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Neues Gesetz: Das hält der deutsche Gesundheitsminister von Italiens Impfpflicht

Vergangene Woche wurde in Italien gegen teils heftigen Widerstand die Impfpflicht für Kinder unter zwölf Jahren eingeführt. Eine Diskussion über die drastische Maßnahme erreicht auch Deutschland. Sollte Impfen zur Pflicht werden?

Impfung in einer Hausarztpraxis in Dortmund. In Italien wurde kürzlich Impfpflicht für Kinder eingeführt.

Die Regierung in Italien setzte sich mit dem neuen Impfgesetz über einige Gegner hinweg

In Italien wütete seit Anfang des Jahres eine Masernepidemie. Bis Mitte Mai wurden 2395 Fälle registriert, 89 Prozent der Kranken waren nicht geimpft. Die italienische Regierung entschloss sich daraufhin für eine drastische Maßnahme: Vergangene Woche wurde die Impfpflicht für zwölf Krankheiten eingeführt, darunter Masern, Mumps, Keuchhusten und Windpocken. Nicht geimpfte Kinder bekommen keinen Krippen- oder Kindergartenplatz. Eltern schulpflichtiger Kinder müssen Bußen zahlen, wenn ihre Kinder nicht geimpft sind.

Die Diskussion über Pflichtimpfungen ist auch in Deutschland angekommen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe hält eine Impfpflicht nach italienischem Beispiel nicht für nötig, um die Masern endgültig aus Deutschland zu verbannen. Die neuen Maßnahmen zur Erhöhung der Impfbereitschaft seien schon scharf, sagte Gröhe der Deutschen Presse-Agentur am Montag am Rande der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf auf die Frage, ob Pflichtimpfungen in Frage komme. "Ich glaube, dass unsere Maßnahmen das Ziel erreichen werden."

Impfen wird in Deutschland oft vergessen

In Deutschland sei die Impfbereitschaft bei der ersten Standardimpfung groß, dann sinke sie, sagte Gröhe. "Das Problem ist nicht so sehr der kleine harte Kern der Impfgegner. Es geht darum, dass wir diejenigen, die zu einer ersten Impfung ja gesagt haben, durch beharrliches Erinnern dazu führen, auch die zweite Impfung vorzunehmen." Eltern müssten heute bei der Kindergartenaufnahme einen Nachweis über eine Impfberatung erbringen und nicht geimpfte Kinder könnten bei einem Masernausbruch aus der Schule ausgeschlossen werden, so Gröhe. Ohne Nachweis über die Impfberatung werde das Gesundheitsamt informiert, um nachhaken zu können.

In Italien formierte sich der Widerstand vor allem von seiten der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung. Diese sieht in dem Gesetz ein "Geschenk für die Pharmaindustrie". 

Masern verlaufen meist harmlos, können aber auch tödlich enden. Während der letzten großen Masernepidemie in Italien 2002 mit 18.000 registrierten Fällen gab es 15 Todesfälle.

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sve / AFP / DPA

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