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Oben ohne: Kreative Projekte zur Krebs-Verarbeitung

Jeder verarbeitet schwierige Gefühle anders. Manche Menschen singen, andere schreiben darüber, malen, filmen, fotografieren. Uta Melle stellt einige inspirierende Projekte vor.

Menschen singen gegen ihre Depression, schreiben gegen ihre Einsamkeit, malen sich die Trauer von der Seele, tanzen ihre Freude. Ich habe versucht, mit dem Foto-Projekt „Amazonen“ meinen Schock, meine Trauer zu verarbeiten und einen neuen Zugang zu meinem Körper zu finden – es hat mir und den anderen 18 Frauen immens geholfen, sich selbst neu zu erfinden.

Andere Frauen haben andere Herangehensweisen gewählt, um mit ihren Erfahrungen umzugehen und sie in Stärken zu verwandeln. Ein paar davon möchte ich heute hier vorstellen:

Bei Myriam von M. hat im Alter von 25 Jahren eine HPV-Infektion Vulvakrebs ausgelöst. Heute kämpft sie mit ihrer „fuck cancer“-Organisation für die Impfung. Unterstützen kann man sie durch den Erwerb eines ihrer coolen T-Shirts oder Accessoires. Extrem Supercool!

Narben stehen im Vordergrund von zwei Amerikanischen Künstlern. David Jay fotografiert in seinem „Scar Project“ Menschen mit Narben sehr unprätentiös – nah dran, in deren Umfeld, zeigt so viel Leben im Menschen. Dadurch wird man nicht mehr auf die Narben reduziert.

Ted Meyer verarbeitet Narben, in dem er die Haut anmalt und auf Papier druckt. Den Druck stellt er neben das Foto der farbigen Narbe. Äußerst still ist diese Serie „Triumphs over Trauma“– in ihrer bunten Art zeitlos ruhig - sehr faszinierend!

Eine ganz andere Art der Unterstützung haben sich Freundinnen von Gerdi McKenna ausgedacht: sie ließen sich aus Solidarität zu ihrer an Krebs erkrankten Freundin die Haare rasieren. Das ist eine wunderbare Art der Unterstützung, da hier einer Frau die Angst genommen wurde, sich zu zeigen – ein Weg aus der drohenden Isolierung wurde angeboten.

Die Mädels von Monokini2.0 liebe ich sehr: 3 Finninen, die Bademode für einbusige Frauen machen. Damit haben sie eine Problemlösung gegen klemmende Oberteile geschaffen, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, denn auf der behandelten Seite hat man oft das Problem, dass die Lympfknoten unter dem Arm anschwellen. Problem gelöst – praktisch und toll!

Katherine erzählt ihre Geschichte mit sehr ehrlichen Bildern und sagt: „Ich habe meine Brüste nicht verloren – ich habe einen neuen Körper“. Diese kurze Geschichte zeigt Ängste und wieder Auferstehen in sehr zarter Weise.

Das Fotoprojekt „Unsichtbar“ von Esther Beutz nimmt sich dem schweren Thema Fatigue an – lässt über die Leere nachdenken indem sie neben Portaits von Betroffenen Texte, die die Fatigue aus ärztlicher aber auch aus Patientensicht erläutern, stellt.

Der Schriftsteller Henning Mankell schreibt seit seiner Diagnose Anfang des Jahres ein Tagebuch, welches ich wunderbar präzise, klar, offen und “leicht” geschrieben finde. Nicht der Schwermut, die Trauer, die Wut – eher die Beobachtungen, Schlussfolgerungen und freundliche Verbesserungsvorschläge kann ich hier finden. Sehr zu empfehlen!

Auch eine Brustkrebs-Hymne gibt es schon: das Lied „I touch myself“ wurde entzückend interpretiert. Mehrere an Brustkrebs erkrankte Frauen singen nackt und pur zusammen mit Olivia Newton-John acapella dieses eindringliche Lied und rufen so zur Selbstuntersuchung auf.

Unglaublich einprägsam ist das „Under the red Dress“-Projekt der an Brustkrebs erkrankten Beth Whaanga. 2 Fotos – der Vergleich zwischen Beth mit und ohne ein rotes Kleid – zeigen eindrucksvoll die verborgene Veränderung des Körpers. Tolle Idee!

Es gibt viele Wege, mit seiner Erfahrung umzugehen. Ob ihre Ausdrucksform Kunst, Schreiben, Tanzen, Singen, Sport oder Backen ist, ist völlig egal. Hauptsache es hilft. Zuerst den Machern, dann vielen Anderen.

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