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Medikamente: Der große Schmerzmittel-Check

Auch wenn nicht jeder Hersteller auf dem Beipackzettel ausdrücklich davor warnt: Schmerzmittel, die im Zentralen Nervensystem ansetzen, bergen die Gefahr der Sucht. ASS hemmt die Blutgerinnung - das kann bei OPs gefährlich werden.

Wird der Körper verletzt, schüttet er Hormone wie Prostaglandin und Serotonin aus. Schmerzrezeptoren, die die Enden der Nervenfasern bilden, werden erregt und die Schmerzinformation nach "oben" - an das Zentrale Nervensystem (ZNS) - weitergeleitet. Außerdem verengen sich die Blutgefäße, und die Gefäßwände werden durchlässiger. Folge: Es tut weh. Um den Schmerz zu lindern, kann man den Kreislauf an zwei Orten unterbrechen: In den peripheren, vom ZNS entfernten Körperregionen an den Schmerzrezeptoren oder direkt im Zentralen Nervensystem.

PERIPHERE SCHMERZMITTEL

Sie hemmen das Enzym Cyclooxygenase, sodass weniger Prostaglandin ausgeschüttet wird: Die Rezeptoren werden unempfindlicher, und der Schmerz lässt nach. Zusätzlich wirken die Substanzen fiebersenkend und antientzündlich.

> Der Klassiker: Acetylsalicylsäure (ASS), rezeptfrei

Als "Aspirin" ist die seit 100 Jahren industriell hergestellte ASS weltberühmt geworden. In Deutschland werden jährlich etwa 1100 Tonnen verbraucht. Gering dosiert ist das Mittel gerinnungshemmend (ab 30 mg pro Tag) und wird zur Vorbeugung gegen Herzinfarkt oder Schlaganfall eingesetzt.

Schmerzlindernd wirkt es ab 500 mg bis 1000 mg, höhere Dosierungen helfen bei chronisch entzündlichen Erkrankungen (zum Beispiel Rheuma). Bei etwa zehn Prozent der Patienten führt die meist gut verträgliche ASS zu Magenbeschwerden oder kleinen Magen-Darm-Blutungen. Sie sollte daher immer mit viel Flüssigkeit und nie auf leeren Magen eingenommen werden. Bei höheren Dosierungen kann es zu Schwindel, Ohrensausen, Übelkeit, Erbrechen, seltener zu Leber- und Nierenbeschwerden oder allergischen Reaktionen kommen.

Vorsicht bei Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche mit Symptomen von Grippe und Windpocken dürfen keine ASS bekommen, da es zum Reye-Syndrom (im Anschluss an eine Virusinfektion auftretende Gehirnentzündung, Leberfunktionsstörungen, Orientierungsverlust, Krämpfe und Koma) führen kann. Außerdem sollten Schwangere in den ersten drei Monaten und kurz vor der Geburt, Menschen mit Blutungsneigung, Nierenfunktionsstörungen und Magen-Darm-Geschwüren sowie Asthmatiker andere Mittel wählen.

Tipp:

gegen Kopf, Zahn- und Gliederschmerzen nicht länger als zehn Tage einnehmen, vor Operationen (auch "kleinen" Zahn-OPs) wegen erhöhter Blutungsneigung Alternativen suchen. Brausetabletten wirken schneller und besser als normale.

> Paracetamol, rezeptfrei

Einer der unbedenklichsten Wirkstoffe bei leichten bis mittelstarken Schmerzen und geeignet gegen Fieber, auch bei Kindern. Hilft nicht bei Entzündungen. Paracetamol ist magenverträglicher als ASS, sollte aber in den empfohlenen Mengen (Erwachsene 500 bis 1000 mg, Kinder bis sechs Jahre 200 bis 300 mg, bis zwölf Jahre 400 bis 600 mg) eingenommen werden.

Vorsicht, Überdosis

Das Mittel kann relativ schnell überdosiert werden: Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Schweißausbrüchen und schweren Leberschäden, bei Dauergebrauch zu Nierenschäden (wichtig für Alkoholiker und Leberkranke). Paracetamol ständig einzunehmen kann außerdem rasch zum Medikamenten-Kopfschmerz führen.

Tipp:

gut verträgliche Alternative zu ASS für ältere Menschen und Kinder, Schwangere, Stillende und Patienten mit Magengeschwüren. Vorsicht bei Kombinationspräparaten: Da Paracetamol in vielen rezeptfreien Mischpräparaten enthalten ist, wird es leicht überdosiert - mit möglicherweise lebensgefährlichen Folgen.

