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Medienberichte: Krebsklinik soll mit toten Patienten für Behandlung geworben haben

Eine Klinik in Oberbayern steht in der Kritik: Sie soll mit den Namen toter Patienten für eine umstrittene Krebstherapie geworben haben. Die Klinik spricht in diesem Zusammenhang von "Irrtümern". 

Eine junge Krebspatientin wird von einem Arzt beraten (Symbolbild)

Eine junge Krebspatientin wird von einem Arzt beraten (Symbolbild)

Eine oberbayrische Krebsklinik soll mit angeblich geheilten Patienten für eine spezielle Krebsbehandlung geworben haben – obwohl diese längst an Krebs gestorben waren. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und beruft sich dabei auf eigene Recherchen sowie Überprüfungen des NDR und der norwegischen Zeitung "Aftenposten". Laut einer Mitteilung des NDR räumte der Klinikchef des Medias-Klinikums in Burghausen dies ein, sprach in diesem Zusammenhang aber von "Irrtümern".

In der Kritik stehen Berichte aus Frauenzeitschriften und Boulevardzeitungen. In diesen seien Menschen vorgestellt worden, die sich einer sogenannten regionalen Chemotherapie unterzogen haben, wie sie auch an der Privatklinik praktiziert werde, heißt es weiter. Das Klinikum habe auf ihrer Homepage auf diese Artikel verlinkt, obwohl "zahlreiche Patienten" schon bald nach ihrer angeblich erfolgreichen Behandlung gestorben seien, berichtet die . Für einige dieser Artikel habe die Klinik Honorar an eine Journalistin bezahlt, heißt es weiter. 

Regionale Chemotherapie: Der Nutzen ist umstritten

Der Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wirft zudem erhebliche Zweifel an dem Nutzen der in der Klinik praktizierten regionalen Chemotherapie auf. Bei diesem Verfahren wird das Zytostatikum direkt in die Tumorregion, nicht in den ganzen Körper geleitet. Das Deutsche Krebsforschungszentrum weist auf seiner Homepage darauf hin, dass das Verfahren "nur für sehr wenige Krebsarten und nur in ganz bestimmten Situationen infrage" komme. In einer Mitteilung des NDR heißt es, die Leitung des Medias-Klinikums verweise auf eigene Studien, die den Nutzen der Behandlung belegen würden. Gesetzliche Krankenkassen zahlen für die Kosten der regionalen Chemotherapie in der Regel meist nicht. 

Hinterbliebene zeigten sich angesichts der werblichen Artikel "verwundert und empört", heißt es in einer Mitteilung des . Demnach habe der Mann einer verstorbenen Schweizerin erst nach der Beerdigung seiner Frau von einem Artikel erfahren, in dem von ihrer angeblichen Heilung berichtet worden war.

Der Klinikchef des Medias-Klinikums distanziert sich in dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" von dieser Wortwahl. "Von Heilung spricht niemand in unserem Team", wird er von der SZ zitiert. Auch er habe stets moniert, dass Patienten in den Frauenzeitschriften als "geheilt" bezeichnet worden wären, heißt es weiter. Diese Bezeichnung könne man jedoch frühestens 15 Jahre nach einer Krebsbehandlung verwenden.


ikr

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