Lach-Studie Vorfreude vertreibt Stress


Lachen ist gesund - eine Weisheit, die zunehmend auch medizinisch belegt wird. Denn Lachen, so scheint es, mobilisiert die heilenden Kräfte des Körpers. Ein US-Arzt geht noch weiter: Allein die Vorfreude auf ein lustiges Ereignis soll ausreichen, um Stresshormone zu bremsen.
Von Nicole Simon

In ihrem Lach-Experiment untersuchten der Neuroimmunologe Lee Berk und seine Kollegen von der Loma Linda University in Kalifornien, wie die Vorfreude auf einen witzigen Film sich auf das Stresssystem des Körpers auswirkt. Dazu prüften die Wissenschaftler, wie sich die Konzentration der Stresshormone Adrenalin, Cortisol und Dopac - ein Stoffwechselprodukt, das für die Adrenalinherstellung wichtig ist - im Blut von 16 männlichen Probanden veränderte.

Positive Wirkung schon vor der Vorführung

Das Ergebnis verblüffte selbst die Wissenschaftler: Die Menge von allen drei Hormonen reduzierte sich vor, während und nach der der Filmvorführung. Dreißig Minuten nachdem sich die Probanden die Komödie angesehen hatten, verringerte sich der Cortisol-, Adrenalin- und Dopacspiegel auffällig stark. Was die Wissenschaftler jedoch am meisten überraschte, war die Tatsache, dass der Hormonspiegel auch schon abnahm, bevor die Probanden etwas Witziges gesehen hatten. Die Menge an Kortisol sank um 39 Prozent, Adrenalin um 70 Prozent und Dopac um 38 Prozent.

Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu der Kontrollgruppe, der die Wissenschaftler kein lustiges Filmchen in Aussicht gestellt haben, und die sich demnach auf nichts freuen durfte. "Es scheint, dass nur die Erwartung auf eine witzige Situation sich auf das Stresssystem positiv auswirkt", sagt Berk. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse diese Woche auf dem 121. Jahrestreffen der American Physiological Society in San Diego, Kalifornien vorgestellt.

Der positive Effekt des Lachens

Vor einiger Zeit konnten Wissenschaftler um Berk zeigen, dass schon bei der Aussicht auf ein lustiges Ereignis zwei Hormone produziert werden, die gesundheitsfördernd sind: Beta-Endorpine sollen Depressionen lindern, das menschliche Wachstumshormon HGH dagegen spielt eine wichtige Rolle bei der Arbeit des Immun-Systems. Die Produktion der beiden Hormone wurde bei Versuchspersonen, die ein herzliches Lachen nur erwarteten, um 27 und 87 Prozent erhöht.

Im Jahre 2005 stellten andere Wissenschaft dann einen Zusammenhang zwischen Lachen und einem anschließenden Blutdruckabfall her. Den Mechanismus dahinter konnten sie allerdings nicht aufklären. In ihrem neuen Experiment versuchten Berk und seine Kollegen einen Teil des Problems zu lösen. Sie haben sich gefragt, ob der beim Lachen beobachtete verringerte Blutdruck im Zusammenhang mit einer verminderten Ausschüttung von Stresshormonen stehen könnte. Die Ergebnisse liefern nun womöglich einen wichtigen Hinweis darauf. Berk geht noch weiter: Er sieht in seinen Ergebnissen sogar ein großes Potenzial, um stressbedingte Erkrankungen zu behandeln. "Es ist kein Witz, dass wir glauben, Humor als Medikament zu verschreiben."

Sich über einen kurzen Zeitraum gestresst zu fühlen, ist ganz normal, kaum vermeidbar und vor allen Dingen gesundheitlich unbedenklich. Wer Stress jedoch länger ausgesetzt ist, erhöht sein Risiko etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da sich in dieser Situation die Blutgefäße im Körper zusammenziehen, Stresshormone vermehrt ausgeschüttet werden und der Blutdruck in die Höhe schießt. Aber auch andere Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes, Depressionen und eine erhöhte Infektanfälligkeit stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem sehr stressigen Alltag.

Großer Wirbel um Mini-Studie

Noch etwas skeptisch sieht Professor Willibald Ruch die Ergebnisse der Mini-Studie. Er arbeitet am Psychologischen Institut der Universität Zürich in der Fachrichtung Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik. Als Mitherausgeber des "International Journal of Humor Research" befasst er sich mit verschiedenen Aspekten des Humors. Wirklich überzeugen konnte ihn das Ergebnis noch nicht: "Die Probandenzahl ist extrem gering und die Studie gegen Zufallseffekte nicht gut absichert." Bevor man diese Beobachtung an die große Glocke hänge, müsse nachgewiesen werden, dass das Ergebnis reproduzierbar sei und auch bei einer größeren Gruppe von Studienteilnehmern auftrete. "Sollte sich jedoch herausstellen, dass ein Vorfreudeeffekt auf hormoneller Ebene eine solche Wirkung zeigt, ist das eine durchaus spannende Erkenntnis."

Lachen als Behandlung: Einen Versuch wäre es wert, denn Nebenwirkungen sind bei dieser Methode nicht bekannt. Es könnte jedoch zur Verfestigung zwischenmenschlicher Beziehungen führen, wenn man sie gemeinsam anwendet.


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