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Astrazeneca vs. Sputnik V Neue Spionage-Vorwürfe: Russland soll sich für seinen Impfstoff "Inspiration" aus Großbritannien geholt haben

Impfstoff Sputnik V
Ampullen des russischen Impfstoffs Sputnik V
© Kirill Kukhmar / Picture Alliance
Britische Medien berichten von neuen Beweisen, die belegen sollen, dass Russland beim Impfstoffhersteller Astrazeneca spioniert haben soll. Dabei sei der Bauplan des Corona-Vakzins gestohlen worden. Russland streitet das vehement ab.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Russische Spione, so die Anschuldigung, die in britischen Medien nun erneut hochkochte, sollen den Bauplan des Astrazeneca-Impfstoffs gestohlen haben. Dieser soll dann für die Herstellung des russischen Vakzins verwendet worden sein. In Russland zeigt man sich empört und dementiert. Bei den Anschuldigungen handele sich um eine "Verleumdungskampagne".

Es war die Boulevardzeitung "The Sun", die in dieser Woche zuerst berichtete, die Sicherheitsdienste seien nun sicher, dass es sich bei Sputnik V um eine Kopie des Astrazeneca-Impfstoffs handele. Demnach lägen Beweise vor, die einen Diebstahl wichtiger Dokumente bestätigen sollen. Es soll sich um einen ersten Entwurf des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca handeln. Ein russischer Spion soll die Unterlagen laut "The Sun" persönlich entwendet haben.

Russland weist Spionage-Vorwürfe von sich

Die britische Regierung hat dies bislang weder bestätigt noch kommentiert. Innenminister Damian Hinds sagte im Gespräch mit dem Radiosender "LBC" am Montag: "Ich werde mich zu dem von Ihnen erwähnten konkreten Fall nicht äußern, weil es nicht richtig wäre, dies im Detail zu tun. Aber man kann mit Fug und Recht sagen, dass wir mit Bedrohungen dieser Art konfrontiert sind, die anders, raffinierter und umfassender sind als je zuvor."

In Russland zeigt man sich angesichts der Vorwürfe erbost. "Britische Medienberichte, wonach Russlands Sputnik V angeblich auf Forschungsergebnissen des Oxford/Astrazeneca-Impfstoffs basiere, sind weitere Fake News und unverhohlene Lügen", teilte der russische Staatsfonds (RDIF) mit. Sputnik V basiere im Gegensatz zum Astrazeneca-Impfstoff – der einen Schimpansen-Adenovirus-Vektor verwende – auf einem menschlichen Vektor. 

"Verleumdungskampagne gegen Sputnik V"

Der jüngste Bericht sei, "kompletter wissenschaftlicher Unsinn", kommentierte auch Kiril Dmitriev, Leiter des RDIF gegenüber "CNBC" am Mittwoch. Er bezeichnete den Bericht als "Unsinn aus anonymen Quellen". Und sagte: "Er hat keinen Wert und ist offen gesagt eine Lüge." Die Anschuldigungen seien Teil einer Verleumdungskampagne gegen Sputnik V, "weil einige Politiker Russland nicht mögen und weil einige große Pharmafirmen, die Angst vor dem Erfolg von Sputnik V haben, Sputnik V und Sputnik Light vom ersten Tag an angreifen." Solche Attacken sei man inzwischen gewöhnt.

Tatsächlich ist der Spionage-Vorwurf alles andere als neu. Bereits im vergangenen Jahr berichtete das britische National Cyber Security Centre (NCSC) von Cyberangriffen auf Impfstoffhersteller und Forschergruppen. Die beschuldigte Hackergruppe APT29 gehöre, erklärte das NCSC damals, "mit ziemlicher Sicherheit" zum russischen Geheimdienst. Nicht bekannt ist, ob die Hacker damals erfolgreich medizinische Daten entwenden konnten. Der Kreml wies auch diese Anschuldigungen von sich. 

Hund erschnüffelt Corona-Infektion in Hannover (Symbolbild von Spürhund)

Der russische Impfstoff Sputnik V war weltweit das erste Corona-Vakzin, das 2020 zugelassen wurde und entwickelte sich in der Folge zu einem Exportschlager. Die Arzneimittelbehörden in den USA, der EU und auch in Großbritannien stehen dem Impfstoff aber weiterhin skeptisch gegenüber und haben noch keine Zulassung erteilt. Immer wieder wurden die vorliegenden Daten als mangelhaft bewertet. Dennoch geht Dmitriev davon aus, dass eine Zulassung noch in diesem Jahr erteilt werde. "Wir haben in letzter Zeit sehr positive Signale von der WHO erhalten", sagt er, "wir erwarten definitiv sehr bald eine Zulassung".

Quellen:The Sun, The Guardian, LBC, CNBC

tpo

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