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Kampagne für Männergesundheit: "Movember": Mit Schnurrbart gegen Krebs

Der November wird wieder zum "Movember": Auch dieses Jahr werden sich wohl wieder zehntausende Männer einen Schnauzer stehen lassen. Hinter der kollektiven Gesichtsbehaarung steckt eine Kampagne gegen Prostata- und Hodenkrebs.

von Mirja Hammer

Im Movember lassen sich Männer Schnauzer stehen

Die Frisur sitzt. Männer aus aller Welt lassen sich im "Movember" einen Schnurrbart stehen - und sammeln so Spenden für die Krebsforschung.

Es könnte sein, dass Ihnen in den kommenden 30 Tagen sehr viele Männer mit Schnurrbart begegnen. Keine Bange: Es handelt sich weder um eine Hipster-Invasion, noch um eine selektive Wahrnehmungsstörung, weil sie am Wochenende beim Retro-Bingewatching alle acht Staffeln "Magnum" gesehen haben.

Der Grund, warum sich Männer derzeit weltweit um die Züchtung von Oberlippenhaar bemühen, ist ein durch und durch guter: Es ist "Movember". Dabei handelt es sich um eine Art Spendenmarathon, der sich, wie der Name ahnen lässt, durch den gesamten November zieht. Idee der Kampagne, die sich seit etwa zehn Jahren für Männergesundheit stark macht: 30 Tage lang Bärte stehen lassen, Aufmerksamkeit schaffen, Geld für die Prostata- und Hodenkrebs-Forschung sammeln - und das Image der Männergesundheit nachhaltig verbessern.

Was der HIV-Hilfe die Aidsschleife, ist der australischen "Movember"-Stiftung der Schnurrbart. Er ist nunmehr das Erkennungsmerkmal für Männer mit einem neuen Bewusstsein für die eigene Vergänglichkeit. Sie nennen sich "Mo Bros" und machen mithilfe ihres markanten Gesichtsschmucks auf die Missstände in der Männergesundheit sowie unserer Gesellschaft aufmerksam. Auf der deutschen "Movember" Facebook-Seite haben sich fast 23.000 Menschen mit der Aktion solidarisiert. 

Movember-Aktion soll aufrütteln

"Mo Bros" und "Mo Sistas" - jene Frauen, die die Männer bei der Aktion unterstützen - wollen sichtbar machen, wofür viele bis heute blind sind: Männer sterben im Schnitt fünf Jahre früher als Frauen, weil sie selten offen über ihre Krankheiten sprechen und sich häufiger Risiken wie Rauchen oder Alkoholkonsum aussetzen. Männer vernachlässigen ihre Gesundheit und sind Vorsorgemuffel, sagt auch Frank Sommer, Urologe am Hamburger Universitätsklinikum und Präsident der "Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit" (DGMG). Allein in Deutschland wird das Prostatakarzinom jährlich 60.000 Mal diagnostiziert - etwa 12.000 Männer sterben daran. Gerade Prostatakrebs, das häufigste Krebsleiden des Mannes, lässt sich früh erkannt gut behandeln.

Doch Männer setzten Krankheit mit Schwäche gleich und schwiegen sie lieber tot, als sich jemandem anzuvertrauen. Viele schätzen zudem ihre eigene Gesundheit falsch ein. Über 80 Prozent der Männer glaubten, gesund beziehungsweise sehr gesund zu sein, so Sommer. Die tatsächlichen Zahlen sprechen dagegen: Zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr stürben dreimal so viele Männer an einem plötzlichen Herztod wie Frauen. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder bipolare Störungen sind bei Männern weit unterdiagnostiziert, wie der "Männergesundheitsbericht 2013" der Stiftung Männergesundheit offenlegt.


Dass sich das dringend ändern muss, darin sind sich nicht nur Betroffene, Ärzte und die involvierten Stiftungen und Gesellschaften einig.

Offen über Männergesundheit sprechen

Und der Bart könnte es richten: Indem Männer plötzlich einen Schnurrbart trügen, würden andere Menschen auf sie aufmerksam und fragten nach dem Grund. Mit dem Schnurrbart als Katalysator soll Veränderung ermöglicht und Männern das Selbstbewusstsein gegeben werden, offener über Ihre Gesundheit zu sprechen, so die Stiftungsgründer. Erfolgreich sind die Australier damit allemal: immerhin kann sich "Movember" den größten nicht-staatliche Geldgeber auf dem Gebiet Prostatakrebs nennen.

Ein "Mo" zu werden bedarf es wenig, dazu genügt eine gesunde Veranlagung zu Gesichtshaar, das ab dem 1. November zu einem Schnurrbart herangezüchtet werden muss. Davon gilt es Beweisfotos auf movember.com hochzuladen, um dann, ähnlich einem Spendenlauf, Gelder einzutreiben. In Deutschland kommen diese etwa dem Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) zugute.

Auch in diesem Jahr rechnet die "Movember"-Stiftung mit reger Teilnahme an der Bart-Aktion zum Wohle kranker Männer - und zum Leid all jener, bei denen ein Schnurrbart ausschließlich hässliche Assoziationen weckt. Doch mit dem Wissen, dass er a) für den guten Zweck ist und b) spätestens am 1. Dezember wieder verschwindet, sollte dem "Pornobalken" dieser Tage nichts als Hochachtung gebühren.

Mirja Hammer

Wissenscommunity