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Lebenserwartung: "Club der Hundertjährigen" feiert

In Japan müssen die Geburtstagtorten viel Platz für Kerzen bieten: Immer mehr Menschen werden dort über 100 Jahre alt. Ende dieses Monats werden es mehr als 40.000 sein. Dass die Japaner so alt werden, liegt auch an der guten Ernährung.

Mit Sushi und Sesam zum fitten Senioren: In Japan feiert der "Club der Hundertjährigen" einen neuen Mitgliederrekord. Am Ende dieses Monats werden es 40.399 sein, genau 4123 Senioren mehr als im vergangenen Jahr, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Erhebung des Gesundheitsministeriums in Tokio hervorgeht. Einer von ihnen ist Jiroemon Kimura, mit stolzen 112 Jahren der älteste Mann des asiatischen Inselreichs. Sein Rezept für ein langes Leben: "maßvoll essen ohne Vorlieben und Abneigungen". Japans traditionell fettarme Küche gilt als einer der wichtigsten Gründe für die mit durchschnittlich 85 Jahren weltweit höchste Lebenserwartung der Japaner.

Experten sehen die steigende Zahl der Hundertjährigen als Hinweis darauf, dass sich die in Japan so schnell wie in keinem anderen Industrieland verlaufende Überalterung rasant beschleunigt hat: Seit Erreichen der 30.000er Marke bei den Hundertjährigen vergingen nur zwei Jahre, bis sich deren Zahl nun um weitere 10.000 erhöhte. Zuvor hatte es noch vier Jahre gedauert, bis die Zahl von 20.000 auf 30.000 Menschen stieg.

Fortschritte in der Altersmedizin

Zu der steigenden Lebenserwartung der Japaner tragen diverse Faktoren bei. Da wären zum einen die bahnbrechenden Fortschritte der Altersmedizin, aber auch die Tatsache, dass die Japaner in einem der sichersten und zugleich reichsten Länder der Welt leben. Dann wäre da natürlich noch die Küche des Landes - wobei es nicht immer Sushi sein muss.

Generell essen die Japaner ein Vielfaches mehr an Fisch und anderen Meerestieren als zum Beispiel die Deutschen. Damit nehmen sie auch mehr Jod zu sich, das die Schilddrüse stärkt, sowie Fettsäuren und Vitamin D, die vor Krebs schützen. Als lebensverlängernd gilt auch der allgegenwärtige grüne Tee, der vitaminreich ist und ebenso krebsvorbeugend sein soll. Hinzu kommen diverse gesunde Gemüsearten. Für die jüngere Generation sieht die Realität allerdings oft anders aus. Viele Japaner leiden nach amtlichen Erhebungen unter zu viel Körperfett. Die Sorge vor dem metabolischen Syndrom, bei dem Übergewicht Blutfette und Blutdruck steigen lassen, wurde so groß, dass die Regierung Alarm schlug: Die Nation soll abspecken. Unternehmen sind nun dazu verpflichtet, Beschäftigte untersuchen zu lassen - samt Messung des Bauchumfangs bei Mitarbeitern ab 40. Beschäftigten, bei denen das Risiko für ein metabolisches Syndrom hoch ist, müssen sie Beratungsstunden zu Fitness und Ernährung vermitteln. In Japan gilt ein Mann mit einem Hüftumfang von 85 Zentimetern und eine Frau mit einem Umfang von 90 Zentimetern als dick.

Geburtenrate sinkt

Als Ursache für die Probleme führen manche Experten den veränderten Lebensstil an. "Die Alltagsgewohnheiten unter Japanern sind ziemlich chaotisch geworden", sagt die Gesundheitsexpertin Masayo Kaneda. Das fange schon bei den Kindern an: Viele gehen nach der Schule noch auf weitere Schulen zum Pauken und kommen wie ihre Eltern oft erst spät nach Hause. Am nächsten Morgen lassen dann viele das Frühstück ausfallen. Da zudem immer mehr Mütter arbeiteten, hätten viele keine Zeit, zu kochen. Stattdessen würden Fertiggerichte aufgewärmt oder eines der auch in Japan zahlreichen Fast-Food-Restaurants aufgesucht.

Fraglich ist daher, wie lange Japan eigentlich noch das Land mit der höchsten Lebenserwartung sein wird. Noch aber ist die Sorge vor rapider Überalterung größer, denn die Alten werden nicht nur immer älter: Zugleich sinkt auch die Geburtenrate. Inzwischen hat die Bevölkerung der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt real zu schrumpfen begonnen.

Lars Nicolaysen, DPA / DPA
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