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Hirschhausens Sprechstunde: Futter bei die Fische

Ein neuer Wellness-Trend: Weil sie so eifrig lästige Hornhaut vertilgen, müssen Rote Saugbarben beim Fuß-Peeling Dienst tun. Dr. med. Eckart von Hirschhausen fragt sich: Kann das gesund sein für die Tierchen?

Dr. med. Eckart von Hirschhausen hat so seine Zweifel, ob die kleinen Knabberer genau so viel Spaß an der Sache haben wie der zahlende Kunde

Dr. med. Eckart von Hirschhausen hat so seine Zweifel, ob die kleinen Knabberer genau so viel Spaß an der Sache haben wie der zahlende Kunde

"Warum haben Fische Schuppen? Wo sollten sie denn sonst ihre Fahrräder unterstellen?" Wer das für einen absurden Witz hält, hat noch nichts von der Fischpediküre gehört. Denn wofür haben Fische einen Mund? Um Menschen damit an den Füßen zu knabbern! Kein Witz, sondern der Wellness-Trend: das Doktorfisch-Spa.

Eins nach dem anderen. Der Roten Saugbarbe, lateinisch "Garra rufa", geht ein heilender Ruf voraus, was sich in der Bezeichnung Doktorfisch niederschlägt. Um keine spätere Enttäuschung zu provozieren: dieser Titel wurde nicht durch eine eigene Dissertation erworben, sondern verdankt sich der Tatsache, dass diese kleinen Karpfenfische in der türkischen Region Kangal in sehr warmen, aber nahrungsarmen Gewässern leben. Aus purer Not knabbern sie praktisch alles an, was ihnen in die Quere kommt, inklusive Menschen.

Knabberfischstudios für gelangweilte Hausfrauenfüße

Eine Zeit lang galten die Putzerfische als exotischer #link;http://www.stern.de/haut/erkrankungen/schuppenflechte-psoriasis-behandlung-therapie-638959.html; Geheimtipp bei Psoriasis#, einer Hautkrankheit, bei der mehr Haut produziert als gebraucht wird. Aber mittlerweile ist diese Behandlung auch für gelangweilte Hausfrauenfüße populär geworden. In jeder größeren Stadt gibt es neuerdings Knabberfischstudios. Gemäß der alten Anglerweisheit "Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler" werden die Kunden mit Versprechen geködert. Die "Ausgewogenheit zwischen Natur und Körper" werde dabei hergestellt. Wie bitte? Was hat denn bitte schön die Natur davon? Die Fische werden gezüchtet und hungrig gehalten für den einen kurzen Glücksmoment im Leben, von ungeeignetem Schuhwerk stimulierte Hornhaut abzunibbeln und danach abzunippeln. "Das macht Spaß" - auch den Fischen? Es geht um das "samtweiche Fuß-Peeling" und die "Stimulation der Reflexzonen". Faszinierend, wie sich die kleinen Viecher die ganzen Meridiane merken können!

Zierfisch-Spießertum, Käsefuß und Kannibalismus

Im Ernst: Ist das nicht eine völlige Verkennung der Nahrungskette? Die Krone der Schöpfung streckt die ungewaschene untere Extremität für 30 Euro 30 Minuten in einen Bottich voller armer Kreaturen, die aussehen wie Blutegel mit Flossen. Jetzt mal Futter bei die Fische? Die Speisung der Fünftausend war ursprünglich anders gemeint. Wenn sich höhere Intelligenz durch Werkzeuggebrauch erweist, würde es ein Hornhauthobel für drei Euro in drei Minuten auch tun. Aber da fehlt das "Event", diese seltsame Mischung aus Zierfisch-Spießertum, Käsefuß und Kannibalismus. Fisch oder stirb! Jeder soll ja nach seiner Fasson glücklich werden. Aber wer darauf steht, dass ihm jemand an den Füßen knabbert, findet doch im Netz genug Fußfetischisten, die das auch für umsonst machen!

Aber deshalb gleich nach einem Verbot schreien? Nein, ich fände es viel wirkungsvoller, die Methode russisches Roulette einzuführen, damit das Ding wirklich an Kitzel gewinnt: In jedes sechste Becken keine Doktorfische, sondern Piranhas!

Eckart von Hirschhausen / GesundLeben

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