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Giftige Spinne: Kanadier wird von Schwarzer Witwe gebissen - die Ärzte schicken ihn wieder nach Hause

Ein Mann wacht morgens mit heftigen Bauchschmerzen auf. Er schwitzt fürchterlich und klagt über Harndrang. Die Ursache für sein Leiden liegt erst wenige Stunden zurück.

Schwarze Witwe in einem Netz

Die Schwarze Witwe überträgt ein Gift, das die Nerven angreift

Getty Images

Quälende, heftige Bauchschmerzen bringen einen 50-jährigen Kanadier in die Notaufnahme eines Krankenhauses in Ottawa. Die Schmerzen hätten am frühen Morgen eingesetzt, erklärt der Mann. Außerdem könne er trotz Harndrang nicht auf Toilette gehen. Er schwitzt stark und berichtet, dass er am Vortag wahrscheinlich von einem Insekt gebissen wurde. Gesehen hat er das Tier zwar nicht. Es saß aber im hohen Gras in der Nähe einer Hütte.

Fehldiagnose - mit unangenehmen Folgen

Das Ärzteteam um Matthew Carere von der University of Ottawa beschließt, den Urin des Mannes zu untersuchen. Sie finden Blutspuren darin und glauben, dass der Mann an einer Nierenkolik leidet. Eine Kolik verursacht heftige Bauchschmerzen und wird meist durch einen Nierenstein im Harnleiter ausgelöst. Ist der Übeltäter ausgeschwemmt, bessern sich die Symptome. Weil Nierensteine oft spontan abgehen, verschreiben die Ärzte dem Mann Schmerzmittel und schicken ihn wieder nach Hause.

Einige Stunden später steht der Mann jedoch wieder in der Notaufnahme. Die Bauchschmerzen sind kaum noch auszuhalten. Es geht ihm zusehend schlechter. Seine Augenlider sind geschwollen und sein Blutdruck ist ungewöhnlich hoch. Die Herz- und Lungenfunktion sind jedoch normal.

Der Patient erinnert die Ärzte noch einmal an den Insektenbiss. Dieses Mal wird er deutlicher und äußert den Verdacht auf eine Spinne. Zunächst habe er sich nur über den Stich geärgert und ihn wieder vergessen. Doch nach zwei Stunden hätten Schmerzen eingesetzt. Er habe sich daraufhin hingelegt und auch schlafen können. Am Morgen sei er schließlich mit den quälenden Bauchschmerzen aufgewacht.

Ein Liter Urin in der Blase

Die Ärzte fertigen CT-Aufnahmen des Bauchraums an. Dabei fällt auf: Die Blase des Mannes ist voll mit Flüssigkeit. Mithilfe eines Katheters lassen die Ärzte rund einen Liter Urin ab.

Dieses Mal nehmen sie auch die Hinweise des Mannes ernst und sprechen mit einem Toxikologen. Nun gehen die Ärzte davon aus, dass der Mann tatsächlich von einem giftigen Insekt gebissen worden war - genauer gesagt: von einer Schwarzen Witwe. Die Spinnen geben bei einem Biss ein Gift ab, das die Nerven angreift. 

Aufgrund des Verdachts wird der Mann stationär behandelt: Er wird an einen Tropf gehängt und bekommt Opioide gegen seine Schmerzen. Außerdem verordnen sie ihm ein Mittel gegen den Bluthochdruck. Schon am zweiten Tag nach der Einlieferung bessern sich seine Symptome. Auch den Blasenkatheter benötigt er nicht mehr. Er kann wieder selbstständig auf Toilette gehen. 

Das Ärzteteam untersucht den Mann noch einmal gründlich auf verschiedene andere Krankheiten, die seine Symptome erklären könnten. Nach der ersten Fehldiagnose wollen sie nichts übersehen. Doch am Ende bestätigt sich der Verdacht: Der Biss einer Schwarzen Witwe war wohl tatsächlich die Ursache für das Leiden. Über den Fall berichten die Ärzte im Fachblatt "Canadian Journal of Emergency Medicine".

Bisse sind sehr selten

Bisse von Schwarzen Witwen sind in Kanada "äußerst selten", schreiben die Ärzte. Das war auch der Grund, weshalb sie dem Hinweis des Mannes zunächst wenig Beachtung geschenkt hatten. Bei der Diagnose-Stellung ist es zunächst üblich, von wahrscheinlichen Ursachen auszugehen. Ist das nicht zielführend, werden auch seltene Auslöser und Krankheiten überprüft. Die vermeintliche Nierenkolik des Mannes entpuppte sich so als Biss eines der giftigsten Tiere der Welt.

Der Biss einer Schwarzen Witwe ist - anders als oft vermutet wird - nicht zwingend lebensgefährlich. Selbst unbehandelt endet ein Biss nur selten tödlich. Als gefährdet gelten jedoch lungen- und herzkranke Patienten, sowie Ältere und Kinder. Patienten sollten nach einer Attacke für mindestens sechs Stunden klinisch überwacht werden. Das Leitsymptom sind zunehmende Muskelschmerzen im Bauchbereich. Bei schwereren Verlaufsformen beginnen Betroffene zu schwitzen, sie klagen über allgemeine Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und entwickeln einen hohen Blutdruck. 

Die Schwarze Witwe lebt an der Ost-Küste des nordamerikanischen Kontinents und im Südosten Kanadas. Die Spinne könnte sich aufgrund des Klimawandels und steigender Temperaturen weiter ausbreiten, fürchten die Mediziner. Auch mit Spinnenbissen wäre dann häufiger zu rechnen.

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ikr
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