die charmante Präsentation machen die meisten Schwächen wieder wett: Wenn in einer der herrlich augenzwinkernden Zwischensequenzen ein Lego-Darth-Maul mit dem Doppellichtschwert herumwirbelt und die aufgemalten Augen böse blitzen lässt, dann ist das ganz großes kleines Kino.

Ralf Sander

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