>Ibuprofen, bis 400 mg rezeptfrei

Bei 200 mg wirkt es vorwiegend schmerzlindernd, in hohen Einzeldosen von 800 mg überwiegen die entzündungshemmenden, antirheumatischen Eigenschaften. Ibuprofen darf einzeln bis zu 400 mg, täglich aber höchstens bis 1200 mg eingenommen werden. Niedrig dosiert ist es gut verträglich.

Risiken und Nebenwirkungen

Zu viel des Guten kann hingegen zu schwerwiegenden allergischen Hautreaktionen, Ödemen, Magen-Darm-Blutungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Bauchschmerzen oder allergischen Schockreaktionen führen. Wer ein Magen-Darm-Geschwür oder Blutbildungsstörungen hat, sollte kein Ibuprofen nehmen. Dasselbe gilt für Schwangere.

Tipp:

in niedriger Dosierung bei leichten bis mittelstarken Schmerzen und bei Zahn- und Regelschmerzen empfohlen, bei empfindlichem Magen sind Paracetamol und ASS die besseren Mittel.

> Diclofenac, Naproxen, bis 750 mg rezeptfrei

Gehören wie Ibuprofen in die Gruppe der Rheumamittel, die kein Kortison enthalten (Nichtsteroidale Antirheumatika), werden aber auch bei Schmerzen eingesetzt. Die Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei Ibuprofen, jedoch stärker ausgeprägt.

ZENTRALE SCHMERZMITTEL

Genügt es nicht, die in der Körperperipherie verteilten Schmerzrezeptoren zu blockieren, stehen starke Schmerzmittel, so genannte zentrale Opiate zur Verfügung. Nicht nur Tumorleiden, sondern auch Herzinfarkte oder Koliken können zu so starken Schmerzen führen, dass Opiate nötig werden. Die Stoffe sind dem Morphin ähnlich, sie hemmen die Schmerzleitung, die Schmerzempfindung und die Schmerzbewertung im ZNS. Nicht jeder Beipackzettel erwähnt es ausdrücklich, jedoch besteht bei allen zentral wirksamen Schmerzmitteln die Gefahr der Sucht.

Die Nebenwirkungen sind bei all diesen Wirkstoffen ähnlich: Sie reichen von Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel bis zu Beeinträchtigung der Atmung, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung. Behutsam dosiert werden muss bei über 60-Jährigen und Patienten mit Leber- und Nierenschäden. Bei Einnahme dieser Schmerzmittel sollte unbedingt aufs Autofahren verzichtet werden. Körperliche Anstrengung kann zudem die Nebenwirkungen verstärken.

> Tilidin/Naloxon, rezeptpflichtig

Um dem Missbrauch von Tilidin als euphorisierende Droge entgegenzuwirken, wurde dem Opiat das Morphin-Gegenmittel Naloxon zugefügt. Es wird bei starken und sehr starken chronischen Schmerzen verschrieben.

> Dihydrokodein, rezeptpflichtig

Eignet sich bei mäßigen bis mittelschweren chronischen Schmerzen mit der etwa zehnprozentigen Wirkstärke von Morphin. Als Retardpräparat wird es verzögert abgegeben und ist so über einen längeren Zeitraum gut kontrollierbar, zum Beispiel bei Krebspatienten.

> Fentanyl, rezeptpflichtig

Das morphinähnliche Schmerzmittel wird über ein Hautpflaster kontinuierlich abgegeben. Angewendet wird es bei Tumorpatienten mit sehr starken Schmerzen, bei denen eine Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt nicht mehr möglich ist. Nicht angewendet werden sollte das Mittel bei leichten Schmerzen oder nach einer Operation.

> Morphin, rezeptpflichtig

Das Mittel der Wahl bei starken Schmerzen. Die Dosis kann so lange gesteigert werden, bis die Schmerzen gestillt sind. Um sie langfristig zu unterdrücken und beispielsweise Tumorpatienten Schmerzfreiheit zu ermöglichen, wird der Wirkstoff nach einem festgelegten Schema eingenommen. Morphin eignet sich zur Schmerzstillung nach einem Herzinfarkt, schweren Verletzungen, bei Nerven-, Tumor- und anderen starken Schmerzen sowie zur Schmerzverhütung nach Operationen.

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