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Pandemie Italien hat den Corona-Höhepunkt erreicht – aber: "Der Gipfel ist kein Gipfel"

Nach Wochen der schlimmen Nachrichten gibt es nun aus Italien einen ersten Hoffnungsschimmer: Experten gehen davon aus, dass das Land den Höhepunkt der Corona-Krise erreicht hat. Allerdings dürfte es sich dabei eher um ein Plateau handeln.

Die Zahlen dieser Woche machen den Italiener Mut – auch, wenn diese sich erst einmal nicht so lesen: Am Montag und Dienstag meldeten die Behörden jeweils etwas mehr als 4000 Menschen, die sich in den zurückliegenden 24 Stunden neu mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Am Mittwoch waren es dann 4782 Neuinfektionen. Die Zahlen sind immer noch hoch – aber halbwegs konstant.

Insgesamt sind nun gut 110.000 Menschen in Italien an dem Virus erkrankt, knapp 17.000 haben die Infektion nicht überlebt. Für Wissenschaftler mehren sich dennoch die Anzeichen, dass Italien mittlerweile am Höhepunkt der Corona-Krise angelangt ist.

Der Corona-Gipfel ist ein Plateau

Ein klassischer, spitzer Höhepunkt ist es jedoch nicht: "Der Gipfel ist kein Gipfel", erklärte Silvio Brusaferro, der Direktor des Höchsten Gesundheitsinstituts (ISS) am Mittwoch. Vielmehr handele es sich um "ein Plateau, von dem wir jetzt absteigen müssen."

Was Brusafero meint: Es werden sich weiter Menschen in Italien mit dem Coronavirus anstecken, jedoch nicht mehr so viele wie in den Wochen zuvor. Das bedeutet, dass es wohl noch einige Tage geben wird mit hohen Infektionszahlen – danach dürften diese aber langsam sinken.

Und es bedeutet auch, dass in Summe die Zahl der Menschen, die positiv getestet wurden, weiter ansteigen wird – aber, und das ist entscheidend, eben nicht mehr so exponentiell wie bisher.

Im Moment steckt jeder kranke Italiener einen weiteren an

Wichtig bei der Berechnung möglicher Neuinfektionen ist der Übertragungsindex: Wie viele Menschen steckt ein einzelner Corona-Infizierter weiter an? "Im Moment liegen wir nahe bei eins", sagte Brusafero. Jeder kranke Italiener gibt das Virus derzeit also an mindestens eine Person weiter. "Aber wir müssen unter eins kommen." Mittelfristig wolle man dann bei 0,5 landen, führte Brusafero weiter aus. Und langfristig natürlich bei null – aber: "Das wird Monate dauern."

Italienische Forscher hatten den Zeitpunkt der Null-Neuinfektionen kürzlich erst berechnet. Demnach sollte es im Epizentrum in der Lombardei am 22. April soweit sein. Spätestens Mitte Mai dann auch in allen anderen Landesteilen.

Ausnahmezustand in Italien dürfte noch Wochen andauern

Für seine Landsleute sollten die Zahlen zwar ein Grund zur Hoffnung sein – aber kein Grund zum Leichtsinn, erklärte der ISS-Chef weiter. "Wir müssen vorsichtig sein, weil aufgrund der Situation mit dem Plateau die Epidemie wieder beginnen kann, wenn wir die bestehenden Maßnahmen zur Eindämmung und Isolierung aufgeben." 

Ähnlich äußerte sich auch Gesundheitsminister Roberto Speranza am Mittwoch: Die harten Einschnitte in die Freiheit seiner Landsleute zeigten mittlerweile offenbar Wirkung. "Doch der Weg, der noch vor uns liegt, wird lang", mahnte er. Die strengen Beschränkungen in den Bereichen Wirtschaft und Gesellschaft müssten deswegen aufrechterhalten bleiben. 

Eine Verlängerung bis Ostern hatte die Regierung bereits Anfang der Woche in Aussicht gestellt. Seit 10. März dürfen sich die Italiener schon nicht mehr frei bewegen. Restaurants, Cafés, Einzelhandel, Schulen und Universitäten sind zu, viele Fabriken ebenfalls. 

Quellen: Italienisches Corona-Datencenter, "Quotidiano", Nachrichtenagenturen DPA, ANSA


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