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Hintergrund: Epo-Doping - Nachweis und Manipulation

Das Blut ist der Angriffspunkt beim Epo-Doping. Je mehr Sauerstoff in die Muskeln gelangt, desto höher die Leistung eines Sportlers. Epo-Doping lässt sich nachweisen, doch die Manipulationsmöglichkeiten sind vielfältig - und die Sportler werden immer dreister.

Die Ausdauerleistungsfähigkeit des menschlichen Körpers hängt wesentlich davon ab, wie viel Sauerstoff der Körper aufnehmen kann. Die roten Blutkörperchen spielen dabei die Hauptrolle, denn sie binden den Sauerstoff aus der Atemluft und bringen ihn zu den Zellen des Körpers.

Erythropoetin (EPO) ist ein körpereigenes Eiweiß-Hormon, das die Produktion der roten Blutkörperchen stimuliert. Je mehr rote Blutkörperchen im Blut vorhanden sind, desto mehr Sauerstoff kann aufgenommen werden - die Ausdauer und Leistungsfähigkeit steigt, weil auch die Muskelzellen so mehr Sauerstoff erhalten.

Künstliches Epo kann man seit 2001 nachweisen

Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, bei denen Blutarmut auftritt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet seit mehr als zwölf Jahren den Gebrauch von Epo.

Bis zum Jahr 2000 war der Nachweis von Epo schwierig, weil das körpereigene Hormon nicht vom gentechnisch hergestellten Epo zu unterscheiden war. Künstlich hergestelltes Epo unterscheidet sich nur in seiner chemischen Feinstruktur vom körpereigenen.

Den Durchbruch beim Aufspüren verbotener Epo-Einnahmen schaffte der Franzose Francoise Lasne, der ein direktes Nachweisverfahren des Epos im Urin entwickelte. Der Radsport-Weltverband (UCI) hat die Lasne-Methode im April 2001 anerkannt.

Reiskörner in der Harnröhre

Jedes künstliche Epo hat eine minimal andere chemische Feinstruktur, lässt sich also wie ein Fingerabdruck eindeutig nachweisen. Mit der Lasne-Methode ließen sich die auf dem Markt gängigen künstlichen Epos eindeutig nachweisen. Doch mittlerweile bietet sie keine absolute Nachweissicherheit mehr, weil inzwischen weltweit - vor allem in Südamerika, Asien und Afrika - viele kleine Firmen künstliches Epo herstellen.

Wolfgang Jelkmann vom Institut für Physiologie der Universität Lübeck ist spezialisiert auf den Doping-Nachweis von Epo. "Keiner weiß, inwieweit diese neuen künstlichen Epos Eingang in die Doping-Szene gefunden haben", sagt Jelkmann. "Der Doping-Nachweis wird extrem schwierig, wenn man viele dieser künstlichen Epos mischt und niedrig dosiert verabreicht."

Doch es gibt noch andere Möglichkeiten der Manipulation: "Wir wissen, dass sich die Sportler Enzympulver auf die Hand schmieren und es so in ihre Urinprobe schmuggeln", sagt Jelkmann. "Die Enzyme bauen die Epo-Eiweiße ab, das künstliche Epo ist dann nicht mehr nachweisbar".

Weil aber die Urinabgabe eigentlich unter Aufsicht erfolgt, gehen die Sportler sogar so weit, sich vor der Urinabgabe mit Enzymen präparierte Reiskörner in die Harnröhre zu stecken - um so die Manipulation unauffällig zu halten.

Jens Lubbadeh mit DPA

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