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Lebenserwartung: In Zukunft werden wir über hundert

Die Lebenserwartung steigt: Die meisten Kinder, die in diesem Jahrhundert in reichen Ländern geboren werden, haben gute Voraussetzungen 100 Jahre oder älter zu werden, sagen Forscher voraus. Doch die Entwicklung birgt gesellschaftlichen Sprengstoff.

Gut lachen: Jedes zweite derzeit geborene Baby hat gute Chancen, über 100 Jahre alt zu werden

Gut lachen: Jedes zweite derzeit geborene Baby hat gute Chancen, über 100 Jahre alt zu werden

Die Lebenserwartung steigt in den Industrieländern mit hohem Tempo: Hält dieser Trend weiter an, wird jedes zweite derzeit geborene Baby über 100 Jahre alt werden, wie deutsche und dänische Forscher in der Fachzeitschrift "The Lancet" vorhersagen. Demnach werden auch immer mehr hochbetagte Menschen ihren Lebensabend bei guter Gesundheit genießen können.

Allein im 20. Jahrhundert wuchs die Lebenserwartung in den meisten Industrieländern um mehr als 30 Jahre. Selbst wenn diese Entwicklung stagnieren sollte, werden drei von vier derzeit geborenen Babys mindestens 75 Jahre alt. Dauert der Trend zum längeren Leben jedoch unvermindert an, werden die meisten seit dem Jahr 2000 geborenen Kinder sogar ihren 100. Geburtstag erleben. Jedes zweite der im Jahr 2007 in Deutschland zur Welt gekommenen Babys wird demnach 102 Jahre alt, in Japan sogar 107 Jahre.

Eine Drosselung dieser Tendenz halten die Altersforscher der Universität Rostock und der Universität von Süddänemark in Odense für unwahrscheinlich. "Der lineare Anstieg der Lebenserwartung seit mehr als 165 Jahren deutet nicht auf ein Limit der menschlichen Lebensspanne hin", schreiben sie. "Wenn sich die Lebenserwartung einer Grenze nähern würde, würde sich der Fortschritt vermutlich verlangsamen."

Zudem vermuten die Forscher, dass die Menschen in Zukunft auch in sehr hohem Alter noch gesünder sind und sich eher selbst versorgen können als heutzutage. Die Sterblichkeit in der Altersgruppe zwischen 80 und 90 Jahren sinkt in den Industrieländern. Während im Jahr 1950 nur jede siebte Frau und jeder achte Mann, die zu diesem Zeitpunkt 80 Jahre alt waren, auch den 90. Geburtstag noch erlebte, sind es inzwischen jede dritte Frau und jeder vierte Mann.

Entwicklung birgt gesellschaftlichen Sprengstoff

Der US-Altersforscher Richard Suzman erwartet wegen der zunehmenden Lebenserwartung radikale Veränderungen in der Gesellschaft, darunter das Verschieben des Rentenalters nach hinten. "Wir sind noch fünf bis zehn Jahre von dem Wendepunkt entfernt, an dem es mehr Menschen über 65 auf der Erde geben wird als unter fünf", sagte er. "Diese Extrajahre müssen finanziert werden, und wir müssen jetzt anfangen, darüber nachzudenken." Die Entwicklung birgt daher gesellschaftlichen Sprengstoff, wie auch Daten aus Deutschland zeigen. Im Jahr 1959 kamen auf 100 Bundesbürger zwischen 15 und 64 Jahren nur 16 ältere Senioren, im Jahr 2056 werden es 60 sein. Um die wirtschaftliche Belastung durch die alternde Bevölkerung zu senken, schlagen die Wissenschaftler eine Umverteilung der Arbeitslast vor. "Die meisten Menschen könnten weniger Wochenstunden arbeiten als derzeit üblich, wenn sie dafür entsprechend mehr Jahre arbeiten würden", schreiben die Forscher. Dies hätte auch einen gesundheitlichen Nutzen: Studien deuten darauf hin, dass eine kürzere Wochenarbeitszeit und eine längere Lebensarbeitszeit die Gesundheit im Alter sowie die Lebenserwartung begünstigen. Körperlich und geistig aktive Menschen bleiben länger fit.

Aber allen Prognosen zum Trotz: Der Rekord für das längste Leben ist seit zwölf Jahren ungebrochen. Damals starb die Französin Jeanne Calment im Alter von 122 Jahren.

Walter Willems, AP / AP

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